USA-GP: Räikkönen holt Sieg, Titelkampf bleibt offen

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Kimi Räikkönen sicherte sich auf dem Circuit of the Americas den Sieg

Kimi Räikkönen sicherte sich auf dem Circuit of the Americas den Sieg

Ferrari-Star Kimi Räikkönen durfte sich in Austin über den 21. GP-Sieg seiner Formel-1-Karriere freuen. Hinter ihm kam Max Verstappen ins Ziel und sorgte damit dafür, dass der Titelkampf weiter offen bleibt.

Bei strahlend blauem Himmel und heisseren Temperaturen als an den Vortagen durften die GP-Stars den viertletzten WM-Lauf der Saison in Angriff nehmen. Die zahlreich erschienenen Zuschauer durften sich auf ein actionreiches Rennen freuen, in dem Sebastian Vettel alles daran setzen würde, mindestens Zweiter zu werden, um seine Titel-Chancen bei einem Sieg von Lewis Hamilton zu wahren.

Auch der von Position 18 startende Red Bull Racing-Star Max Verstappen versprach bereits nach seinem ärgerlichen Aufhängungsschaden im Qualifying und dem anschliessenden Getriebewechsel, für ein spannendes Rennen zu sorgen und sich durchs Feld zu pflügen.Der Niederländer hatte bereits 2017 von Position 16 startend eine spannende Aufholjagd gezeigt. «Der sechste Platz sollte locker möglich sein», erklärte er diesmal selbstsicher.

In der ersten Startreihe durfte sich neben Pole-Setter Lewis Hamilton Ferrari-Abschiedskandidat Kimi Räikkönen einreihen. In der zweiten Startreihe stellten sich Valtteri Bottas und Red Bull Racing-Star Daniel Ricciardo vor Vettel und Esteban Ocon auf. Nico Hülkenberg, Romain Grosjean, Charles Leclerc und Sergio Pérez komplettierten die Top-10. Carlos Sainz, Kevin Magnussen, Fernando Alonso, Sergey Sirotkin, Lance Stroll, Marcus Ericsson, Stoffel Vandoorne, Verstappen, Pierre Gasly und Brendon Hartley folgten auf den weiteren Startpositionen.

An der Spitze wurde es bereits auf den ersten Metern spannend. Hamilton musste sich in der ersten Kurve gegen Räikkönen geschlagen geben, der gleich die Führung übernahm. Dahinter folgten Hamilton, Bottas, Ricciardo und Vettel, der keine Positionen hatte wettmachen können. Ocon, Hülkenberg, Grosjean, Leclerc und Pérez folgten auf den weiteren Top-10-Positionen. Doch dabei blieb es nicht lange, noch in der ersten Runde kamen sich Vettel und Ricciardo in die Quere und der Ferrari-Star fiel nach einem Dreher auf den 15. Platz zurück.

Der Deutsche machte sich gleich wieder an die Aufholjagd und sicherte sich bis zur dritten Rennrunde Position 13. In Runde 6 fand er sich bereits auf der 9. Position wieder. Auch Verstappen zeigte wie versprochen eine beachtliche Aufholjagd, die ihn in fünf Rennrunden von Position 18 auf Platz 7 spülten. Alonso und Grosjean mussten hingegen die Box ansteuern, weil sie dem Start-Chaos zum Opfer gefallen waren. Alonso kollidierte mit Stroll und machte seinem Ärger über den Unfallverursacher am Boxenfunk Luft und Grosjean geriet mit Ferrari-Junior Charles Leclerc zusammen.

Bitteres Aus von Daniel Ricciardo

Die Regelhüter gaben Alonso Recht und bestraften den Kanadier mit einer Durchfahrtsstrafe. Den Unfall zwischen Grosjean und Leclerc wollten sie nach dem Rennen analysieren und im Falle von Vettel und Ricciardo entschieden sie sich, keinen der Unfallbeteiligten zu bestrafen. Lange durfte sich Ricciardo nicht darüber freuen, denn in Runde 9 musste er seinen Dienstwagen am Streckenrand abstellen, weil er plötzlich keine Power mehr hatte.

Um den gestrandeten Renner von der Strecke schaffen zu können, wurde das Feld mittels virtuellem Safety-Car eingebremst. Hamilton nutzte die Chance, seine Reifen zu wechseln, während beide Ferrari-Piloten auf der Strecke blieben. Der WM-Leader kam auf Position 3 hinter seinem Teamkollegen Valtteri Bottas wieder auf die Strecke. Verstappen hatte sich zu diesem Zeitpunkt bis auf die vierte Position vorgekämpft, hinter ihm folgten Hülkenberg und Vettel, der sich kurz vor der VSC-Phase noch Sainz geschnappt hatte.

In Runde 14 tauschten die beiden Silberpfeil-Piloten die Positionen und Hamilton holte schnell auf Leader Räikkönen auf. In der Ferrari-Box sah man besorgte Gesichter, und auch bei Renault war man nicht glücklicher, schliesslich kündigten die Rennkommissare in Runde 18 an, Carlos Sainz genauer unter die Lupe zu nehmen, weil er unter Verdacht stand, in der ersten Runde abgekürzt zu haben. Drei Runden später brummten sie dem Spanier eine 5-Sekunden-Zeitstrafe auf.

An der Spitze kämpfte sich Räikkönen auf gebrauchten Reifen über die Piste und hatte bald den Silberpfeil von Hamilton im Grossformat in seinem Rückspiegel. Der Iceman blieb gewohnt cool und kämpfte eine ganze Runde mit dem schnellen Mercedes-Piloten im Heck, ehe er an die Box abbog und sich frische Reifen der weichen Mischung holte, was ihn auf den vierten Platz zurückwarf.

Als Bottas und Verstappen schliesslich in Runde 24 auch die Reifen wechseln liessen, lag der Heppenheimer somit auf dem dritten Platz hinter Hamilton und seinem Teamkollegen Räikkönen. Bottas musste sich dank eines schnellen Stopps von Verstappen auf der fünften Position hinter dem Niederländer einreihen.

Charles Leclerc muss aufgeben

Im 26. Umlauf absolvierte schliesslich auch Vettel seinen Stopp und holte sich weiche Reifen. Da es beim rechten Hinterrad nicht ganz reibungslos lief, fiel seine Standzeit mit 3,2 sec vergleichsweise bescheiden aus. Zur Halbzeit führte somit Hamilton das Feld vor Räikkönen, Verstappen. Bottas, Vettel, Magnussen, Hülkenberg, Sainz, Ericsson, Ocon, Sirotkin, Vandoorne, Pérez, Gasly, Hartley, Leclerc und Sirotkin an.

Während die Experten darüber diskutierten, ob Hamilton nach seinem frühen ersten Stopp einen weiteren Halt würde einlegen müssen, wurde Leclerc von seinem Alfa Romeo-Sauber-Team an die Box gerufen, um sein Auto abzustellen. Damit reduzierte sich das Feld in Runde 33 auf 16 Piloten. An der Spitze forderte Hamilton beim Überrunden mehr blaue Flaggen, während Verstappen, der Bremsprobleme bekundet hatte, locker mit Räikkönen auf Position 2 mithalten konnte. Der 21-Jährige war zu diesem Zeitpunkt sogar der schnellste Mann auf der Bahn.

Hamilton hatte immer mehr Mühe, an der Spitze auf seinen gebrauchten Reifen den Ton anzugeben, und der frühere GP-Pilot und heutige Sky Sport F1-Experte Martin Brundle seufzte angesichts des Tempounterschieds zwischen den WM-Kandidaten Hamilton und Vettel: «Was den Speed angeht, wird Hamilton diesen GP so nicht gewinnen. Selbst mit einem weiteren Boxenstopp wird er wahrscheinlich nicht der Sieger werden.

Tatsächlich verlor der WM-Leader im Vergleich zu Vettel nun drei Sekunden, sodass die Mercedes-Strategen in Runde 38 entschieden, Hamilton einen frischen Reifensatz der weichen Mischung aufziehen zu lassen. Der Silberpfeil-Star fiel durch den Stopp auf den vierten Platz vor Vettel zurück. In Runde 40 bekam er die dritte Position von seinem Teamkollegen geschenkt, der sichtlich abbremste, um den Titelkandidaten durchzulassen.

Hamilton machte sich daraufhin daran, den Rückstand von 6,7 Sekunden auf Verstappen zu verkürzen und drehte eine schnellste Rennrunde nach der anderen. Auch Vettel gab weiter Gas und verkürzte den Rückstand auf den vor ihm fahrenden Bottas auf weniger als vier Sekunden. Der Deutsche weiss: Sichert er sich den vierten Platz, dann ist der Titelkampf noch offen, wenn Hamilton «nur» Zweiter wird.

Actionreicher Schlussspurt

Vettel spielte in die Hände, dass die Reifen des Finnen Blasen bildeten, sodass er innerhalb zweiter Umläufe auf drei Sekunden an den Silberpfeil herankommen konnte. Auch Hamilton machte auf seinem frischen Reifen tüchtig Fortschritte, sodass Räikkönen von der Ferrari-Box gewarnt wurde, in den letzten drei Runden des Rennens auf Angriffe des Mercedes-Fahrers gefasst zu sein. Kimi antwortete mit einer neuen persönlichen Bestzeit auf diese Ankündigung.

In Runde 46 hatte Vettel Bottas schliesslich im Visier und der vierfache Weltmeister versuchte alles, um am silbernen Renner vorbeizukommen – allerdings vorerst ohne Erfolg. Auch Hamilton hatte zunächst Mühe, an Verstappen heranzukommen. Doch beide Titelkandidaten hatten noch nicht aufgegeben. In den letzten Runden liess Hamilton nichts unversucht, um Verstappen zu überholen, doch der Niederländer wehrte sich mit Erfolg.

Vettel hatte mehr Erfolg als sein Widersacher und schnappte sich in der letzten Runde den vierten Platz von Bottas. Räikkönen beschwerte sich an der Spitze hingegen über die fehlenden blauen Flaggen. Kurz darauf durfte er den Sieg bejubeln – es ist der erste Triumph nach mehr als 100 sieglosen GP! Dahinter durften sich Verstappen und Hamilton über die weiteren Podestränge freuen.

Vettel, Bottas, Hülkenberg, Sainz, Ocon, Magnussen und Pérez folgten auf den weiteren Punkterängen. Dahinter komplettierten Hartley, Ericsson, Vandoorne, gasly, Sirotkin und Stroll die Ergebnisliste.

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Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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