Supercross-WM

Ein Leben am Limit: Ken Roczen wird 20 Jahre!

Von - 29.04.2014 01:00

Ken Roczen hat die Motocross-Welt verändert! 2014 ist er als Teenager bei den «Big Boys» angekommen. Auf Anhieb ist er Sieganwärter und mit Abstand bester «Rookie» in der Supercross-WM. Eine Retrospektive.

Ken Roczen wird heute, am 29. April 2014, 20 Jahre alt! «German Wonderboy #94» ist kein «Teenager» mehr! Das Jahrhundert-Talent des Motocross trägt die Startnummer 94, wie sein Geburtsjahr. Nun ist er in der Premium-Liga des Sports angekommen: physisch und mental. Ken Roczen ist nicht nur ein sportlicher Überflieger: Der Blondschopf ist Sympathieträger, gefragter Werbepartner, Mädchenschwarm, immer gut aufgelegter Interviewpartner, weltoffen, sprachgewandt, schlagfertig und kurz gesagt: cool. In den USA, wo Motocross im Gegensatz zum Rest der Welt nicht als «Randsportart» angesehen wird, schlägt der Deutsche wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein! Nur Dirk Nowitzki hat das Bild der Deutschen im Ausland ähnlich geprägt, wie er. In Sachen «Lifestyle» und «Coolness» ist der Thüringer vielleicht sogar schon jetzt ein Stück voraus. Mein Geburtstagswunsch für «Kenny»: Dieser Glanz soll über die Grenzen Amerikas in die Welt hinaus strahlen!

Ken Roczen: Wanderer zwischen den Welten!

Fragen Sie in einer US-Großstadt wie Atlanta einen Passanten auf der Straße nach «Ken Roczen», stehen die Chancen gut, dass man ihn kennt. Ich habe es probiert - es klappte auf Anhieb! Zu Hause in Deutschland fehlt es trotz seines aussergewöhnlichen Erfolges an einer vergleichbar breiten Popularität. Mein Geburtstagswunsch für «Kenny»: Die Menschen in Deutschland sollen den Namen «Ken Roczen» kennen und lieben, wie die Amerikaner es schon heute tun!

Wertschätzung und Medienpräsenz

In Deutschland sind drittklassige, regionale und sportlich irrelevante Fussballspiele den öffentlich-rechtlichen und privaten Sportberichterstattern wichtiger, als eine Jahrhundertleistung in einer Extremsportart. Ken Roczen wurde jüngster WM-Laufsieger und jüngster Weltmeister. Mein Geburtstagswunsch ist, dass diese Leistungen eine adäquate Öffentlichkeit erhalten! Insbesondere öffentlich rechtliche Sender haben ihre Aufgabe darin, über außergewöhnliche Leistungen deutscher Sportler im Ausland zu berichten!

Breitenwirksamkeit

Die Tatsache, dass Supercross in Nordamerika heute regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht, fiel nicht vom Himmel! Ken Roczen hat den Motocross-Sport in seiner Heimat nicht nur vorangebracht, sondern beflügelt! Auftritte in einigen TV-Shows haben Motocross «hoffähig» gemacht. Stefan Raab meinte in seiner Show, Motocross sei doch etwas für «Schlag den Raab». Zu Ken Roczens 20. Geburtstag wünsche ich genau das! 

Weder Zufall, noch Schicksal: Motocross liegt in der Familie

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Fleiss gestellt! Die Grundlagen der rasanten Entwicklung wurden schon vor Jahrzehnten gelegt und reichen weit in die Zeit der DDR.

Vater Heiko Klepka war bereits in der damaligen DDR aktiv - in einer Sportart, die dort nicht nur nicht gefördert, sondern massiv durch rigide Technik-Reglements behindert wurde. Wer in der DDR Motocross fuhr, der meinte es wirklich ernst. Sehr ernst! Diese Ernsthaftigkeit und Beständigkeit hat Vater Heiko Klepka nach dem Fall des eisernen Vorhangs konsequent weitergeführt und mit dem am 29.4.1994 geborenen Ken unbeirrt fortgesetzt. Klar ist: Ohne die Förderung durch die Familie wäre diese Entwicklung unmöglich gewesen. Mein Geburtstagswunsch: Ehre, wem Ehre gebührt! Danke Heiko Klepka und Steffi Roczen, dass «Kenny» diese familiäre Unterstützung erhielt und seinen Weg gehen konnte! 

Nach der politischen Wende 1990 waren einerseits viele neue Freiheiten gewonnen: Supercrossrennen in den USA und im europäischen Ausland konnten plötzlich besucht werden. Der Aufbruch in die neue Freiheit war aber auch mit dem wirtschaftlichen Niedergang ostdeutscher Regionen verbunden. In diesem Umfeld wuchs Ken Roczen auf. Es waren auch einige glückliche Fügungen im Spiel, welche seine weitere Entwicklung unterstützten. Die Nähe zur WM-Strecke in Teutschenthal: Bereits als junger Teenager rollte «Kenny» als damals nur Insidern bekanntes Jungtalent vor der Kulisse zehntausender WM-Besucher zu einer Ehrenrunde aus. Der damalige Suzuki-Verkaufsleiter Bert Poensgen erkannte das sagenhafte Talent und warb Unterstützung seitens Suzuki ein. Auch die Schule zog mit und gab dem aufstrebenden Talent die nötigen Freiräume zur Teilnahme an internationalen Rennen - durchaus heute keine Selbstverständlichkeit. Seine Sprachkenntnisse wurden dabei ganz nebenbei blendend entwickelt, besser, als in jeder Schule! Als Halbwüchsiger gab er bereits Interviews in fließendem Englisch. Mit Suzuki kam Ken Roczen auch in die MX2 WM. Zu Beginn der Saison 2009 hatte er das Alterslimit von 15 Jahren noch nicht erreicht und verpasste dadurch die ersten drei Rennen der Saison. Mit 15 Jahren und 53 Tagen wurde Ken Roczen auf Anhieb der jüngste Grand-Prix-Gewinner aller Zeiten - ausgerechnet auf heimatlichen Boden im Teutschenthaler Talkessel! Mein Wunsch zum 20. Geburtstag: Ken Roczen soll auch der älteste Grand-Prix-Gewinner und Weltmeister aller Zeiten werden! 

«Freaky» und «Funky»! Das Phänomen «Turbine Gramont»

Die einzigartige, elektrisierende Atmosphäre, die ein Rennen ausstrahlt, erfährt erst durch die Fans Vollendung! «Kenny» wird zur Galionsfigur von jungen Leuten, deren ostdeutsche Vergangenheit sie eint, die sie meist gar nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen. Ihre ostdeutschen Simson-Mopeds werden zu coolen Kultobjekten stilisiert: Je schräger, desto besser! «Turbine Gramont» versteht sich nicht als Ken-Roczen-Fanclub. Ken Roczen ist Mitglied bei «Turbine Gramont»! Allein der Name ist Programm: «Turbine» hießen zu DDR-Zeiten viele Sportclubs. Den Beinamen "Gramont" erhielt Apolda - unweit von Ken Roczens Heimatdorf Mattstedt entfernt - in der 1806er Schlacht von Jena, als Napoleon beim Anblick der Stadt bewunderungsvoll ausgerufen haben soll «Ah, ca c`est Gramont!»: Ah, das ist Gramont! Mein Geburtstagswunsch für «Kenny»: Bleibt weiterhin so «freaky» und «funky», auch wenn «Kenny» in Amerika ist! Schickt ihm eine S-50 mit Helm und Kamm über den Teich! Die Amerikaner werden das Ausgeflippte eures Clublebens ganz «amazing» finden!

Ken Roczen: Ein Leben am Limit!

Wunderkinder laufen immer auch Gefahr, durch Überbelastung und permanenten Leistungsdruck auszubrennen. Ken Roczen hat es nie übertrieben und kennt seine Grenzen. Das Fahren macht ihm offensichtlich noch immer Spaß. Sein Fahrstil ist elegant und flüssig. Zu keinem Zeitpunkt erweckt er den Eindruck, dass ihm etwas außer Kontrolle gerät: Auch die schwierigsten Rhythmuspassagen, «Whoops» oder «Triples» sehen bei ihm so spielerisch und federleicht aus - immer mit dem «Gelände spielend».

Beim Training zum Motocross der Nationen 2013 in Teutschenthal war Ken Roczen immer der Erste, der eine schnelle Runde nach der anderen in den Staub des Talkessels brannte. Er war aber auch der Letzte, der die Strecke am Abend verließ. Vater Heiko Klepka darauf angesprochen, antwortete trocken: «Von Nichts kommt Nichts». In diesem Sinne mein Geburtstagswunsch für «Kenny»: HAPPY BIRTHDAY Ken Roczen!

Reportage: «German Wunderkind»:

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