Superbike-WM

BMW überzeugt: Eigene Elektronik ein großer Vorteil

Von - 11.01.2019 19:26

Nach fünf Jahren Pause kehrt BMW 2019 mit einem Werksteam in die Superbike-WM zurück. Wie Tom Sykes die hauseigene Elektronik einschätzt, verriet Motorsport-Direktor Marc Bongers im Exklusiv-Interview.

Ende Januar stellt sich das neue BMW-Werksteam in Jerez und Portimao erstmals der Konkurrenz; vor dem Saisonstart am letzten Februar-Wochenende in Australien gibt es zwei weitere Testtage auf Phillip Island.

BMW-Neuzugang Tom Sykes saß erst zweimal auf der neuen S1000RR: Ende November in Miramas/Südfrankreich und Mitte Dezember in Almeria/Spanien. Teamkollege Markus Reiterberger hat seit dem Sommer einige Tests hinter sich gebracht, mit der Serien- und der Superstock-Maschine.

SPEEDWEEK.com sprach mit BMWs Motorsport-Direktor Marc Bongers, wie weit die Entwicklung der neuen S1000RR vorangeschritten ist.

Marc, unterscheiden sich die Kommentare von Sykes gegenüber jenen von Reiterberger aus den letzten Monaten?

In Almeria saßen beide zum ersten Mal auf dem Superbike. Was Sykes über unser Stock-Motorrad gesagt hat, deckte sich zum Großteil mit dem, was Markus sagte. Nur hatte Markus als einzige Referenz die vorherige BMW, Sykes hatte mindestens einen weiteren Vergleich zu einem anderen Fabrikat. Das war für uns sehr interessant, mal aus einem anderen Blickwinkel neuen Input zu bekommen.

Die letzten Jahre mit Althea wurde immer wieder mal auf der Elektronik herumgehackt. Und es gab auch Kritik an anderen Teilen des Motorrads, wo wir nicht genau wussten, ob das wirklich so ist und wo wir stehen.

Markus war mit der Elektronik schon immer relativ zufrieden, er hatte aber auch keinen Vergleich.

Ein Roll-out mit Sykes ist kein Event, bei dem man auf Rundenzeitenjagd geht. Aber es kamen Themen hoch, die er gerne anders hätte. Das Positive für mich war, dass er bezüglich der Elektronik sehr genaue Aussagen traf und wir ihm auch helfen konnten. Änderungen bezüglich der Fahrbarkeit, Motorbremse, Wheelie-Kontrolle. Einiges konnten wir direkt in Miramas ändern, andere Sachen brachten wir zum Almeria-Test mit. Jetzt sind wir auf einem Stand, wo es keine Baustellen mehr gibt, bei denen wir Bauchschmerzen haben müssen. Das war für mich eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Elektronik für die neue Maschine wurde noch mal überarbeitet, wir haben den Vorteil, dass wir sie in der eigenen Hand haben und uns nicht mit Magneti Marelli austauschen müssen. Mit Marelli zu entwickeln ist zäh und teuer. Wir machen das mit den eigenen Ingenieuren und können unsere eigene Flexibilität gestalten.

Sykes hatte bei Kawasaki das beste Elektronik-Paket von Magneti Marelli zur Verfügung. Steht ihr gar nicht so schlecht da, wie einige ehemalige BMW-Fahrer behaupten?

So sehe ich das. Wobei wir uns aber noch nicht mit der Konkurrenz gemessen haben. Die ersten Rückmeldungen geben mir aber die Bestätigung, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen.

Wie groß wird euer Fortschritt gegenüber 2018 sein?

Im neuen Serienmotorrad haben wir einen Sechs-Achsen-Sensor, den verwenden wir auch in der Superbike-WM. Damit kannst du in jede Richtung die Bewegungen des Motorrads erfassen. Früher ging nur die Erfassung der Schräglage sowie die Beschleunigung vorwärts und rückwärts. Jetzt haben wir noch die dritte Achse dazu, dann siehst du etwa, wie sich das Motorrad im Drift dreht. Das bringt Vorteile in der Traktions- und Wheelie-Kontrolle. Das verwenden die Kollegen auch schon.

Das ist ein relativ großer Schritt, sonst sind es kleine Verfeinerungen. Wir haben uns auf der Elektronik-Seite stärker aufgestellt und können uns den Themen jetzt besser widmen.

Was hat euch Sykes bis zum Jerez-Test an Hausaufgaben gegeben?

Da gibt es nichts Dramatisches. Wir hatten selber Hausaufgaben, die wir bis zum Almeria-Test nicht fertigstellen konnten. Zum Beispiel die erste Schwinge wird zum Jerez-Test verfügbar sein, in Almeria fuhren wir mit Serienschwinge. Was Tom betrifft, sind das eher Ergonomie-Themen, damit er sich wohlfühlt.

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«Input von Sykes zu bekommen, ist interessant», sagt BMW-Motorsport-Direktor Marc Bongers, links im Bild © BMW «Input von Sykes zu bekommen, ist interessant», sagt BMW-Motorsport-Direktor Marc Bongers, links im Bild
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