Im Namen des Vaters, des Sohnes, des eiligen Geistes

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Nur zwei GP-Piloten haben es geschafft, als Söhne von Weltmeistern ebenfalls F1-Champion zu werden: Damon Hill und Nico Rosberg. Wie haben nachgeforscht, wer besser war, die Väter oder die Söhne.

Die nächste Rennfahrergeneration strebt Richtung Formel 1, die einen berühmten Namen trägt: Mick Schumacher fährt 2019 in der Formel 2 gegen Giuliano Alesi, so wie vor Jahren Michael Schumacher und Jean Alesi die Rennstrecke teilten. Pietro Fittipaldi (Enkel der Rennlegende Emerson Fittipaldi) hat als Entwicklungsfahrer bei Haas unterzeichnet. Sein Bruder Enzo Fittipaldi hat als italienischer Formel-4-Meister auf sich aufmerksam gemacht. David Schumacher, Sohn von Ralf, zeigt vielversprechende Ansätze, das Gleiche lässt sich über Pedro Piquet sagen, Sohn des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet.

Einen berühmten Namen zu tragen, ist Segen und Fluch zugleich, das haben viele rennfahrende Söhne erlebt. Nur drei Söhne sind Weltmeister geworden (Damon Hill, Jacques Villeneuve und Nico Rosberg), bei vielen ist der Vergleich ein wenig unfair, dies aus verschiedenen Gründen, wie wir sehen werden. Nur Damon Hill und Nico Rosberg haben es geschafft, als Sohn eines Formel-1-Champions ebenfalls Weltmeister zu werden.

Wir haben ein wenig nachgeblättert: Wie haben sich die Väter und Söhne im Rahmen der Formel-1-WM geschlagen?

Hans Stuck und Hans-Joachim Stuck
Die besten Jahre seiner Karriere waren vorbei, als Silberpfeil-Legende Hans Stuck in der Steinzeit der Formel-1-WM drei Mal antrat, das war in den 50er Jahren. Insofern ist der Vergleich mit seinem Sohn unfair. Denn als Silberpfeilstar war Stuck senior ein gefürchteter Rivale und der Bergrennkönig. Der junge Stuck brachte es auf 74 Rennen und zwei Podestränge. Aber da wir uns streng die Formel 1 anschauen wollten: Vorteil Sohn.

Reg Parnell und Tim Parnell
Reginald Harold Haslam «Reg» Parnell: Spediteur, Rennfahrer, Teamchef, Haudegen. Seine Karriere wurde vom zweiten Weltkrieg unterbrochen. 1950 stand er als Alfa-Romeo-Gastfahrer in Silverstone beim ersten aller Formel-1-Rennen auf dem Siegerpodest, als Dritter. 1951 wurde er WM-Zehnter, einen Rang weniger gut als im Jahr zuvor. Sein Sohn fuhr nur zwei Rennen, 1961 auf einem privaten Lotus 18, Rang 10 in Monza war das Highlight. Erfolgreicher war er als Team-Manager von BRM. Vorteil Vater.

André Pilette und Teddy Pilette
Die Pilette-Dynastie bestand aus Théodore (GP-Fahrer, Indy-500-Teilnehmer), André (neun Starts im Rahmen der Formel-1-WM, von 1951 bis 1964) und Teddy. André fuhr einmal in die Punkte (1954 beim Heimrennen in Spa-Francorchamps), Teddy versuchte sich 1974 mit Brabham und 1977 mit BRM in der Formel 1, ohne Erfolg aufgrund jämmerlichen Materials. Autofahren konnte der jüngste Pilette zweifellos: Er wurde zwei Mal europäischer Formel-5000-Champion. Vorteil Vater.

Jack Brabham, David und Gary Brabham
Der 2014 verstorbene Sir Jack Brabham wurde drei Mal Weltmeister (1959, 1960, 1966). Seine Söhne mühten sich mit schlechtem Material weitgehend vergeblich ab: Gary kam bei zwei Versuchen nicht über die Qualifikation hinaus, David bestritt 24 Rennen, blieb aber ohne Punkte. Vorteil Vater.

Graham Hill und Damon Hill
Die erste Weltmeister-Weltmeister-Kombination der Formel 1: Graham eroberte die Titel 1962 und 1968 (mit Lotus), Damon seinen Titel 1996 (mit Williams). Papa Graham fuhr länger (von 1958 bis 1975) als Damon (von 1992 bis 1999), dafür war Damon an GP-Siegen erfolgreicher – 22:14. Wir würden unter Einrechnung aller Faktoren salomonisch urteilen: Gleichstand.

Wilson Fittipaldi und Christian Fittipaldi
Der Bruder und der Neffe von Emerson Fittipaldi blieben sieg- und podestplatzlos (Emerson hingegen wurde zweimal Weltmeister). Wilson fuhr von 1972 bis 1975, Christian von 1992 bis 1994, sie waren fast gleich lang im Einsatz (35 Rennen für Wilson, 40 für Christian), an Punkten hatte Christian die Nase vorne – 12:3. Vorteil Sohn.

Mario Andretti und Michael Andretti
McLaren zeigte 1993, wie man mit einem US-Piloten alles falsch macht: Die Einsätze des jungen Michael kamen einer Vergeudung seines Talents gleich. Weil Junior ständig zwischen Europa und den Staaten hin- und herjetten durfte, weil die Testfahrten beschränkt waren, weil die Autos schwierig zu meistern waren, weil der junge Andretti Ayrton Senna als Stallgefährten hatte, aus all diesen Gründen und einigen mehr kam Michael nicht über sieben Punkte hinaus. Ausgerechnet nach seinem einzigen Podestplatz in Monza wurde er durch Mika Häkkinen ersetzt. Papa Mario eroberte aus 128 Einsätzen zwölf Siege und wurde mit Lotus Weltmeister 1978. Vorteil Vater.

Gilles Villeneuve und Jacques Villeneuve
Was Papa Gilles verwehrt blieb, holte Sohn Jacques nach, den Gewinn des WM-Titels (1997). Der junge Villeneuve konnte bei elf Grands Prix triumphieren, sein Vater bei sechs. Noch heute geniesst Gilles Villeneuve nicht nur in Kanada und Italien Heldenverehrung – Jaques wird diesen Status nie erreichen. Ginge es nur nach Ergebnissen: Vorteil Sohn. Ginge es nach dem Herzen: Vorteil Vater.

Jonathan Palmer und Jolyon Palmer
Der rasende Zahnarzt Jonathan Palmer kam mit Williams, RAM, Zakspeed und Tyrrel von 1983 bis 1989 auf 83 Formel-1-Starts. 1987 wurde er WM-Elfter. Sein Sohn Jolyon wurde 2017 nach etwas mehr als eineinhalb Saisons in Diensten von Renault entlassen. Vorteil Vater.

Keke Rosberg und Nico Rosberg
Nico Rosberg hat seinen Vater in allen Kategorien überholt, 2016 klappte es endlich mit dem WM-Titel, dann trat Nico zurück. Keke Rosberg war 1982 Weltmeister geworden, für jenen Rennstall, bei dem Nicos GP-Karriere begann – Williams. Vorteil Sohn.

Satoru Nakajima und Kazuki Nakajima
Weder Vater noch Sohn Nakajima schafften es je aufs Siederpodest, immerhin konnten beide punkten. Papa Satoru wurde zwei Mal Vierter und eroberte mit 16:9 auf mehr Punkte. Vorteil Vater.

Manfred und Markus Winkelhock
Beide hatten nie konkurrenzfähiges Material, doch Markus Winkelhock führt eine skurrile Statistik an: Im Verhältnis Rennen zu angeführten Grands Prix kommt er auf eine Erfolgsquote von 100 Prozent – bei seinem einzigen GP, 2007 auf dem Nürburgring, ging er dank eines gewagten Reifenpokers kurz nach dem Start in Führung. Dennoch: Vorteil Vater.

Nelson und Nelsinho Piquet
Der Papa dreifacher Weltmeister, der Sohn in Schimpf und Schande aus der Formel 1 verschwunden. Der so genannte Singapur-Skandal brach Piquet das Image-Genick – als der junge Piquet 2008 dazu ermuntert wurde, in eine Mauer zu fahren, um eine Gelbphase zu provizieren, worauf Renault-Stallgefährte Alonso gewann. 2015 wurde Piquet Formel-E-Champion. Vorteil Vater.

Jan Magnussen und Kevin Magnussen
Papa Magnussen nahm die Formel 1 nicht so wichtig, heute bereut er das. Nach zwei Jahren mit McLaren und Stewart Grand Prix war Schluss. Sohn Kevin fuhr ironischerweise ebenfalls für McLaren, wurde dann aber auf Eis gelegt, als Fernando Alonso ins Team kam und gleichzeitig Jenson Button behalten wurde. Ende 2015 wurde Magnussen bei McLaren ausgemustert, anfangs 2016 erhielt er bei Renault eine neue Chance, von dort ging es zu Haas, wo Kevin 2018 seine beste Saison gezeigt hat und WM-Neunter geworden ist. Vorteil Sohn.

Jos Verstappen und Max Verstappen
Papa Jos brachte es 1994 bei Benetton auf immerhin zwei Podestränge. Max hat sich aber in kurzer Zeit zum erfolgreichsten Niederländer der Formel 1 gemacht: Fünf GP-Siege (Spanien 2016, Malaysien und Mexiko 2017, Österreich und Mexiko 2018), 22 Podestplatzerungen. Vorteil Sohn.

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