Max Verstappen: Reifer Kopf auf jungen Schultern

Von Rob La Salle
​Der langjährige Formel-1-Pilot Martin Brundle ist tief beeindruckt davon, wie Max Verstappen auf dem Hockenheimring zum Sieg preschte: «Ich erkenne da einen reifen Kopf auf jungen Schultern.»

«Nach so einem Grand Prix weiss du gar nicht, womit du anfangen sollst», schwärmt der frühere Formel-1-Pilot Martin Brundle nach einem spektakulären Grossen Preis von Deutschland. Der 60jährige Engländer schreibt in seiner Kolume für die britische Sky: «Wir hatten vier volle Safety-Car-Phasen und zwei virtuelle, der Sieger stand fünf Mal an der Box, und auf dem Weg zum Triumph hatte er auch noch einen Dreher. Verstappen hat nun zwei der vergangenen drei Rennen gewonnen. Und das Team ist davon überzeugt: in Ungarn bietet sich die nächste Siegchance.»

«Es war ein fabelhafter Tag für Honda – zweiter Saisonsieg, zwei Fahrer auf dem Siegerpodest, mit einem überglücklichen Daniil Kvyat auf Rang 3, der in der Nacht zuvor Vater geworden war. Und dann auch noch Toro-Rosso-Fahrer Alex Albon auf Rang 6 – bei seiner wohlgemerkt ersten Ausfahrt mit einem Formel-1-Auto auf nasser Bahn.»

«Erneut eine Siegchance für Ferrari, und wieder hat es nicht geklappt. Leclerc wirkte stark, rutschte dann aber von der Bahn, an der gleichen Stelle, wo kurz darauf auch Hamilton von der Strecke trudelte. Leclerc wird sich am Montagmorgen tüchtig über sich selber geärgert haben, mit diesem fürchterlichen Gefühl, was hätte sein können.»

«Vettel im zweiten Ferrari hatte zu Beginn des Rennens Mühe mitzuhalten, aber zum Schluss auf Slicks flog er nur so dahin. Vom letzten Platz auf Rang 2 – eine tolle Leistung zur richtigen Zeit und am idealen Ort.»

«Nico Hülkenberg rutschte an der gleichen Stelle aus wie Leclerc und Hamilton, vorbei damit die Chancen, im 167. Formel-1-Lauf endlich den ersten Podestplatz zu holen. Das Problem: Dort üben die Dragster ihre Starts, diese Stelle ist glatt wie Eis, wenn Wasser hinzukommt. Ein Kimi Räikkönen musste all sein Talent zeigen, um den Weg zurück auf die Bahn zu schaffen.»

«Ein bitterer Tag für die sonst so gut geölte Mercedes-Siegermaschine. Bottas segelte in der ersten Kurve von der Bahn, Hamilton, der sich das ganze Wochenende unwohl fühlte, wurde Elfter, bevor er durch die Rückversetzung beider Alfa Romeo-Sauber zwei Punkte geschenkt erhielt.»

«Der Boxenhalt von Hamilton nach dem Ausrutscher erwischte das Team auf dem falschen Fuss. Der Wagen konnte vorne nicht aufgebockt werden, weil der Frontflügel gewechselt werden musste. Dann gab es Verwirrung mit den Reifen. Das alles schien ewig zu dauern, und natürlich gab es hämische Kommentare angesichts der Tatsache, dass Mercedes 125 Jahre Motorsport feierte und den 200. Formel-1-Lauf. Das Mercedes-Team tat dies im 50er Jahre Look, weil sie 1954 in der Formel-1-WM debütiert hatten, und ich fand, das hatte grosse Klasse. Ein wenig Show-Business steht der Formel 1 gut zu Gesicht.»

«Viele Fans haben sich darüber aufgeregt, dass das Rennen hinter dem Safety-Car begann. Ich sage immer – das Gaspedal funktioniert auf beide Seiten, und man sollte von den besten Fahrern der Welt erwarten dürfen, dass sie mit fast allen Bedingungen zurechtkommen.»

«Ein letzter Gedanke zu Max Verstappen: Ich habe kurz nach dem Fallen der Zielflagge mit ihm das erste Interview geführt – er war ruhig wie jemand, der auf den Bus wartet. In einem wahrlich verrückten Rennen fuhr er so, als stünde sein Sieg überhaupt nie in Frage, er schien sich komplett wohlzufühlen. Das ist ein reifer Kopf auf jungen Schultern, mit formidabler Koordination zwischen Hirn, Augen, Händen und Füssen. Auch von einem schlechten Start und durchdrehenden Rädern liess er sich nicht beirren, seine Re-Starts waren makellos.»

«Für Red Bull Racing ist der Sieg auch aus einer anderen Perspektive wichtig: Sie wollen Max Verstappen behalten, und es gibt kein besseres Argument als Rennsiege.»

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