Superbike-WM

Werner Daemen über Reiti: «Wie Rossi im Grand Prix»

Von - 13.08.2019 20:32

Zwei sechste Plätze von Markus Reiterberger sind wenig, um sich bei BMW für die Superbike-WM 2020 zu empfehlen. Sein Manager Werner Daemen glaubt, dass er viel stärker sein kann, falls er eine weitere Chance erhält.

BMW-Teamchef Shaun Muir ist derzeit in Thailand im Urlaub, auf der Insel Phuket in der Andamanensee. Am 24./25. August wird in Portimao getestet, am zweiten September-Wochenende geht die Weltmeisterschaft an selber Stelle in die entscheidende Phase. «Die Entscheidung bezüglich der Fahrer wird bald fallen», unterstrich der Engländer.

Mit Tom Sykes wird es im BMW-Werksteam weitergehen, um den zweiten Platz bemühen sich eine Reihe Fahrer. Unter ihnen der aktuelle Pilot Markus Reiterberger, aber auch der WM-Dritte Alex Lowes, der seinen Platz bei Yamaha an Toprak Razgatlioglu verliert. Und der rekonvaleszente Leon Camier, der bei Honda Alvaro Bautista Platz machen muss.

Reitis Manager Werner Daemen bemüht sich nach Kräften darum, seinen Schützling in der Superbike-WM zu halten. Erste Wahl ist natürlich das BMW-Werksteam, der Belgier spricht aber auch mit dem spanischen Orelac-Team, das für 2020 gerne von Kawasaki zu BMW wechseln möchte.

Nach 25 von 37 Läufen ist Reiterberger mit 60 Punkten WM-14., zwei sechste Plätze in Assen sind seine einzigen einstelligen Resultate. Teamkollege Tom Sykes hat 170 Punkte, ist WM-Achter, stand dieses Jahr schon dreimal auf dem Podium und brauste 14 Mal in die Top-7.

Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass sich BMW und das Partnerteam Shaun Muir Racing die Daten von Reiti sehr genau anschauen werden, bevor sie sich erneut für den Obinger entscheiden.

SPEEDWEEK.com sprach mit Werner Daemen.

Werner, bei BMW klopfen reihenweise Spitzenfahrer an, die gerne den Job von Markus Reiterberger hätten. Wie schaut euer Plan B aus, falls es zu keiner Vertragsverlängerung kommt?

So einen richtigen Plan B haben wir noch nicht, aber wir sind realistisch. Die anderen sehen auch, dass BMW einen sehr großen Schritt gemacht hat. Wenn Sykes jetzt schon Top-3 fahren kann, dann ist das ein zukünftiges Topmotorrad.

Ich glaube, dass wenn Markus eine zweite Chance in diesem Team kriegt und sich mehr zuhause fühlt, dann ist er von Leuten wie Haslam oder Laverty nicht weit weg. Er kann sogar besser sein. Es gibt nicht viele Kandidaten, die schneller als Markus wären, wenn er ein zweites Jahr fahren darf. Dann wird er sicher einen großen Schritt nach vorne machen. Aber wenn sich ein absoluter Topfahrer anbietet, dann ist das für Shaun keine einfache Entscheidung.

In Donington Park fuhr Peter Hickman, der hatte im Trockenen auch 34 sec Rückstand auf den Sieger und war nicht schneller als Markus, das ist dasselbe Niveau.

Wir wissen, wie Rennsport ist: Markus muss sich beweisen. Sport ist eine ganz harte Welt.

Wenn Reiterberger ein Umfeld hat wie bei dir in der IDM oder der Superstock-1000-EM, mit lauter Freunden um ihn herum, dann hat er gezeigt, dass er sehr schnell sein kann. Jetzt haben wir aber wieder eine ähnliche Situation wie 2016 bei Althea: Markus fühlt sich alleine gelassen, weil sein Crew-Chief Pete Benson nicht immer die gleichen Ansichten vertritt. Ist es nicht im Interesse von allen, alles Erdenkliche zu unternehmen, um Reiterberger schneller zu machen?

Ich weiß als Riding-Coach nicht genau, was das Team technisch macht, ich bekomme das nicht zu hören.

Bei mir im Team ist es so, dass wir für unsere Rennfahrer immer alles machen. Wenn es Probleme gab, haben wir so lange getestet, bis diese gelöst waren und das Motorrad gepasst hat. Eher hören wir nicht auf.

In der WM muss er sich schneller an das Motorrad adaptieren, und der Crew-Chief hat eventuell andere Vorstellungen. Das ist nicht schlecht, nur anders. Markus kann schlecht damit umgehen, er ist gewohnt, dass alles für ihn gemacht wird. Veränderung ist nicht gut für ihn.

Und dann hat er auch noch einen Teamkollegen, der seit Imola im Mai in jedem Rennen podestfähig war.

Genau. Mental ist das nicht positiv für ihn. Es ist aber auch gut, weil der Teamkollege zeigt, wie schnell das Motorrad sein kann, wenn alles stimmt.

Shaun Muir hat mehrfach bemerkt, dass er der Meinung sei, dass Reiterberger und sein Umfeld nicht alles unternehmen, dass er maximal erfolgreich sein kann.

Das habe ich auch gelesen. Ich weiß, warum er das sagt: Er weiß, dass wir das lesen. Ich kann nur sagen: Wir machen alles für Markus. Wenn aber die Türe zur Box zu ist, dann haben wir null Kontrolle, wie das Motorrad ist. Das können wir nicht bestimmen. Wir sind genauso Passagier wie Markus.

Das Team wirft Reiterberger vor, dass seine Wunschabstimmung nur auf drei Rennstrecken funktionieren würde.

Dazu hat jeder seine Meinung, ich sehe das nicht ganz so. Vieles hat mit dem Fahrstil und der Größe zu tun. Leon Camier und Chaz Davies werden mit ihrer Abstimmung nicht weit voneinander liegen.

Sykes ist ähnlich groß wie Markus, er fährt aber anders als alle anderen. In der Kurvenmitte ist er viel langsamer als alle anderen und arbeitet sehr viel mit der Daumenbremse. Er macht das unheimlich gut, das ist ein Vorteil, wie er das macht. Er muss sich sehr gut auf dem Motorrad fühlen und holt immer 100 Prozent heraus – und das fast ohne Stürze. Seinen Fahrstil kannst du aber nicht auf die Schnelle übernehmen.

Trotz der Kritik war es bislang so, dass sich Teamchef Shaun Muir immer hinter Markus gestellt und ihm den Rücken gestärkt hat.

Er ist pro Markus, das stimmt. Shaun hat ihn gerne, er arbeitet aber mit sehr starken Charakteren wie Pete Benson zusammen und die haben technisch das Sagen. Das ist auch gut, so lange alles läuft.

Markus hatte bislang immer sein eigenes Umfeld, das hat ihn stark gemacht.

Die Wunschwelt gibt es für Reiterberger aber nur, wenn er mit deinem Team IDM fährt.

Da hast du recht. Das Umfeld bei uns war für ihn das Beste. Aber Shaun Muir Racing ist ein sehr gutes Team.

Nur haben wir am Motorrad alles so gemacht, wie Markus das wollte. Das hat ihn mental stark gemacht. Wir haben vor jedem Rennen stundenlang geredet, warum wir was wie machen. Das war wie bei Rossi im Grand Prix, alles war um Markus gebaut.

Sykes, Rea, Bautista, die haben alle das Team um sich herum aufgebaut – das ist normal.

Es ist ein Problem von manchen Fahrern, wenn das Umfeld so wichtig ist, wie das Motorrad selbst. Markus ist ein Familienmensch und hat sein Umfeld nötig. Vielleicht ist das Umfeld zu wichtig für ihn – eventuell wird das mit zunehmendem Alter besser.

Ist es vorstellbar, dass ihm mit seinem Fahrstil ein anderes Motorrad als eine BMW besser liegen würde?

BMW, Yamaha, Suzuki – die haben alle zwei Räder.

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Markus Reiterberger: Rechts neben ihm Werner Daemen und Pete Benson © BMW Markus Reiterberger: Rechts neben ihm Werner Daemen und Pete Benson BMW-Rennchef Marc Bongers, BMW-Geschäftsführer Markus Schramm und Reiti (v.l.) © BMW BMW-Rennchef Marc Bongers, BMW-Geschäftsführer Markus Schramm und Reiti (v.l.)
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