Superbike-WM

Ducati und Aprilia mit 1100 ccm: Ist das die Zukunft?

Von - 05.01.2019 16:07

Um immer mehr Leistung und Drehmoment zu bekommen, erhöhte Ducati in den letzten Jahren den Hubraum der Twin-Motoren auf bis zu 1299 ccm. Bei den Vierzylindern zeichnet sich der gleiche Trend ab.

Erstmals seit Gründung der Superbike-WM 1988 sehen wir in diesem Jahr alle Hersteller mit demselben Hubraum. Nach Jahrzehnten mit Zweizylinder-Motoren stellte sogar Ducati auf ein Vierzylinder-Triebwerk um und wird in den kommenden Jahren die Panigale V4R einsetzen.

Bei den Twins hat der Hersteller aus Bologna den Hubraum die letzten Jahre sukzessive erhöht, bis auf zuletzt 1299 ccm.

Das Standard-Modell Ducati V4 verfügt über 1103 ccm, für die Superbike-WM musste die V4R mit 998 ccm gebaut und homologiert werden, um teilnehmen zu dürfen.

Aprilia gab im November zwar den Ausstieg aus der seriennahen Weltmeisterschaft bekannt, bei den Serienmodellen verfolgen sie aber dieselbe Strategie wie Ducati: Die neue RSV4 Factory hat 1087 ccm und ebenso wie die V4R Winglets, mehr Elektronik und viele Einstellmöglichkeiten am Chassis.

1000 ccm sind für Aprilia und Ducati nicht mehr genug, obwohl Maschinen mit diesem Hubraum in Serie bereits über 200 PS leisten. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch die japanischen Hersteller sowie BMW nachziehen.

Neu ist der Ansatz nicht: Die exotische Norton V4 hat 1200 ccm. Die nicht mehr gebaute KTM RC8 hatte 1148 ccm, allerdings mit einem Twin-Aggregat. MV Agusta hat den Vierzylinder-Motor der Brutale 1090 mit 1078 ccm, diesen aber nie in eine F4 transplantiert.

Schon 2015 erhöhte Aprilia in der Tuono V4, dem unverkleideten Schwestermodell der supersportlichen RSV4, den Hubraum des Motors auf 1087 ccm. Nun wurde für die RSV4 Factory der Hubraum durch einfaches Aufbohren von 78 auf 81 mm Bohrung ebenfalls erhöht, der Hub bleibt unverändert bei 52,3 mm.

Weitere Modifikationen im Innenleben des V4 mit 65 Grad Zylinderwinkel sind eine vergrößerte Ölpumpe, Kühlung der Kolbenböden mit zwei statt einer Öldüse, neue Steuerzeiten für die Einlassventile und für den 5. und 6. Gang ein längeres Übersetzungsverhältnis. Trotz der größeren Kolben konnte die Maximaldrehzahl auf 13.600/min erhöht werden. Als Leistungsdaten gibt Aprilia 217 PS bei 13.200/min und 122 Nm bei 11.000/min an. Das Drehmoment soll durch den Hubraumzuwachs über den ganzen Drehzahlbereich 10 Prozent höher sein.

Entscheiden sich die Hersteller zunehmend für mehr als 1000 ccm, muss entweder mittelfristig das Reglement der Superbike-WM angepasst und der Hubraum erhöht werden, oder die Motorradmanufakturen müssen Sonderserien bauen. Da heute nur noch 500 Maschinen für eine Homologation notwendig sind, kann sich daraus sogar ein lukratives Geschäft entwickeln, wie Ducatis Sportdirektor Paolo Ciabatti weiß.

«Ducati ist bekannt dafür, spezielle Sportmotorräder zu bauen», erzählte der Italiener SPEEDWEEK.com. «Wann immer wir eine besondere Maschine mit Technik auf dem letzten Stand gebaut haben gab es Kunden, die glücklich darüber waren dieses Produkt zu kaufen. Das begann mit den SP-Modellen, dann kam die SPS und so weiter. Wir bauten die Superleggera, die um die 80.000 Euro kostete. Deren Auflage von 500 Stück verkauften wir sehr schnell. Deshalb ist auch die Panigale V4R eine gute technische Fingerübung, mit der Akrapovic-Auspuffanlage hat sie 234 PS. Für uns ist es nicht so schwierig, solche Motorräder zu verkaufen. Und sie geben uns die Möglichkeit spezielle Modelle zu bauen, die auch guten Gewinn für die Firma abwerfen. Es zeigt sich zunehmend, dass das heutige Hubraumlimit von 1000 ccm immer weniger Sinn macht. Wenn du die Leistung und das Drehmoment mit 100 ccm mehr leicht steigern und damit ein sehr gutes Sportmotorrad für normale Kunden bauen kannst, warum nicht? Deshalb wurde die V4 als 1100er gebaut.»

Habt ihr bei SBK-Promoter Dorna oder dem Motorrad-Weltverband FIM wegen einer Hubraumerhöhung angefragt? «Bislang nicht», so Ciabatti. «Ich weiß auch nicht, ob es so kommen wird. Das hängt davon ab, ob alle Hersteller diesbezüglich die gleichen Vorstellungen haben. Wenn mehrere Hersteller diese Idee haben, dann werden wir das untereinander diskutieren und es anschließend eventuell der FIM und Dorna vorschlagen. Im Moment ist das Thema aber nicht auf dem Tisch, weil die Japaner ihre Bikes nach wie vor mit 1000 ccm bauen.»

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Die Aprilia RSV4 Factory mit 1087 ccm © Aprilia Racing Die Aprilia RSV4 Factory mit 1087 ccm Die Ducati Panigale V4 mit 1103 ccm © Ducati Die Ducati Panigale V4 mit 1103 ccm Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti © Gold & Goose Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti
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