Speedway

Keine eindeutige DMSB-Linie: Was die Fahrer verlangen

Von - 28.08.2018 08:11

Wann immer Fahrer für eine Wildcard oder die Nationalmannschaft nominiert werden, gibt es Diskussionen und Kritik. Die Speedway- und Langbahnpiloten wünschen sich eindeutige Nominierungskriterien.

Es ist knapp drei Monate her, da sorgte die Wildcard-Vergabe für den Speedway-GP-Challenge in Landshut für Schlagzeilen. Die Farce gipfelte darin, dass Armando Castagna als höchster Bahnsport-Funktionär des Motorrad-Weltverbands FIM die DMSB-Verantwortlichen öffentlich zurechtwies und detailliert aufzeigte, wieso er deren Wünsche ignoriert hat.

Der Bahnausschuss hatte Kai Huckenbeck für die Wildcard in Landshut vorgeschlagen und in vollem Vertrauen auf sein Tun den Norddeutschen nicht einmal in die WM-Quali geschickt. Der AC Landshut wollte verständlicherweise lieber den bayerischen Zuschauermagnet Martin Smolinski, der seit Jahren Kapitän ihrer Bundesligamannschaft ist.

Die FIM stimmte dem Wunsch von Landshut zu und überging den DMSB-Vorschlag. «Der Wunsch des Veranstalters sollte immer an höchster Stelle stehen», betonte Castgana.

Wildcards wurden installiert um dafür Sorge zu tragen, dass ein Lokalmatador dabei und das Stadion bestmöglich gefüllt ist.

Seit 13. August die nächste heftige Diskussion: Kai Huckenbeck erhielt auf Wunsch des Veranstalters die Wildcard für den Deutschland-GP in Teterow am 22. September. Bei allem Respekt vor Huckenbecks starken Leistungen in dieser Saison, er hat den Startplatz absolut verdient, kam die Frage auf, weshalb die Wildcard nicht an den Deutschen Meister Smolinski oder an Lokalheld Kevin Wölbert ging, der es als einziger Deutscher in der Weltmeisterschaft aus eigener Kraft bis in den Challenge schaffte.

Wölbert plädiert seither für ein System, wie es in Großbritannien seit vielen Jahren angewandt wird: Dort erhält der beste Nicht-GP-Fahrer in der Britischen Meisterschaft die Cardiff-Wildcard, die folgenden zwei werden als Reservisten aufgestellt.

Das setzt allerdings voraus, dass die Landesmeisterschaft vor dem Grand Prix stattfindet, was in Deutschland seit 2016 nur einmal der Fall war – dieses Jahr.

Smolinski gewann die DM in Güstrow, Huckenbeck und Erik Riss komplettierten das Podest.

«Ich stimme Kevin Wölbert zu 100 Prozent zu», unterstrich Michael Härtel im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Zum Beispiel die Engländer sind viel intelligenter als wir, in dem sie so eine einfache Regelung eingeführt haben. Es ist klipp und klar vorher geregelt, dass der Meister die Wildcard kriegt, der Zweite und Dritte sind erste und zweite Reserve. Dann kann sich keiner aufregen oder beschweren, dass er nicht bedacht wurde. Wenn die Nominierungen irgendwo aus der Luft hergezogen werden, dann gibt es Probleme. Das ist jetzt auch wieder so mit der Nominierung von Kai Huckenbeck. Ich habe nichts gegen Kai und ich gönne ihm die Wildcard 100 Mal mehr als Smolinski oder einigen anderen. Aber jetzt war grade die Deutsche Meisterschaft, kurz vor dem Grand Prix, und die Wildcard kriegt Huckenbeck, der nicht Deutscher Meister wurde. Smolinski wurde unter normalen Umständen Deutscher Meister. Egal ob ich ihn mag oder nicht, ich fände es viel besser, wenn es klar geregelt wäre.»

Nach Gutsherrenart

Die Nominierungen des DMSB-Bahnausschuss sorgen seit Jahrzehnten für Stirnrunzeln und Unmut, oft wurden die Plätze nach Gutsherrenart vergeben. Es gibt keine festgeschriebenen Kriterien, an denen sich die Fahrer orientieren können und die transparent sind.

Dieses Gebaren gipfelte darin, dass das Feld bei der Deutschen Langbahnmeisterschaft seit Jahren mit B-Lizenz-Fahrern aufgefüllt werden muss, weil einige Spitzenpiloten verzichten und das Prädikat dadurch immer verwässerter und weniger wert wurde.

Der Deutsche U21-Meister Daniel Spiller regte sich über die Vergabepolitik dermaßen auf, dass er weder zur Titelverteidigung antritt, noch an der Deutschen Meisterschaft in Güstrow teilnahm. «Meines Erachtens hatte der DM-Titel wenig Bedeutung für die Nominierung, beziehungsweise bei der Wahl an welchem internationalen Prädikat man teilnehmen möchte. Von daher hat die DM zu wenig Bedeutung für mich», hielt der Bayer fest.

Der DMSB-Bahnausschuss macht es sich selbst schwer. Gäbe es eindeutige Kriterien, wären Diskussionen überflüssig und die Funktionäre könnten sich selbst aus der Schusslinie nehmen.

In der Speedway-WM hat Deutschland vier Startplätze. Warum diese nicht an die Top-4 der Deutschen Meisterschaft vergeben? Oder an die Top-3 und einen Platz für einen Härtefall offenhalten?

Dasselbe gilt für die Startplätze in der Langbahn-WM-Quali.

Für die Mannschaftswettbewerbe Speedway of Nations und Langbahn-Team-WM könnten sich interessierte Fahrer zu Beginn des Jahres einschreiben. Der zuständige Nationalcoach könnte diese Liste veröffentlichen und nach der Nominierung öffentlich erklären, warum er sich für die aufgestellten Fahrer entschied und gegen die anderen. Dann muss nicht jeder seiner Meinung sein, aber es wäre nachvollziehbar.

Aber so lange ein Teammanager wie Peppi Rudolph im Bahnausschuss nicht mal eine Stimme hat, theoretisch können die Fahrer komplett über seinen Kopf hinweg nominiert werden, bleibt das wohl Wunschdenken.

Im deutschen Bahnausschuss muss sich vieles ändern, bevor die letzten Fahrer entmutigt und vergrault werden.

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