Steckbrief

Günther Steiner

Management

Vorname: Günther
Nachname: Steiner
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Nationalität: Italien
Geburtsdatum: 07.04.1965 in Meran, Italien (54 Jahre, 6 Monate und 7 Tage)
Familienstand: Verheiratet
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Einen Rennstall aus dem Nichts aufbauen: Wenn es einen Mann gibt, der beim US-amerikanischen Formel-1-Rennstall Haas für diese Rolle gerüstet war, dann hiess der Günther Steiner. Denn der Südtiroler hat dieses Kunststück in seinen dreissig Jahren Motorsport schon ein paar Mal gemacht.

Steiner begann seine Karriere als Mechaniker im Jahre 1986 – als Mechaniker im Rallye-Team von Mazda. Das Team aus Brüssel stellte damals von einem Gruppe-B-Modell vom Typ RX-7 auf den Gruppe-A-Renner vom Typ 323 um. Im zweiten Gruppe-A-Jahr gewann Timo Salonen mit diesem Auto die Schweden-Rallye.

Steiner stieg vom Mechaniker zum stellvertretenden Team-Manager auf, als er im Januar 1989 ins Team Top Run aus Varese (Italien) wechselte. Seine Verantwortung: Einsatz verschiedener Mazda-Kunden in zahlreichen Landesmeisterschaften der seriennahen Gruppe N. Steiner blieb dem Rallyesport treu, schloss sich aber für 1991 und 1992 dem Mailänder Jolly-Club-Team an.

Nach mehreren Titeln in der italienischen Meisterschaft zog Steiner zu Prodrive nach Banbury (England) – als Team-Manager des Rallye-Teams Allstar. Ergebnis: EM-Titel 1997 mit Krzysztof Holowczyc.

Danach wechselte Steiner erneut den Arbeitgeber, dieses Mal zu M-Sport, die für Ford die Einsätze in der Rallye-WM übernahmen. Steiner baute im Auftrag von Ford eine neue Design- und Technikabteilung auf. 1999 war der neue Rallye-Ford Focus bereit. Im dritten WM-Lauf (in Kenia) wurde der erste Sieg eingefahren, es folgte gleich ein zweiter in Portugal. Colin McRae wurde WM-Sechster. Steiner (nun leitender Techniker bei M-Sport) steigerte sich mit McRae und Carlos Sainz (dem Vater) 2000 auf WM-Rang 2 bei den Marken, der Brite wurde WM-Vierter, der Spanier Dritter. 2001 folgte erneut Schlussrang 2, McRae wurde WM-Zweiter, nur elf Punkte hinter Weltmeister Richard Burns.

Ford hatte nun für Günther Steiner andere Pläne: Der damalige Jaguar-Teamchef Niki Lauda holte ihn in jenen GP-Rennstall, der aus Stewart Grand Prix hervorgegangen war. Steiner sollte das Team neu strukturieren und technisch stabiler aufstellen. Hightlight des Jahres: Rang 3 2002 in Monza mit Eddie Irvine.

Ein Management-Wechsel bei Jaguar Racing bedeutete eine Auszeit für Steiner in Sachen Formel 1. Der Südtiroler vertiefte sein Wissen, indem er bei Opel als Technischer Leiter der Sportabteilung erneut eine Reorganisation übernahm.

2005 war Steiner zurück in Milton Keynes, doch inzwischen war aus Jaguar Racing neu Red Bull Racing geworden. Techniker Direktor: Günther Steiner. Mittelfristiges Ziel: RBR siegfähig machen. Das sollte Steiner nicht mehr an der Boxenmauer erleben. Bevor Red Bull Racing 2009 zu gewinnen begann und von 2010 bis 2013 vier WM-Titel in Folge holte, war Steiner schon mit einer neuen Aufgabe betraut worden: Aufbau eines NASCAR-Rennstalls in Mooresville (North Carolina).

Im April 2006 begann Steiner dort mit einem weissen Blatt Papier – am Ende arbeiteten beim Stock-Car-Rennstalls von Red Bull mehr als 200 Fachkräfte mit einem Jahresbudget von 50 Millionen Dollar.

Im April 2008 ging Steiner dort von Bord und gründete im Januar 2009 eine Verbundstofffirma (FibreWorks Composites), um Rennställe zu beliefern.

Als der US-amerikanische Unternehmer Gene Haas 2014 beschloss, in die Formel 1 einzusteigen, gab es für ihn nur einen Mann für den Job: Günther Steiner. Er wusste, wie man ein Team aufbaut. Er kannte die Logistik der Formel 1. Haas ernannte Steiner offiziell zum Teamchef zum ersten US-amerikanischen Formel-1-Team nach dreissig Jahren.

Die Plackerei von Steiner zahlte sich aus – Haas eroberte in den ersten vier Rennen der Saison 2016 drei Mal Punkte. Später wurde es schwieriger: Es mangelte am Verständnis fürs eigene Auto, besonders beim heiklen Umgang mit den Reifen. Günther Steiner gibt zu: «Wir haben Lehrgeld bezahlt, aber nichts Anderes hatte ich erwartet. Dennoch haben wir eine solide erste Saison gezeigt, wir brauchen uns für nichts zu schämen. Darauf lässt sich aufbauen.»

Haas wurde 2016 solider WM-Achter, mit immerhin 29 Punkten.

2017 wiederholten die US-Amerikaner diese Leistung (nun mit 47 Punkten), aber sie marschierten dem eigenen Erfolgsplan hinterher. 2016 eroberte Haas in den ersten vier Rennen gleich 22 Punkte, ein Jahr später waren es nur drei.

Dafür hat Teamchef Günther Steiner eine einfache Erklärung: «Das Spiel ist ganz einfach hochstehender geworden. Die Leistungsdichte im Mittelfeld hat den Konkurrenzkampf verschärft. Deshalb ist es auch schwieriger, in die Punkte zu fahren.»

Als Beispiel möge man sich nur einmal die Boxenstopps anschauen, betonte Steiner: «Die fallen bei uns für gewöhnlich ziemlich gut aus. Es braucht Zeit, um das so hinzubekommen, und die kann man nicht kaufen. Du musst dir deshalb genug Zeit lassen, um Probleme aus der Welt zu schaffen und weiter wachsen zu können. Solange wir Fortschritte erzielen, denke ich, dass wir unsere Sache gut machen.»

«Die Teams, die gegen uns kämpfen, sind schon seit Jahrzehnten dabei. Wir können uns also nur mit jenen Mannschaften vergleichen, die nicht mehr dabei sind – die Neulinge von 2010. Alle diese neueren Rennställe haben zusammen in eineinhalb Jahren nicht so viele Punkte geholt wie wir. Deshalb denke ich, dass wir unser Versprechen gehalten und uns zu einem ernstzunehmenden Teilnehmer entwickelt haben. Wir wollen erfolgreich sein, kennen aber auch unsere Grenzen. Alles in Allem haben wir einen guten Job gemacht», lobt der Südtiroler.

In den letzten vier Rennen fuhr Haas nur noch einmal in die Punkte (Kevin Magnussen wurde in Mexiko Achter), und Steiner analysierte: «Wir wollten einige grundlegende Veränderungen vornehmen, die sich nicht hundertprozentig vom diesjährigen Auto übernehmen liessen. Deshalb haben wir entschieden, uns auf das Auto für 2018 zu konzentrieren.»

Das zahlte sich 2018 aus: Haas war phasenweise viertstärkster Rennstall und mit etwas weniger Fehlern (des Teams und der Fahrer) hätte Renault im Duell um Rang 4 geschlagen werden können. Klar monierten die Gegner von Haas einmal mehr die enge Zusammenarbeit zwischen Ferrari und Haas.

So beschwerten sich etwa die Teamverantwortlichen von Force India und McLaren über das Geschäftsmodell der Amerikaner. Der VF-18 von Kevin Magnussen und Romain Grosjean sei nichts Anderes als ein Ferrari-Klon, hiess es. Doch diesen Vorwurf will Haas-Teamchef Steiner nicht auf sich sitzen lassen: «Wir haben bewiesen, dass wir nichts falsch machen, denn wir haben die Leute eingeladen, sich das anzuschauen. Ausserdem haben wir alle FIA-Tests bestanden, und wir sind immer noch offen, sollte uns jemand prüfen wollen. Bisher ist keiner gekommen, weil die Leute einfach nur versucht haben, uns Angst zu machen. Aber man kann niemandem Angst machen, der keine Angst haben muss. Deshalb haben wir auch gesagt: ‚Seid unsere Gäste.‘»

An der Ferrari-Partnerschaft will das Haas-Team deshalb auch nichts ändern. «Es wird genauso weitergehen, wie bisher», bestätigt Steiner. «Wir pflegen eine sehr gute Zusammenarbeit, es läuft alles sehr reibungslos, weil sich alles eingespielt hat. Es läuft wunderbar, deshalb gibt es auch keinen Grund, etwas zu ändern.»

Ändern wird sich dennoch etwas: 2019 tritt Haas in den Farben des englischen Energy-Drink-Herstellers «Rich Energy» an.

Günther Steiner © LAT Günther Steiner

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