Valentino Rossi gegen Marc Márquez: Die letzte Kurve

Kolumne von Michael Scott
Als sich Marc Márquez und Valentino Rossi in Assen einmal mehr einen harten Kampf lieferten, rückten alle anderen Fahrer und Geschichten in den Hintergrund. Wird Márquez je dazulernen?

Neben Marc Márquez und Valentino Rossi ist nicht viel Aufmerksamkeit für andere Fahrer übrig. Jedes Mal, wenn ich wirklich gerne ein anderes Thema behandeln würde, passiert wieder etwas Außergewöhnliches. Dann geht es wieder um Márquez und Rossi.

Jorge Lorenzo kann ein Lied davon singen. Er gewann vier Grands Prix in Folge und kam mit nur einem Punkt Rückstand auf Rossi nach Assen. Doch auch das machte ihn nicht zur Titelstory. Obwohl er vielleicht ein perfekter Fahrer ist, erhält Jorge nicht die Aufmerksamkeit und den Respekt, den er verdient.

So war es auch in Assen, als die zwei Superstars erneut die große Bühne in Beschlag nahmen – auf und abseits (im wahrsten Sinne des Wortes) der Strecke. Es war ein Rennen, dessen Höhepunkt in die Geschichte eingehen wird. Dieses Video ist pures Gold wert.

Eine kurze Rückblende, falls Ihr euch nicht ohnehin schon das Video anseht. Das Würfelspiel dauert das gesamte Rennen, Rossi führt, Márquez lauert, dann überholt er… Doch er kann sich nicht absetzen. Rossi geht wieder in Führung, zwei Runden sind noch zu fahren. Bisher verlief alles perfekt und artig. High-Class-Racing vom Feinsten, auf einer Strecke, die noch immer besonders ist, obwohl sie vor zehn Jahren entmannt wurde.

Letzte Runde, Rossi hat einen leichten Vorsprung. Doch Márquez holt bis zum letzten Sektor auf. Dann kommt die letzte rechts-links-rechts Timmerbocht-Schikane. Márquez taucht am Scheitelpunkt innen neben Rossi auf. Er liegt nicht vorne, beide Räder sliden. Doch für ihn ist das Ergebnis klar. Er wird Rossi im ersten Scheitel einen Schlag verpassen, ihn so zum Aufrichten oder vielleicht sogar zum Sturz zwingen und siegen. Es war alles geplant. Er übte am Tag zuvor und am Morgen im Warm-up.

Márquez ist ein unglaublich kreativer Fahrer, der sich sehr schnell an veränderte Anforderungen und Umstände anpassen kann. Nur einer Person gelingt das besser als ihm. Dem Fahrer, dem er jetzt in die Maschine fuhr.

Rossi wurde von der Strecke in das Kiesbett geschubst. Doch er passte sich an. Er zog das Gas auf, um das Hinterrad weiter durchdrehen zu lassen und die Front zu entlasten, um im weichen Untergrund nicht zu Boden gerissen zu werden.

Die Yamaha spuckte am Hinterrad Steine aus wie ein Flat-Track-Bike. Rossi erholte sich von dem Schlag, der ihn den Sieg hätte kosten sollen.

Assen hat eine lange Tradition von Attacken in der letzten Kurve – erfolglose und erfolgreiche. Eine der traurigsten ereignete sich 2006. Colin Edwards versuchte es damals zu hart und verlor. Nicky Hayden wurde ebenfalls in den Kies gedrückt. Der Typ im Kies gewann auch damals, während Edwards stürzte, als die Flagge, die seinen ersten und einzigen GP-Sieg bedeutet hätte, schon in Sichtweite war.

Für Hayden war das Resultat jedoch entscheidend. Es war einer seiner zwei Siege in diesem Jahr. Die 25 Punkte waren entscheidend, da er den WM-Titel mit nur fünf Punkten Vorsprung auf Rossi gewann.

Vielleicht stellt sich heraus, dass Rossis 25 Punkte in Assen 2015 ebenso wertvoll sind.

Erinnert euch an die letzte Kurve in Jerez. Dort war es Rossi, der Sete Gibernau in der letzten Runde in die Maschine fuhr. Das Ergebnis war der Sieg für Valentino und die endgültige Verbitterung des Spaniers.

Marc Márquez: Nicht in der Lage, aus Fehlern zu lernen?

Vorspulen bis 2013. Diesmal ging es um Platz 2, die Protagonisten waren Márquez und Lorenzo. Der ältere Typ hatte es schon fast in der Tasche… Bis Márquez Rossis Manöver kopierte, ihn in den Kies schickte und Zweiter wurde. Lorenzos Vorwurf von gefährlichem Fahren, das bestraft werden sollte, traf auf taube Ohren. Frohlockte Márquez hämisch? Naja, nur ein bisschen.

Nun zu 2015. Márquez hat schon in Argentinien dieselbe Taktik gegen Rossi genutzt, am Ende der Gegengeraden. Es funktionierte nicht. Rossi rührte sich nicht. Seine direkt drauf folgende Attacke war noch schlimmer. Márquez stürzte.

Etwas Ähnliches passierte in Barcelona mit Lorenzo. Es war noch schlechteres Timing. Márquez stürzte erneut. Rempeleien funktionierten als Taktik vielleicht in der Moto2-Klasse, aber gegen die großen Jungs sind sie nicht effektiv.

Lektion gelernt? Offensichtlich nicht!

In der Zwischenzeit wurden Rossi und Lorenzo gefragt, ob sie Márquez’ Attacken zu eng und gefährlich empfinden. Lorenzo tat nur ein bisschen mehr als nicken. Rossi fand Worte: «Er ist eben sehr freundlich. Er mag es, uns sehr nah zu sein. Manchmal würde er gerne in dein Bike hineinschlüpfen.»

Márquez Wille, dieselbe Taktik nochmal bei Rossi anzuwenden, wurde bestraft. Einmal mehr lag er klar zurück, und sein Gegner siegte. Rossi tat nicht mehr, als auf seiner Linie zu bleiben, als er hinausgedrängt wurde, fuhr er sie weiter, um nicht zu stürzen. Niemand erwartete, dass Márquez das Ergebnis als ungerecht empfindet.

Dass er dies so sah, zeigte, dass er nicht gut reflektiert hatte. Ein Verlierer ist nur ein Verlierer. Ein schlechter Verlierer zu sein, macht es nur schlimmer. Wenn Valentino ohne Strafe davonkäme, dann würde dies die Tür für andere Fahrer öffnen, dasselbe zu tun – meinte Márquez.

Hmmm. Hast du dabei schon jemanden im Kopf, Marc?

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