Milan Red mit 1325 PS: Alles nur ein Schwindel?

Von Günther Wiesinger
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Markus F. und die Studie des Milan Red

Markus F. und die Studie des Milan Red

In Österreich sollte ein 1325 PS starkes Hypercar mit V8-Motor und Vierfach-Turbo gebaut werden, 400 km/h schnell. Aber jetzt wurde der Unternehmer wegen Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug eingesperrt.

In Österreich ließ sich der 37-jährige Markus F. in den Medien als Automobilpionier und Unternehmer bejubeln, er plante die Herstellung eines 1325 PS starken Hypercars und wollte renommierten Sportwagenfirmen wie Bugatti und Lamborghini das Fürchten lehren. Knapp 2 Millionen Euro sollte der Milan Red (benannt nach dem Raubvogel Rotmilan) kosten. Jetzt wurde F., der sich gern als Ex-Rennfahrer ausgab, verhaftet. Die Staatsanwaltschaft hatte vorher gegen den gebürtigen Steyrer ausgiebig wegen des Betrugsverdachts ermittelt.

Im Juli 2018 sorgte die in Leobersdorf/Niederösterreich angesiedelte Firma Milan Automotive für Schlagzeilen. Mit einer exklusiven Serie von 99 Fahrzeugen sollte in der zweiten Jahreshälfte 2020 der Verkaufsstart erfolgen. In einem Ausstellungsraum in Wien wurde das «concept car» ausgestellt, allerdings ohne Motor, es war nicht viel mehr als eine Attrappe. Inzwischen ist der Prototyp nicht mehr verfügbar, er wurde von der Spedition DB Schenker quasi beschlagnahmt, als Gegenwert für nicht bezahlte Frachtkosten in der Höhe von ca. € 80.000.-

Jetzt wird es für den Milan-Red-Chef ungemütlich. Die Vorwürfe sind happig. Die Idee für das Fahrzeug und die Konzeptstudie stamme eigentlich vom Russen Dmitrii Lazarev, sie wurde im Mai 2017 erstmals präsentiert, ist zu hören. Es entstanden unzählige Ungereimtheiten im Zusammenhang mit diesem Projekt, das von den Experten von Anfang an kritisch beäugt wurde.

Die vermeintliche Motorleistung wuchs im Zuge der Entstehungsgeschichte recht hurtig von 900 auf 1325 PS. Damit sah der Bugatti Veyron mit seinen 1001 PS schon recht armselig aus. F. wollte diese Leistung aber allein mit einem Hinterradantrieb auf die Fahrbahn bringen.

Im Interview mit autofilou.at erzählte er, die Testphase habe bereits 2012 begonnen. Der Milan Red solle zu 100 Prozent mit österreichischer Wertschöpfung entstehen. Dazu passte aber die Absicht nicht so recht, das Hypercar mit einem V8-Motor von General Motors auszustatten, auf den die österreichische Engineeringfirma AVL in Graz einfach oben vier Turbos drüberstülpen würde. Von elf Mitarbeitern berichtete Markus F. «Und 90 weitere Mitarbeiter sind bei unseren Partnern für das Projekt beschäftigt.»

So richtig durchfinanziert war das Projekt von Milan Automotive offenbar nicht. Denn Rechtsanwalt Manfred Arbacher-Stöger schätzt als Opfervertreter, Markus F. habe verschiedene Partner und Mitarbeiter um insgesamt 1 Million Euro geschädigt. Die Tageszeitung OÖN berichtet, F. habe sich von einem Mitarbeiter € 38.000.- ausgeliehen und eine Rückzahlung innerhalb von zwei Wochen in Aussicht gestellt. Später habe das Opfer weitere € 110.000.- herausgerückt. Es wurde ihm dafür eine Firmenbeteiligung versprochen.

Mit dem angeblichen 1325-PS Flitzer wurden Roadshows für den Jet-Set in Mailand, Dubai, Monte Carlo und Abu Dhabi durchgeführt, Fux ließ sich mit Fürst Albert und Filmsternchen Pamela Anderson fotografieren, es gab eine eigene Champagner Edition, dazu plante er eine Hochzeit mit einem blonden Ex-Reality-TV-Star.

In Wien war das Fahrzeug in einem Showroom am Ring in der noblen Wiener City zu bewundern. Sogar ein Motor wurde dort ausgestellt.

Inzwischen ist durchgesickert: Der inhaftierte Verdächtige (es gilt die Unschuldsvermutung) hat bereits sieben Vorstrafen auf dem Konto. Man sagt ihm nach, er sei ein Hochstapler. Die aktuellen Vorwürfe lauten auf schweren gewerbsmäßigen Betrug. Mit derartigen Vorwürfen soll der junge Möchtegern-Autohersteller nicht zum ersten Mal konfrontiert sein. Er beteuert seine Unschuld und betont, er habe sich in diesem Fall nicht bereichert, sondern das ganze Geld in die Firma gesteckt.

Einmal berichtete F., er habe bereits 18 Vorbestellungen erhalten, gegen eine Anzahlung von € 540.000.- Später erzählte er, die Anzahl der Bestellungen liege bereits bei mehr als 18 Exemplaren.

Die technischen Daten zum Milan Red: V8-Quad-Vierfach-Turbo-Verbrennungsmotor mit 1325 PS, Top-Speed: mehr als 400 km/h. 0-100 in 2,47 sec, 0-200 in 5,46 sec. Der Sportwagen sollte ein Karbon-Monocoque und Karbon-Querlenker nach Formel-1-Vorbild erhalten.

Mit einem weltweiten Händlernetz wollte F. keine Zeit vergeuden. Er versprach, ein «Flying Doctor» werde alle Kunden auf der ganzen Welt binnen 24 Stunden besuchen und das Fahrzeug reparieren können.

Fux brachte bei der Präsentation im Juli 2018 die Namen prominenter Firmen wie Pankl Racing oder Peak Technology ins Spiel, auch der frühere Magna-Manager Siegfried Wolf wurde genannt, aber der erfolgreiche Unternehmer bekannte sich nie zu diesem Projekt.

Auf der Milan-Automotive-Website ist zu lesen, David Coulthard, Heinz Kinigadner, Felix Baumgartner und Dieter Quester hätten den Boliden bereits getestet. «Wir haben den Milan einmal bei den TV-Aufnahmen für die ‚Speed Gang‘ von ServusTV gehabt», erzählt der zweifache Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner. «Aber danach hat mich gleich ein Journalist angerufen und mir erzählt, dass die Staatsanwaltschaft den Fall bereits untersucht. Man hat mich gefragt, ob ich an dem Projekt beteiligt sei. Ich habe entgegnet: ‚Habt ihr alle einen Vogel?‘ Ich habe genau einmal in dem Auto drin gehockt. Das war alles», sagt Kinigadner.

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