WRC

Ford-Pilot Suninen baut auf seine Kart-Erfahrung

Von - 19.08.2019 13:33

Bei der zweiten Asphaltrallye des Jahres, der zehnten Station der Weltmeisterschaft in Deutschland, hofft Teemu Suninen im Fiesta WRC von M-Sport Ford, dass ihm seine Kart-Erfahrung hilft.

Neuer Untergrund, neues Glück: Das M-Sport Ford World Rally Team hat die beiden Fiesta WRC für Teemu Suninen und Gus Greensmith auf Asphalt-Spezifikation umgebaut und brennt auf den Start der Rallye Deutschland, die vom 22. bis 25. August als zehnter von 14 Läufen zur Rallye-Weltmeisterschaft im Südwesten der Republik Staub aufwirbelt.

Seit Jahren genießt die Rallye Deutschland den Ruf, eigentlich drei Rallyes in sich zu vereinen. Sie besteht aus so unterschiedlichen Wertungsprüfungen (WP) wie den engen Wirtschaftswegen durch die Moselweinberge, ultraschnellen Landstraßen im Saarland sowie dem ruppigen Asphaltmix des berüchtigten Truppenübungsplatzes Baumholder - besser bekannt unter dem WP-Namen «Panzerplatte». Für  diese wechselhaften Layouts den richtigen Rhythmus und das optimale Setup zu finden, stellt die größte Herausforderung für die Piloten dar. Das in früheren Jahren oft wechselhafte Wetter dürfte am kommenden Wochenende eher keine Rolle spielen: Es soll während des WM-Laufs sonnig und warm bleiben.

«Schotterspione» sind wichtig

Die größten Stolpersteine lauern buchstäblich auf der Panzerplatte, wo schon ein kleiner Fehler einen folgenschweren Kontakt mit den massiven Betonpanzersperren nach sich ziehen kann, die auch als «Hinkelsteine» bezeichnet. Neben maximaler Konzentration benötigen die Crews im Cockpit während der gesamten «Deutschland» aktuelle Informationen ihrer Schotterspione, da sich der Zustand der Prüfungen laufend verändern kann. Beim «Cutten» der Kurven - also dem Abkürzen über die Innenseite - werfen die Rallye-Autos oft genug Schmutz und lose Steine auf die Ideallinie. Dies hat in der Vergangenheit schon die erfahrensten Profis auf dem falschen (Gas-)Fuß erwischt.

m Aufgebot von M-Sport Ford fehlt erneut Stammpilot Elfyn Evans, dessen Rückenverletzung noch nicht vollständig ausgeheilt ist. Wie in Finnland übernimmt der etatmäßige Fiesta R5-Fahrer Gus Greensmith das Cockpit des Fiesta WRC. Mit dem 22-jährigen Briten und dem 25 Jahre alten Teemu Suninen aus Finnland bietet M-Sport in Deutschland die jüngste Fahrerpaarung aller Top-Teams auf.

«Auf Asphalt haben wir zuletzt mehrfach um die Spitzenplätze gekämpft - das wollen wir in Deutschland fortsetzen», gibt M-Sport Teamchef Richard Millener die Richtung vor. «Es ist natürlich schade, dass Elfyn Evans noch mal ausfällt. Er wäre rund um den Bostalsee mit Sicherheit schnell, aber er ist noch nicht so weit. Seine Gesundheit steht an erster Stelle. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem jungen und ehrgeizigen Team auch so eine starke Darbietung zeigen werden», bekräftigt Millener. «Teemu Suninen hat Ende März auf Korsikaebenso überzeugt wie voriges Jahr in Deutschland. Er kommt aus dem Kart-Sport und weiß daher ganz genau, was er auf Asphalt zu tun hat. Zudem macht er immer weitere Fortschritte. Auf den Videos von seinen jüngsten Testfahrten wirkte er sehr entschlossen. Ich bin extrem  gespannt auf seine Performance. Gus Greensmith fühlt sich auf Asphalt ohnehin zuhause. Mal sehen, was er bei seinem ersten Auftritt mit dem Fiesta WRC auf diesem Straßenbelag ausrichten kann. Bei der diesjährigen Rallye Monte Carlo hinterließ er einen sehr guten Eindruck. Auch wenn Erfahrung in Deutschland doppelt zählt, kann ich mir vorstellen, dass er einigen Top-Fahrern auf die Pelle rückt.»

Auf losem Straßenbelag fühlt sich das finnische Duo Teemu Suninen/Jarmo Lehtinen sicher eher zuhause, doch dank seiner Kart-Erfahrung findet Teemu Suninen sich auch auf Asphalt gut zurecht. 2018 glänzte der 25-jährige Finne in Deutschland ebenso mit einer Top-5-Platzierung wie dieses Jahr auf dem korsischen Asphalt. Mit Unterstützung seines äußerst erfahrenen Copiloten Jarmo Lehtinen will Suninen kommendes Wochenende an diese Leistungen anknüpfen.

«Die Rallye Deutschland ist extrem anspruchsvoll, aber wir sind bereit für diese Herausforderung. Bei der vorigen Veranstaltung auf Asphalt waren wir gut unterwegs - ich hoffe, darauf können wir am nächsten Wochenende aufbauen», erklärt der aktuell WM-Sechste. «Wir haben bei den anderthalbtägigen Testfahrten ein Setup für die ,Deutschland' herausgefahren, mit dem sich das Auto sehr gut anfühlt. Natürlich kannst du bei diesem WM-Lauf nicht ständig am absoluten Limit fahren. Aber wenn wir voll konzentriert bleiben, könnte es für uns eine gute Rallye werden. Traditionell spielen die ,Schotterspione' bei dieser Veranstaltung eine besonders wichtige Rolle - mit Ausnahme der Rallye Monte Carlo gibt es wohl keinen anderen aktuellen WM-Lauf, der sie so sehr fordert. Durch das ,Cutten' der Kurven sind die Strecken immer sehr schmutzig. Die Bedingungen können sich von einer auf die andere Ecke extrem verändern. Ein sehr exakter Aufschrieb spielt daher eine extrem wichtige Rolle.»

Gus Greensmith und Beifahrer Elliott Edmondson feiern beim deutschen WM-Lauf ihr Asphalt-Debüt im Ford Fiesta WRC. Dass sie auf diesem Fahrbahnbelag zur ganz flotten Garde zählen, stellten die beiden Briten bereits Anfang des Jahres bei der Rallye Monte Carlo eindrucksvoll unter Beweis: Mit dem Ford Fiesta R5 eroberte das Duo den Sieg in der WRC 2 Pro-Kategorie. Kommendes Wochenende wollen Greensmith und Edmondson auch in der Königsklasse des Rallye-Sports mit schnellen Zeiten überzeugen.

«Ich fiebere dem Start bei der ,Deutschland' bereits entgegen: Auf Asphalt habe ich das Rallye-Fahren gelernt, daher fühle ich mich hier zuhause. Dass der Ford Fiesta WRC auf Schotter extrem schnell ist, wusste ich ja bereits. Aber auf festem Untergrund erreichen wir mit diesem Auto nochmals ein ganz anderes Level!», betont Gus Greensmith. «Die eintägigen Testfahrten, die wir zur Vorbereitung in Deutschland abgespult haben, verliefen vielversprechend. Auf den Asphaltstrecken  hatte ich im Cockpit des Fiesta WRC auf Anhieb ein sehr gutes Gefühl - das war wirklich etwas ganz Besonderes. Die Zeitabstände im Klassement sind bei Asphalt-Rallyes erfahrungsgemäß etwas knapper. Außerdem fühlt es sich so an, als wärst du ständig noch ein wenig näher am Limit unterwegs. Bei diesem WM-Lauf wollen wir vor allem möglichst viel Erfahrung sammeln. Ich denke, wenn ich die Rallye relaxt angehe, sollten uns auch einige gute Zeiten gelingen.»

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