Steckbrief

Frédéric Vasseur

Management

Vorname: Frédéric
Nachname: Vasseur
Spitzname: Fred
Webseite:
Twitter:
Nationalität: Frankreich
Geburtsdatum: 28.07.1969 in Draveil, Frankreich (49 Jahre, 10 Monate und 23 Tage)
Familienstand: k.A.
Wohnort:
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Hobbys:
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Lieblingsspeise(n):
Lieblingsmusik:

 

Frédéric Vasseur hat so viel erreicht in seiner Motorsportkarriere, dass es im Grunde nur eine Frage der Zeit war, bis er in der Formel 1 landen würde. Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff bezeichnete den Franzosen als «einen der cleversten Menschen, welche ich in dieser Branche kennengelernt habe».

Vasseur ist seit Jahren erfolgreich in den Formelsport-Nachwuchsklassen unterwegs: Seit 1996 betrieb der Absolvent der ESTACA (Hochschule für Aeronautik und Autotechnik, in Laval, Nordwestfrankreich) seinen Rennstall ASM, er trat in der Formel 3 mit Motoren jener Firma an, mit welcher er verbunden blieb – Renault.

Nachdem Renault sich entschlossen hatte, das Formel-3-Projekt nicht weiter zu betreiben, angelte sich Vasseur einen Vertrag mit Mercedes, und nun startete das Team durch: Von 2004 bis 2009 wurden von 80 Rennen 51 gewonnen, die Truppe schien auf Formel-3-EM-Titel und Siege bei den renommiertesten Rennen wie Zandvoort oder Macao abonniert.

2005 gründete Vasseur zusammen mit Nicolas Todt (dem Sohn des FIA-Chefs Jean Todt) den Rennstall ART Grand Prix, mit dem die beiden sowohl in der GP2 als auch in der GP3 mehrere Titel eingefahren haben – und zwar gemeinsam mit den späteren GP-Piloten Nico Rosberg (2005), Lewis Hamilton (2006), Nico Hülkenberg (2009), Esteban Gutiérrez (2010) und Valtteri Bottas (2011). 2015 wurde McLaren-Zögling Stoffel Vandoorne mit ART GP2-Meister, in der GP3 komplettierte Esteban Ocon den Triumph.

Vasseur hatte keine Formel-1-Erfahrung, als er den Posten des Sportdirektors im Renault-Werksrennstall übernahm, aber die hatte Eric Boullier auch nicht, als er 2010 das GP-Team von Renault leitete (heute ist er McLaren-Teamchef).

Um ein Haar wäre Vasseur schon 2010 in der Formel 1 gelandet, als drei neue Rennställe im GP-Sport antraten. Caterham, HRT und Marussia taten das allerdings im Glauben, dass bald eine Budgetobergrenze eingeführt werden würde, aber die kam nie. Ergebnis: Die drei Teams krebsten am Schluss des Feldes umher und gingen dann pleite. Nur Marussia konnte als Manor aus dem Scherbenhaufen gerettet werden und ist 2016 noch dabei.

Frédéric Vasseur meinte zur langen Wartezeit auf die Formel 1: «Mir war letztlich lieber, in einer unteren Kategorie um Siege und Titel zu kämpfen als in der Formel 1 hinterher zu fahren.»


Frédéric Vasseur wusste, dass er sehr viel Arbeit vor sich hatte, wie er zu Beginn der Saison 2016 zugab: «Zunächst einmal ist klar, wenn wir die Teams vom Stand 2010 und 2015 miteinander vergleichen – der Rennstall hat einige Schlüsselfiguren verloren. Was mich hingegen freut: In diesem Rennstall ist nie vergessen worden, wie man effizient arbeitet. Selbst im vergangenen Jahr, als die Situation nicht rosig war, wurden einige tolle Ergebnisse eingefahren, vor allem der dritte Rang von Romain Grosjean in Spa-Francorchamps. Dem Team waren die Hände gebunden, was die Weiterentwicklung des Rennwagens anging. Vor diesem Hintergrund wurde gute Arbeit geleistet.»

Renault-CEO Carlos Ghosn hatte die Ziele der Franzosen klar umrissen: Man ist nicht in die Formel 1 zurückgekommen, um das Feld zu füllen, mittelfristig soll Renault unter die besten drei Rennställe vorstossen, nach drei Jahren soll der Anschluss an die Spitze gefunden sein.

Das wird Fred Vasseur nur von aussen erleben, denn Anfang Januar kam der grosse Knall: Trennung von Renault!

Letztlich ging es um die Frage: Wer hat hier eigentlich das letzte Wort? Jérôme Stoll als Präsident von Renault Sport? Geschäftsleiter Cyril Abiteboul? Oder doch Teamchef Frédéric Vasseur?

Die drei Alphatiere spielten Probleme in der Entscheidungsstruktur herunter. Aber Vasseur gab zu: «Der Grund für die Trennung – wir hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das Team gemanagt werden sollte. An diesem Punkt war es aus meiner Perspektive sinnvoll, den Rennstall zu verlassen. Das ist auch für Renault das Beste. Wenn du in der Formel 1 Leistung bringen willst, dann braucht das Team einen einzigen Leader und eine Art und Weise, wie die Dinge anzupacken sind. Hast du zwei verschiedene Visionen für die Zukunft bedeutet dies nur, dass die Arbeit innerhalb des Teams verlangsamt wird.»

Die Entscheidung reifte gemäss Vasseur nach Gesprächen mit den anderen Führungskräften. «Wir hatten seit dem Saisonschluss in Abu Dhabi 2016 verschiedene Diskussionen, wie wir die Organisation für 2017 am besten aufgleisen wollen. Dann nahm ich ein wenig frei, in der ersten Januar-Woche kam ich zu meinem Entschluss. Es ist viel besser, jetzt die Reissleine zu ziehen.»

«Klar finde ich das auch frustrierend, aber wir haben in vielen Belangen einen guten Job gemacht, vor allem was die zusätzliche Verpflichtung neuer Fachkräfte angeht, was die Verbesserung der Infrastruktur betrifft und auch beim Einsatz des Teams an den GP-Schauplätzen. Die Arbeit mit insgesamt mehr als tausend Fachleuten bei Renault war für mich eine bereichernde Erfahrung. Was mich enttäuscht – wenn wir das Team mit dem Bau eines Hauses vergleichen, so ist inzwischen das Fundament gegossen, und wir haben mit den Grundmauern begonnen, und jetzt höre ich nach dem ersten Meter Mauerbau auf. Aber ich kann gut mit meiner Entscheidung leben.»

«Jetzt nehme ich erst mal eine Auszeit mit meiner Familie, dann sehen wir weiter. Es gab einige Diskussionen über neue Projekte. Aber zunächst will ich die Zusammenarbeit mit Renault sauber abschliessen. Ich habe genügend Pläne, um mich auf Trab zu halten. Ob ein Weg zurück in die Formel 1 führt, weiss ich nicht.»

Anfang Juli 2017 wussten wir es: Der Schweizer Sauber-Rennstall gab bekannt, dass Fred Vasseur Nachfolger von Monisha Kaltenborn wird als Teamchef und Geschäftsleiter des Rennstalls.

Seine erste Amtshandlung: Der Franzose zerriss die Absichtserklärung, die Frau Kaltenborn mit Honda für die Lieferung von Motoren 2018 bis 2020 unterzeichnet hatte. Vasseur: «Da gab es für mich zu viele Fragezeichen. Nehmt nur das Getriebe. Wir haben bei uns nicht die Kapazität, ein Getriebe zu bauen. Wie hätte das mit Honda gehen sollen, wo doch eine Trennung von McLaren in der Luft lag? 2018er Motoren von Honda, letztjähriges Getriebe von McLaren? Nein, das passte für mich alles nicht zusammen.»

Daher arbeitet Ferrari weiter mit Ferrari und wird den aktuellen Motor samt Getriebe der Italiener verwenden.

«Die Arbeit am 2017er Auto begann spät, weil damals die finanzielle Situation des Rennstalls so unsicher war. Für 2018 ist das ganz anders. Wir konnten viel früher beginnen, was selbst nach dem späten Wechsel in Sachen Motor ein Vorteil ist.»

Vasseur gestand Ferrari zu, dass der junge Monegasse Charles Leclerc 2018 zum Grand-Prix-Debüt kommt. Im Dezember der nächste Coup: Alfa Romeo wurde Titelsponsor von Sauber!

Sauber wurde zum Phoenix aus der Asche: Die Schweizer rappelten sich vom Hinterbänkler auf und rückten ins Mittelfeld vor, dank des starken Charles Leclerc konnte am Ende WM-Rang 8 errungen werden. Vasseur krempelte weiter tüchtig um: Er stellte Technikchef Jörg Zander vor die Tür und holte von Ferrari stattdessen Simone Resta. Der grösste Coup des Jahres gelang Vasseur jedoch abseits der Rennstrecke: Anfang September konnte er Kimi Räikkönen überzeugen, zwei Jahre lang für die Schweizer zu fahren, 2019 und 2020.

Gerüchte über Sauber und Kimi tauchten schon im Frühsommer auf. Aber Vasseur sagt: «Zum Zeitpunkt, als diese ersten Stories auftauchten, gab es null Kontakt zu Kimi. Alles begann am Monza-Wochenende, unmittelbar nachdem Ferrari Kimi mitgeteilt hatte, dass er durch Leclerc ersetzt werde.»

Ein Wegbereiter zum neuen Vertrag mit Sauber war Beat Zehnder. Kimi ist dem langjährigen Teammanager der Schweizer immer freundschaftlich verbunden geblieben. Vasseur weiter: «Beat und Kimi reden die ganze Zeit. Aber ich wollte immer abwarten, wie sich das mit Ferrari entwickelt, bevor ich daran denke, Kimi Räikkönen in einen Sauber zu setzen.»

Hat Ferrari zum Sauber-Deal die Weichen gestellt? «Nein», sagt Fred Vasseur, «Ferrari war in die Verhandlungen nicht eingebunden. Aber ich glaube, sie sind sehr froh, dass diese Lösung gefunden worden ist. Die Verhandlungen verliefen sehr geradlinig. Wir haben uns zwei Mal getroffen, dann war alles geregelt. Im Grunde lief das so ab. Wir setzten uns auf einen Kaffee zusammen, und ich habe Kimi gefragt: „Was willst du machen?“ Er meinte: „Ich will Rennen fahren.“ Daraufhin sagte ich: „Gut, dann machen wir das gemeinsam.“»

«Ich glaube, Kimi hatte finanziell verlockendere Angebote als unseres. Und es ist für uns finanziell eine grosse Sache, einen Top-Fahrer zu holen. Aber ich glaube, es ist für Kimi eine noch grössere Sache, Sauber zu vertrauen. Das zeigt, wie motiviert er noch immer ist. Er hat sofort die richtigen Fragen gestellt: „Wie weit reicht die Kooperation mit Ferrari?“ Oder: „Mit welchen Technikern würde ich arbeiten?“ Oder: „Wie weit ist die Arbeit am 2019er Auto?“ Er hat sich ganz auf sportliche Fragen konzentriert. Das hat mir Eindruck gemacht. Ich sagte ihm, dass wir uns weiter im Aufbau befänden, dass er aber eine wichtige Rolle für uns spielen würde, nicht nur aufgrund seiner Erfahrung und seines Talents, sondern auch als Signal an Geldgeber. Ich sagte, ich wolle nur mit ihm zusammenarbeiten, wenn er auch wirklich hinter uns stehe. Kimi meint: „Wenn ich etwas als nutzlos erachte, dann mach ich es auch nicht.“»

«Kimi liebt den Rennsport durch und durch. Er wird sich bei uns wohlfühlen. Er wohnt nicht weit vom Werk entfernt und wird viel Zeit bei uns verbringen. Einer der ersten Sätze bei unserem Gespräch war: „Das ist prima, dann kann ich oft bei euch vorbeischauen.“ Ich spüre, wie er in die Arbeit eingebunden werden will. Und dazu stehen bei uns alle Türen offen. Ich sehe ihn auch als Motivator fürs Team. Es ist eine grosse Kiste, einen Weltmeister und 21fachen GP-Sieger zu verpflichten. Diese Saison hat überdies bewiesen, dass er nichts von seinen Fähigkeiten eingebüsst hat.»

Der 2019er Sauber entstand unter der Leitung des früheren Ferrari-Chefdesigners Simone Resta. Vasseur: «Kimi kennt Simone gut. Er weiss, dass wir die Arbeit am neuen Wagen sehr früh begonnen haben, früher als die meisten anderen Rennställe. Es muss ein realitisches Ziel sein, 2019 fünfte Kraft in der Formel 1 zu werden.»

«Auch in Sachen Marketing ist Kimi eine andere Hausnummer. Wir werden 2019 nur drei Weltmeister am Start haben, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton – und Kimi. Wir haben bereits Angebote von Geldgebern erhalten. Das hätte ich in diesem Ausmass nicht erwartet.»

«Kimi wird bei uns unter weniger Druck fahren als bei Ferrari. Er kann das Rennfahren geniessen. Das heisst nicht, dass wir hier die Zügel schleifen lassen. Aber er wird gewiss mehr Zeit für die technische Seite des Jobs haben und für die Beziehung mit seinen Ingenieuren als bei Ferrari.»

«Die Reaktion im Sauber-Werk auf die Verpflichtung war enorm. Ich stand eben im Design-Büro, als die E-mail mit der Bestätigung an die Mitarbeiter ging, und die Leute sagten – wow! Kimi Räikkönen wird es uns auch erleichtern, neue Leute zu finden. Es war nicht leicht, ausländische Fachkräfte vom Arbeitsplatz Schweiz zu überzeugen. Die Zusammenarbeit mit Alfa Romeo hat schon einiges geändert. Auf einmal erhielen wir viel mehr Bewerbungen. Das Gleiche passiert nun nach Kimis Verpflichtung. Die Leute sagen sich: „Wenn Kimi Räikkönen Vertrauen zu Sauber hat, dann kann ich das auch haben.“»


Frédéric Vasseur © LAT Frédéric Vasseur

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