Wirbel um Kopfschutz Halo: So verärgert FIA die Fans

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Ein Test mit der Schutzscheibe «Shield» (Schild) endete vorzeitig: Ferrari-Star Sebastian Vettel klagte über Schwindel. Das System ist unausgereift. Die FIA bringt 2018 den ungeliebten Halo.

FIA-Chef Jean Todt hat es mehrfach betont: Es wird 2018 einen Kopfschutz geben in der Formel 1. Und wenn kein anderes System als der klobige Bügel «Halo» (Heiligenschein) gefunden wird, dann wird eben mit jener Lösung gefahren, die Fans und Fahrer gleichermassen verabscheuen.

An diesem Punkt sind wir nun: Nach einer Sitzung der so genannten Strategiegruppe bestätigt der Automobil-Weltverband: Der Halo kommt 2018.

Die Alternative «Shield» (Schild) kommt zu spät. Ein erster Fahrtest war erst in Silverstone möglich. Sebastian Vettel klagte im freien Training zum britischen Grand Prix nach nur einer Runde mit der Schutzscheibe über Schwindelgefühle und kam zur Box zurück.

Vettel: «Das Ein- und Aussteigen ist etwas schwieriger, aber das ist reine Gewöhnungssache. Gravierender – die Sicht nach vorne ist verzerrt. Weil die Scheibe gebogen verläuft, wurde mir schwindlig.»

Der Shield wird zwar von den meisten Fans als nicht so hässlich wie ein Halo eingestuft, aber den Formel-1-Teams ging die Zeit aus, um die Scheibe den Autos anzupassen. Die Cockpits müssen spätestens Juli/August definiert werden. Und wir haben erst einen Fahrtest hinter uns. Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner meint sogar: «Um so ein System perfekt dem Auto anzupassen, hätten wir das vor zwei Monaten festlegen müssen.»

McLaren-Direktor Zak Brown erläuterte in England: «Niemand kann gegen mehr Sicherheit etwas einwenden, aber es muss schon alles passen. Das Verzerren ist ein echtes Problem. Die Sicht muss für die Fahrer ungehindert sein. Wenn den Piloten schummrig wird, ist das gewiss kein gutes Zeichen.»

Christian Horner weiter: «Das Konzept ist einfach unausgereift. Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Sorgfaltspflicht nicht verletzen und unsere Hausaufgaben gründlich erledigen. Wir sprechen hier von ziemlich vielen offenen Punkten. «Wir brauchen die Meinung vieler Fahrer, die unter ganz unterschiedlichen Bedingungen gefahren sind. Wir brauchen Erfahrungen aus der Nacht, wie sich das künstliche Licht auf der Scheibe bricht oder der Sonnenschein, wir müssen wissen, was passiert, wenn Öl auf die Scheibe kommt. Mir geht das alles einfach viel zu schnell. Mir wäre lieber, wir würden eine Einführung zur Saison 2019 hin in Betracht ziehen.»

Aber FIA-Chef Jean Todt hat den bei früheren Sitzungen der so genannten Strategiegruppe klargemacht: Ein Kopfschutz wird 2018 kommen, und wenn keine andere Lösung gefunden werden kann, dann ist es eben der Halo.

Die FIA begründet: «Von allen gezeigten Lösungen bietet der Halo am meisten Sicherheit.»

Damit ist Ärger programmiert, den drei Viertel der Fans lehnen diese Lösung ab.

Formel-1-Entscheidungsfindung: So geht es

Die Entscheidungsfindung im Formel-1-Sport ist komplex. Verschiedene Arbeitsgruppen reichen ihre Ideen der so genannten Strategiegruppe weiter. Sie besteht aus Vertretern von sechs Rennställen (gegenwärtig sind das Ferrari, Red Bull Racing, Mercedes, McLaren-Honda, Williams und Force India), des Autoverbands FIA sowie der «Formula One Group». Jede dieser drei Parteien besitzt sechs Stimmen.

Der weitere Ablauf: Die Ideen der Strategiegruppe gehen an die Formel-1-Kommission. Die hat nur die Möglichkeit, einen Vorschlag abzunicken oder abzulehnen. Über die gegenwärtige Zusammensetzung der Kommission ist im FIA-Reglement nichts zu finden. Einst bestand sie aus: einem Vertreter von «Formula One Management» sowie der FIA (üblicherweise der Präsident), aus Vertretern aller Rennställe, aus sechs Rennpromotern (drei aus Europa, drei aus Übersee), die von FOM aufgestellt werden, aus zwei Vertretern von Rennstrecken (eine aus Europa, eine aus Übersee), von den Teams ernannt, dazu aus Repräsentanten des Reifenherstellers (also Pirelli), der Motorenhersteller sowie der Sponsoren (zwei, aus verschiedenen Marktbereichen). Somit kamen wir (abhängig von der Anzahl Teams) auf ein Gremium von 24 Fachleuten.

Allerdings haben wir nicht eine Stimme pro Vertreter. Es gibt immer zwölf Team-Stimmen, ungeachtet dessen, ob wir nun zwölf Rennställe haben oder elf wie derzeit. Wenn von diesen elf eine interne Abstimmung zum Beispiel 6:5 ausgeht, so wird die restliche Stimme zur Mehrheit addiert (7:5). Wir kommen somit auf 25 Stimmen.

Ist in der Kommission ein Vorschlag gutgeheissen, geht der zum Abnicken an den so genannten Weltrat der FIA. Hier kann die FIA eine Idee blockieren. Die Ratsmitglieder folgen in der Regel den Empfehlungen ihres Präsidenten.

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