Der gelbe Engel für die Wüste

Von Toni Hoffmann
Dakar Auto
Der HS-Racetruck

Der HS-Racetruck

Sie sind mobile Autowerkstätten, rollende Ersatzteillager und Abschleppdienste in einem: Die «Fast Assistance»-Racetrucks, die bei der Rallye Dakar zu den heimlichen Helden gehören.

Auch das HS RallyeTeam setzt auf einen derartigen Racetruck als Notfallhelfer für den SMG-Buggy von Matthias Kahle und Dr. Thomas M. Schünemann. «Fast Assistance», so lautet die offizielle Bezeichnung der Service-Lastwagen, die bei Wüstenrallyes wie der Dakar am Wettbewerb teilnehmen. Die speziell präparierten Racetrucks absolvieren dieselben Strecken wie die vor ihnen fahrenden Autos und kämpfen selbst um Bestzeiten und Platzierungen. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch darin, das eigene Team zu unterstützen – ähnlich wie die «Edelhelfer» bei der Tour de France, die ihren Kapitänen zum Gewinn des Gelben Trikots verhelfen sollen.

Das deutsche HS RallyeTeam schickt seit 2008 bei jeder Wüstenrallye einen teameigenen Racetruck an den Start, um Matthias Kahle und Dr. Thomas M. Schünemann zu unterstützen, falls der SMG-Diesel-Buggy in Schwierigkeiten gerät. Truck-Pilot Mathias Behringer und sein 9,5 Tonnen schwerer MAN-Lastwagen sind fester Bestandteil des HS RallyeTeams. Mit allen nötigen Werkzeugen und vielen Ersatzteilen ausgestattet, ist der Lastwagen der erste Helfer, falls der Buggy irgendwo in der Wüste mit Problemen stehen bleibt. Im Fall der Fälle kann mitten in der Atacama-Wüste ein Hilfsrahmen geschweisst oder in der argentinischen Pampa eine Aufhängung gewechselt werden. Und wenn gar nichts mehr geht, muss Mathias Behringer seine Qualitäten als „gelber Engel“ unter Beweis stellen.

«Wer bei einer Wüstenrallye vorn mitfahren will, kommt ohne eigenen Racetruck nicht weit», erklärt Buggy-Fahrer Matthias Kahle. «Die Prüfungen beanspruchen das Material so sehr, dass früher oder später immer irgendetwas am Auto kaputt geht. Das gehört einfach zum Sport dazu. Der Racetruck ist so etwas wie unsere Versicherung für den Schadensfall. Wir wissen, dass Mathias Behringer bei einem Problem immer schnell zur Stelle ist. Ausserdem ist er als Rückhalt für uns als Fahrer psychologisch wichtig.»

Ein Beispiel: Bei der Dakar 2011 stoppte ein Kabelbrand die Fahrt des SMG-Diesel-Buggy von Kahle/Schünemann in den gefürchteten weissen Dünen der Fiambala-Wüste. Eine Reparatur an Ort und Stelle war nicht möglich, also nahm Behringer den Buggy an den Abschlepphaken. Auf einer der schwierigsten Dakar-Etappen zeigte der Truck-Fahrer eine wahre Glanzleistung. Ihm gelang das, was die wenigsten für möglich gehalten hatten: Behringer zog den Buggy 160 Kilometer durch den weichen Wüstensand ohne einen einzigen Wegpunkt auszulassen – das Team erreichte das Etappenziel ohne Strafzeiten und mit «nur» fünf Stunden Zeitverlust.

«Was Mathias Behringer an diesem Tag geleistet hat, ist sagenhaft», beschreibt Buggy-Navigator Dr. Thomas M. Schünemann. «Die Fiambala-Etappe war so schwer, dass selbst erfahrene Piloten mit intakten Fahrzeugen nicht alle Wegpunkte erreicht haben. Mathias hat das sogar mit uns am Abschleppseil geschafft! Man kann wirklich sagen: Wir haben einen der besten Piloten und einen der schnellsten Racetrucks im gesamten Starterfeld.»

Die guten Leistungen von Behringer und seinen beiden Copiloten zahlen sich übrigens auch für die Fast Assistance-Crew selbst aus: Bei sieben Einsätzen erreichte der Racetruck des HS RallyeTeams fünf Mal die Top Ten. Eine beachtliche Leistung, zumal in der Lkw-Wertung einige professionelle Werksteams an den Start gehen, die nicht ihren Pflichten als Edelhelfer nachgehen müssen, sondern sich voll und ganz auf den Kampf um das «Gelbe Trikot» konzentrieren können.
 

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