Fernando Alonso: Der Tag des Ferrari-Abschieds

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Fernando Alonso durfte bei der Auftakt-Pressekonferenz in Abu Dhabi noch nicht verraten, dass er zu McLaren wechselt

Fernando Alonso durfte bei der Auftakt-Pressekonferenz in Abu Dhabi noch nicht verraten, dass er zu McLaren wechselt

Ein spanisches Kamerateam durfte Fernando Alonso bei seinem letzten Formel-1-Rennwochenende für Ferrari begleiten. Am Donnerstag gab der zweifache Weltmeister seinen Abschied bekannt.

So nahe kommen selbst langjährige Fahrerlager-Gäste kaum einmal einem Formel-1-Piloten. Erst recht nicht einem Superstar wie Fernando Alonso, der beim Saisonfinale in Abu Dhabi sein letztes Rennen für Ferrari bestritt. Dabei gewährte der zweifache Formel-1-Champion einem Kamera-Team vom spanischen TV-Sender La Sexta TV einen ungewohnt offenen Einblick in sein Dasein als Ferrari-Pilot, wobei der Hauptdarsteller selbst auch gleich in die Rolle des Kommentators schlüpfte.

«Es ist ein emotionaler Donnerstag, mein letzter als Ferrari-Pilot, das wird ganz ungewohnt», erklärte Alonso schon auf dem Weg zur Strecke. «Es ist jetzt 12.50 Uhr, um 13.30 Uhr sage ich es den Mechanikern, um 14 Uhr folgt dann die offizielle Erklärung des Teams und um 15 Uhr ist die Pressekonferenz – wir haben also einige aufregende Stunden vor uns.» Bei der Eingangskontrolle traf der Spanier auf einen alten Bekannten: «Dieser Mann arbeitet jedes Jahr am Eingang, und er fragt mich immer nach Kappen, die ich ihm natürlich besorge. Er muss viele Freunde haben… Aber es ist kein Problem.»

Noch auf dem Weg zu seinem Parkplatz sinnierte Alonso weiter: «Wir treffen viele verschiedene Leute, solche, die immer etwas wollen und wenig helfen, und auch solche, die viel helfen und nie etwas wollen.» Und als er Adrian Sutils roten Ferrari auf dem Parkplatz erblickt, staunt er: «Adrian Sutil, Ferrari, hm!» Beim Eingang zum Fahrerlager kam dann der rote Pass um seinen Hals zum Einsatz. Kaum drinnen, erklärte Alonso grinsend: «Hier ist immer noch das Foto von 2010 zu sehen, als ich bei Ferrari angefangen habe, die Frisur ist schlimm. Jedes Mal, wenn ich den Pass brauche, frage ich mich, warum sie es nicht erneuern.» Dass er jetzt mit Bart rumlaufe, gefalle seiner Mutter aber genauso wenig wie die damalige Frisur, fügt er lachend an.

In der Ferrari-Hospitality angelangt, suchte Alonso zuerst seinen persönlichen Raum auf: «Der muss oben sein, denn die sind immer oben. Aber es ist jeden Donnerstag dasselbe, wenn man an die Strecke kommt. Man weiss nicht mehr genau, ob man nun rechts oder links abbiegen soll», erklärt er, während er die Treppen hochsteigt. «Hier ist er ja, da drüben sind die Büros der Bosse. Das ist übrigens einer der grössten Räume des Jahres, an manchen Strecken passt gerade einmal eine Massage-Pritsche rein. Der hier ist klimatisiert, wir haben Platz, Medikamente – wir leben hier wie die Könige», lobte er brav.

Emotionaler Abschied

Nachdem Alonso die bereitgelegten Kleider betrachtet und kommentiert hatte, präsentierte er stolz seinen Spezial-Helm, mit dem er seinen letzten GP im Ferrari bestritt: «Ich sehe ihn jetzt auch das erste Mal, da sind alle Unterschriften aller Mechaniker drauf und auch die italienische Flagge und das Ferrari-Pferdchen. Natürlich dürfen auch die Sponsoren nicht fehlen, und auf der linken Seite sieht man das Team beim Boxenstopp. Schön, nicht?»

Dann setzte sich Alonso hin, um ein paar Danksagungs-Tweets für Ferrari vorzubereiten. Viel Zeit blieb ihm nicht, pünktlich um 13.30 Uhr macht er sich in seine Box auf, wo sich das ganze Ferrari-Team versammelte. «Ich halte mich kurz, für mich war das eine fantastische Erfahrung, wir haben nicht gewonnen, aber einige interessante Dinge miteinander erlebt», erklärt Alonso, und später: «Erst hat Marco Mattiacci gesprochen und dann haben sie fünf oder sechs Minuten geklatscht und ich wusste nicht, wo ich mich verstecken sollte. Ich zeigte ihnen den Helm und sagte ihnen, dass ich das ganze Wochenende an sie denken werde. Es war sehr emotional.»

Den Weg zur obligaten Autogrammstunde in der Formel-1-Fanzone nutzte Alonso, um seine Danksagungen auf Twitter zu verschicken. Nach dem Bad in der Fanmenge kehrte Alonso zurück und gestand: «Es war eine schwierige Entscheidung, denn jeder will für Ferrari fahren. Egal, ob du nur Zweiter oder Dritter wirst, du bist der Champion von Ferrari, hier und überall anderswo auch. Das ist natürlich ein Luxus, denn man nicht gerne aufgibt. Aber in mir reifte diese Entscheidung im letzten Jahr schon und in diesem Jahr habe ich mich während der Sommerpause dann entschieden. In Spa stand mein Entschluss dann fest und ich habe gefragt, ob ich gehen könne, obwohl mein Vertrag noch über einige Jahre lief. Ich hoffte auf das Verständnis der Teamleitung und das hatte sie dann auch.»

Dann folgte der Blick aufs Telefon, und Alonso stellte erleichtert fest: «Ich habe 2000 Retweets in acht Minuten. Gut gemacht, wurde aber auch Zeit… Gut, gut, gut, die meisten Leute scheinen glücklich damit zu sein. Oder vielleicht kann man auch sagen, dass sie nicht mehr an einen Erfolg bei Ferrari glauben wollten.»

Was sich nach der Rückkehr ins Fahrerlager ereignete, war auf der ganzen Welt zu sehen: Alonso, der verlegen nach Worten sucht, weil ihn ein Reporter fragt, ob er Jenson Button als seinen künftigen Teamkollegen wählen würde, wenn er die Wahl hätte (später bejahte er die Frage und hat damit – wie wir heute wissen – auch alles richtig gemacht). Und ein kaum enden wollender TV-Interview-Marathon mit den immer gleichen Danksagungen, Beteuerungen und Ausflüchten. Am Ende des Tages verabschiedete sich ein sichtlich erschöpfter Alonso mit einem wortlosen Winken von der TV-Crew.

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