Willy Knupp: Der Mann, der die Formel 1 zu RTL brachte
Am 19. Oktober wäre Willy Knupp 90 Jahre alt geworden. Der Kölner Kult-Reporter und Schumacher-Vertraute brachte die Formel 1 zu RTL, quasi für «nen Appel und en Ei».
Schon zu einer Zeit, als RTL noch nicht an ein deutsches Fernseh-Programm dachte, galt Willy Knupp als das Motorsport-Gesicht des Senders an den Rennstrecken. Und als sein Arbeitgeber ins TV-Geschäft einstieg, war es Willy Knupp, der die Formel 1 zu uns ins Haus holte. Seinen 70. Geburtstag hat er am 19. Oktober 2006 gerade noch geschafft, drei Wochen später verlor er seinen langen und tapferen Kampf gegen den Krebs.
Willy Knupp gehörte zu RTL wie der Dom zu Köln. Als ich 1969 in die rheinische Metropole kam, um meinen Job als Sportchef bei der damals gerade neugegründeten «Auto Zeitung» anzutreten, war Kollege Knupp neben Rolf Stommelen eine meiner ersten Bezugspersonen in einer für mich noch völlig fremden Stadt.
Er hatte engen Kontakt zum ADAC Nordrhein, war aber auch häufig in Düsseldorf in seinem kleinen Ton-Studio anzutreffen. Von dort aus sendete er Motorsport–Beiträge für RTL-Radio, damals noch besser bekannt als die «fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg».
Bei fast jedem Renn-Wochenende auf dem Nürburgring liefen wir uns über den Weg, er stellte mir seine Kollegen Frank Elstner und Jochen Pützenbacher vor und sorgte dafür, dass ich bei meinen Strecken-Reportagen den einen oder anderen Star des Senders vors Mikrofon bekam.
Bei den heiteren Journalisten-Rallyes in Monaco in den Tagen vor dem F1-Grand-Prix trafen wir als Konkurrenten aufeinander. Willy trat im Ford Capri RS mit ZDF-Nachrichtensprecher Jochen Breiter als Beifahrer an oder auch mit seiner wunderschönen Alpine A 310. Er hatte einfach Spaß an diesem Sport, egal ob er darüber berichtete oder selbst ins Lenkrad griff.
Motorsport-Reportagen etablierte Willy Knupp schnell als festes Programmelement bei RTL-Radio und platzierte seinen Sender zudem auch geschickt als Partner von Teams und Rennveranstaltern. So prangte das RTL-Radio-Logo lange Zeit auf den Escort- und Capri-Renntourenwagen von Zakspeed. Und das traditionelle Eifelrennen des ADAC Nordrhein am Nürburgring erhielt über viele Jahre Zusatzwerbung durch eine enge RTL-Partnerschaft.
Oft genug wurde das kleine Düsseldorfer RTL-Studio zum Promi-Treff, denn wenn Willy rief, dann kamen sie alle. Für Stars und Sternchen, Profis und Privatiers war es damals eine Ehre, zum RTL-Interview gebeten zu werden. «Die Zeit mit Frank Elstner beim Radio war die schönste überhaupt», sagte er mir mal fast wehmütig, als das Gezerre um TV-Rechte und Tickets so richtig Fahrt aufnahm.
Kaffee mit Formel 1-Promoter Bernie Ecclestone
Seinen ganz großen Auftritt hatte er im Zusammenhang mit der Gründung von «RTLplus TV» in Köln etwa Mitte der 80er-Jahre. Der Radiomann wechselte ins Fernsehgeschäft und holte als eine seiner ersten Amtshandlungen die Formel 1 zu seinem Sender. «Machen’s mal, aber schaun’s, dass das nicht so teuer wird», gab ihm der damalige RTL-Chef Dr. Helmut Thoma mit auf den Weg zu Bernie Ecclestone.
Stolz erzählte er mir nach Schumachers erstem WM-Titelgewinn 2000, dass er sich seinerzeit «bei einem Kaffee mit Bernie auf einen echten Freundschaftspreis» geeinigt habe. Zu den Konditionen von damals, so schob er schmunzelnd nach, «würdest du heute noch nicht mal die Rechte für eine Kurz-Zusammenfassung bekommen».
Zwar hatte RTL zwischendurch nochmal für ein paar Jahre die Live-Rechte an ARD und ZDF verloren, aber ab 1991 war es wieder Willy Knupp, der mit Unterstützung von Dr. Thoma die Formel 1 endgültig und dauerhaft nach Köln holte. Wobei das Unternehmen Formel 1 im Kölner Sender in den Anfangsjahren mehr einem «Ein-Mann-Betrieb» als einer Redaktion glich. Willy kümmerte sich um alles – Reiseplanung, Produktion, Administration.
In den ersten Jahren kommentierte er die Rennen sogar auch noch selbst, neben ihm saßen als treue Assistenten wechselweise seine Kumpels Werner Heinz oder Norbert Haug. «Die haben das aus Spaß an der Sache und mir zuliebe gemacht und nichts dafür verlangt», rechnete er den beiden ihre Freundschaftsdienste stets hoch an.
Zum Saisonende 1992 legte er das Mikrofon zur Seite, um zunächst Platz zu machen für Jochen Mass, dem wenig später Heiko Wasser folgte. Der bekam 1997 noch Christian Danner als Experten beigestellt – in dieser Besetzung arbeiten die beiden bis heute zusammen. Die «TV F1-Ehe» Wasser/Danner steuert jetzt auf rekordverdächtige 30 Jahre zu.
Erste Kontakte mit Michael Schumacher
Derweil wurde Williy Knupp als Sportpionier der ersten RTL-Stunde die Gesamtkoordination für die Motorsport-Kommunikation des Senders übertragen. Bis zu seinem Tod repräsentierte er RTL als Botschafter und Ansprechpartner bei den meisten Formel 1-Rennen vor Ort. Schließlich hatte Willy auch die ersten Kontakte zu Michael Schumacher geknüpft und schon 1992 dafür gesorgt, dass es eine spezielle Langzeit-Vereinbarung zwischen Schumi und RTL gab.
Dazu gehörte auch, dass RTL bei Interview stets bevorzugt bedient wurde. Auch als Buchautor war Willy Knupp fleißig und erfolgreich. Etwa 20 Fachbücher rund um den Motorsport und die Formel 1 sind unter seiner Mitwirkung als Autor oder auch als Herausgeber erschienen.
Ab 2003 begann Willys Leidenszeit, mehrere Operationen, immer wieder Klinik-Aufenthalte. Michael Schumacher besuchte ihn still, heimlich und unerkannt in einer Kölner Klinik. Weil er manchmal sogar zum Autofahren zu schwach war, fungierte sein alter Kölner Kumpel Richard Thiel, Hobbyrennfahrer aus frühen Formel V-Tagen, oft genug als Chauffeur und fuhr ihn zu diversen Veranstaltungen.
An einem sonnigen und heißen Tag im August 2004 habe ich ihn zu Hause abgeholt, um mit ihm gemeinsam zur Beerdigung unseres Kollegen Luki Scheuer nach Niederzissen zu fahren. Auf dem Rückweg fragte er mich unvermittelt: «Kommst du denn auch zu meiner Beerdigung?»
Ich war schockiert, was sollte ich darauf antworten. Mehr aus Verlegenheit hab‘ ich gesagt «ja klar, was glaubst du denn». Und dabei versucht, die Unterhaltung ins Lächerliche zu ziehen. Es ist mir nicht gelungen, er hat meine Tränen gesehen und nur gesagt: «Mach‘ dir keinen Kopf, ich weiß, dass ich bald dran bin.»
Zu diesem Zeitpunkt kannte er sein Krankheitsbild tatsächlich schon vollumfänglich und wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Deshalb bat er Richard Thiel Anfang Dezember 2005, ihn nochmals zu einem Treffen ehemaliger Rennfahrer nach Essen zu chauffieren. Dort hat er den Abend intensiv genossen und sich am Ende fast von jedem der Anwesenden mit einem festen Händedruck verabschiedet.
Manche ahnten die bevorstehende Tragödie, schließlich war er schmal und zerbrechlich geworden. Seinen 70. Geburtstag hat er gerade noch mit letzter Kraft geschafft, drei Wochen später schlief er am 10. November 2006 für immer ein. Zum Trauergottesdienst in der St. Pankratius-Kirche in Köln-Junkersdorf kamen viele Freunde und Weggefährten aus dem Rennsport und natürlich die gesamte RTL-Familie.
Hugo Egon Balder, einer von Willys ganz engen Freunden im Sender, würdigte das Leben und Wirken des großen RTL-Motorsport-Pioniers noch einmal in einem wunderbaren Vortrag, durchsetzt mit herrlichen Formulierungen in kölschem Dialekt. Das wäre so ganz nach dem Geschmack von Willy Knupp gewesen, wenn er es noch hätte hören können.
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