WRC

Bilanz Finnland: Citroën ist zurück – mal wieder

Von - 01.08.2018 15:45

Der zweite Rang von Mads Östberg kam überraschender als der Sieg von Ott Tänak. Ist Citroën tatsächlich raus aus der Krise?

Citroën hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Nachdem der achtmalige Marken-Weltmeister 2016 eine WM-Pause eingelegt hatte, um sich voll auf die Entwicklung des C3 WRC zu konzentrieren, waren die Vorschusslorbeeren dick. Nicht wenige erwarteten einen Durchmarsch der französischen Werksmannschaft zum Titel 2017, auch vor dem Hintergrund des WM-Ausstiegs von Volkswagen.

Doch es kam anders. Citroën wurde 2017 abgeschlagen Letzter der Marken-WM, besiegt sogar von Neuling Toyota. Zwar gewann Kris Meeke zwei WM-Läufe, aber dem gegenüber stand eine ganze Serie von Misserfolgen. Der C3 WRC erwies sich als zumindest teilweise Fehlkonstruktion, schnelle Abhilfe aufgrund der Homologationsregeln nicht möglich.

Prompt fing 2018 kaum besser an, das Team trägt aktuell schon wieder die rote Laterne. Dazu kamen kritikwürdige Personalentscheidungen. Der Rausschmiss des planmäßigen Nummer-1-Fahrers Meeke mitten in der Saison. Die Auswechslung des gerade mit Rang zwei bei der Rallye Schweden zu einem Höhenflug ansetzenden Craig Breen durch Altmeister Sébastien Loeb, wonach Breen nie wieder zu der Form vom Jahresanfang zurückfand. Der überraschende Wechsel von Motorsportdirektor Yves Matton zum Motorsportverband FIA.

Und plötzlich fährt Teamneuling Mads Östberg bei der Rallye Finnland um den Sieg. Solange er noch von einer späten Startposition profitierte, bot er sogar dem später überlegenen Sieger Ott Tänak (Toyota) die Stirn.

Wohlgemerkt: Mads Östberg. Der sympathische Norweger gehört sicher nicht zu den Supertalenten. Seinen bisher einzigen WM-Sieg (Portugal 2012) hat er dem Wertungsausschluss des eigentlichen Gewinners zu verdanken. Es ist noch nicht lange her, da musste er fürs Cockpit bezahlen. Seine letzte komplette Saison bestritt der 30-Jährige 2016. Außerdem hält sich seine Erfahrung mit den World Rally Cars der 2017er Generation in Grenzen.

Was ist das Geheimnis hinter Östbergs Überraschungserfolg von Finnland? Ist der Citroën C3 WRC plötzlich eine «Granate»?

Fakt ist, der französische Bolide bekam vor drei Rallyes eine neue Hinterachse, in Finnland war zum ersten Mal eine neue Vorderachsgeometrie im Einsatz. «Das Auto lenkt jetzt auch präzise ein, wenn es weich abgestimmt ist, um mehr Traktion zu generieren», verriet Östberg. Bis dato mussten die Fahrer stets Kompromisse eingehen, die entweder zu mangelndem Speed oder heftigen Abflügen führten.

Das Problem scheint gelöst zu sein. «Dass wir mit Toyota nicht mithalten können, hatten wir erwartet. Aber dass auch Citroën schneller ist, hat mich überrascht», maulte Weltmeister Sébastien Ogier.

Der Franzose fuhr als Einziger bei Ford die mit viel Bohei angekündigte neue Aerodynamik des Fiesta sowie die ZF Sachs-Stoßdämpfer (bisher setzte M-Sport stets auf Reiger). Beides funktionierte offenbar überhaupt nicht. Ogier war sogar auf Schützenhilfe der Teamkollegen Elfyn Evans (Tempo herausgenommen) und Teemu Suninen (absichtlich verstempelt) angewiesen, um gerade einmal Fünfter zu werden. «So kann’s nicht weitergehen, da muss mehr von den Ingenieuren kommen», forderte Ogier.

Als nächstes steht die Rallye Deutschland auf dem Programm, die anders als der finnische WM-Lauf komplett auf Asphalt ausgetragen wird. Auf festem Untergrund war der Citroën C3 WRC schon in der alten Konfiguration konkurrenzfähig. Die Frage lautet also: Hat das französische WRC auch auf Asphalt einen Schritt nach vorne gemacht?

Östberg, der um ein Werkscockpit für 2019 kämpft, bezeichnete Rang 2 in Finnland als «vielleicht wichtigstes Ergebnis meiner Karriere». Leider ist der Norweger kein ausgemachter Asphalt-Glüher, möglicherweise ist rund um St. Wendel sogar Teamkollege Craig Breen schneller.

Spätestens bei den folgenden Schotter-Rallyes in der Türkei und in Großbritannien muss sich aber zeigen, dass der Aufwärtstrend für Citroën dieses Mal nicht wieder eine Eintagsfliege ist. Nur dann kann der neue Teamchef Pierre Budar hoffen, das Interesse des einen oder anderen Fahrers aus der Gewichtsklasse oberhalb von Östberg und Breen zu wecken.

Das Verbleiben des Teams in der WM ist für 2019 bestätigt. Richtig Sinn machen würde es für einstige Nummer 1 der Rallye-WM aber nur, wenn ein Toppilot vom Kaliber eines Sébastien Ogier, Thierry Neuville oder Jari-Matti Latvala – alle drei sind momentan zu haben – in die Mannschaft kommen würde.

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