Motocross-GP: Warum es die Revolution braucht

Kolumne von Adam Wheeler
Motocross-WM
Motocross-WM: Nur Insider schauen hin

Motocross-WM: Nur Insider schauen hin

In den Mainstream-Medien findet Motocross nicht statt. Um diese unbefriedigende Situation zu verbessern, gibt es nur eine Lösung. Das sind meine Argumente.

«Wo arbeitest du?»
«Im Motocross…»
«Was ist das denn?»
Das ist Dialog, den ich in den letzten Jahren regelmässig hörte. Alternative Varianten beinhalten eine Auswahl von Antworten, die eine leise Ahnung erkennen lassen, dass Motocross eine Motorsportart ist bis zu Spott über die ganze Motorsportwelt. Für jetzt über eine Dekade versuche ich den Leuten klar zu machen, wie aufregend dieser Sport sein kann und habe jede kleinste Möglichkeit ausgenutzt, um meine predigenden Worte zu untermauern, sei es mit Büchern, DVDs oder mit der kleinen Chance eines Beitrags in den Mainstream-Medien.

Die Wahrheit ist aber, dass Motocross im Kampf gegen den mächtigen Goliath «Mainstream-Sport» der kleine David ist. Nehmen wir Grossbritannien als Beispiel. Motocross ist im Vergleich zu Fussball/Rugby/Cricket absolut nichts in den nationalen Medien, obwohl es in den letzten 25 Jahren mit Herring, Malin, Dobb, Sword, Mackenzie, Nunn und Searle einige vielversprechende Fahrer im einheimischen und internationalen Geschehen gab.

Kontakte und Kontaktversuche mit Zeitungen und Fernseh-Shows wurden ignoriert und Anrufe blieben unbeantwortet. Ein prominenter TV-Redaktor (kontaktiert über einen geschätzten Kollegen) gab wenigstens Antwort auf das Angebot, Beiträge aus der Motocross-WM für seinen Sender zu bekommen. Sie beinhaltete genau vier Wörter: «Nein danke, netter Versuch.» Sogar die vermeintliche Bastion der britischen Motorradszene, die Zeitschrift MCN, hatte nicht einmal die Höflichkeit, E-Mails in Sachen Tommy Searle und MX1-Spektakel zu beantworten. Irgendwann per Handschlag einen Deal abzuschliessen ist schon schwer genug, noch schwieriger ist es mit verdrehten Armen.

Ich habe vielleicht nicht jahrzehntelang Motocross glorifiziert und lobgepreist – Ich muss gestehen, dass ich zum Strassen-Rennsport erzogen wurde. Ein Dank an meine Familie, die nahe bei Brands Hatch wohnt und an einen passionierten und fürsorglichen Vater, der seinen Sohn nicht zu Hause lassen wollte, wenn er an die Strecke ging – deshalb treffen mich die bevorstehenden grossen Veränderungen im Motocross-GP-Sport vielleicht nicht so sehr ins Herz wie das bei langjährigen Offroad-Anhängern der Fall ist. Ich habe den grössten Respekt für die Ideale und die Traditionen des Motocross und ich bin der Erste, der sich gegen Revolutionen auflehnt, besonders, wenn etwas ganz Spezielles kaputt geht.

Hier kommt das «Aber»... Ich will, dass der Sport grösser wird. Ich will eine grössere Medienabdeckung (und ich kann glücklicherweise selber etwas dazu beitragen). Ich will, dass die Leute genauso von Motocross verzaubert werden, wie ich es nach wie vor bin, obwohl ich aufgehört habe mitzuzählen, von wie vielen GP ich schon berichtet habe.

Die Hersteller könnten sich damit anfreunden, nur noch eine GP-Klasse zu haben, ein fixes Superfinale-Format oder die MX1 in eine einstündige TV-Show zu verwandeln, wenn sie so mehr Motorräder verkaufen. Ich bin auch dieser Meinung, nur so kann GP-Promoter Youthstream an einem ordentlichen TV-Auftritt der GPs arbeiten. Nur so werden so viele Menschen wie möglich rund um den Globus «angetörnt».

Die Leute werden an der Strecke noch immer genug zu sehen bekommen, denn es gibt die verschiedenen europäischen Rahmenserien und die MX2 wird womöglich noch mehr zu einer Nachwuchs-Klasse. Aber wenn sich der Sport verändern kann, um seine Chancen zu verbessern, bin ich der Meinung, dass es falsch wäre, davon abzurücken oder mit einer negativen Sichtweise in das Neuland aufzubrechen.

Im Fahrerlager herrscht allgemein die Meinung vor, «behalten wir MX2, behalten wir zwei Rennläufe». Ich denke, dies wird auch passieren. Aber MX1 und der zweite Lauf könnte das Herzstück werden, das Haupt-Event des Grand-Prix-Rennsports. Jeder hat seine eigenen Gründe, mehr aus dem Motocross herauszuholen. Mehr Verkäufe, mehr Sponsoren, mehr Medienabdeckung, mehr Möglichkeiten. Ein wichtiger Faktor, den vielleicht viele Leute in dieser Diskussion übersehen, ist die Tatsache, wie viele der Beteiligten sich Gedanken über die Zukunft machen – ihnen ist Motocross nicht gleichgültig.

Der Brite Adam Wheeler ist einer der renommiertesten Journalisten im GP-Fahrerlager und schreibt regelmässig für SPEEDWEEK.com.

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