Legendärer Fred Aberl: Heute wäre sein 90. Geburtstag

Kolumne von Christian Kalabis
Sandbahn
Fred Aberl (re.) 1994 zusammen mit Günther Bauer und Michael Lang

Fred Aberl (re.) 1994 zusammen mit Günther Bauer und Michael Lang

30 Jahre aktiver Motorradrennfahrer, Weltfinalist, unzählige Starts und viele Siege. Aber der Bayer Fred Aberl gewann nie einen Titel. Erinnerungen von Christian Kalabis.

In Bahnsportkreisen kannte ihn jeder: Fred, eigentlich bürgerlich Alfred Aberl, Mühldorfer Urgestein, wurde 1938 durch Wohnungsumzug seiner Eltern nach Gröbenzell bei München als 14-Jähriger erstmals mit dem Bahnsportfieber befallen, nachdem er kurz zuvor mit seinem Vater sein erstes Rennen in Straubing live gesehen hatte.

Als in seiner nahen Umgebung Motoren dröhnten, raste er mit dem Fahrrad dorthin: Eine unscheinbare Garage, in der die berühmten drei Wiesent-Brüder Michael, Rudolf und Sebastian ihre Maschinen testeten – und ihm sogleich einen Putzlappen in die Hand drückten. Ein Erlebnis, das ihn für immer prägte. Irgendwie bekam er dann auch eine BSA 350 ccm, doch der 2. Weltkrieg und die Einberufung an die Front verhinderten seine noch nicht angefangene Rennfahrerkarriere.

Wegen einer Kriegsverletzung kam er bereits vor Kriegsende 1945 wieder nach Hause, und einer der Wiesent-Brüder bastelte ihm mit aus den Dornier-Werken geschmuggelten Ersatzteilen seine erste Rennmaschine. Zusammen mit Georg Traunspurger, später Rennleiter in Pocking und FIM-Referee, werkelten (heute nennt man das Tuning) sie an ihren Motorrädern in der Werkstatt von Albin Siegl, Vater des 1978 tödlich verunglückten Vizeweltmeisters Hans Siegl.

Schon 1948 hatte Fred Aberl eine internationale Rennfahrerlizenz und war der erste deutsche Bahnfahrer, der nach dem 2. Weltkrieg in der CSSR, Polen und Frankreich starten durfte. Es folgten 30 (!) Jahre aktiver Rennsport in der ganzen Welt (eine der wohl längsten Karrieren) mit vielen Höhen und einem schwarzen Sonntag 1970 auf der damaligen Sandbahn in Landshut. Die Verletzungen nach seinem Sturz waren lebensbedrohlich, doch Fred war schon bald wieder auf der Rennbahn zu sehen – beim letzten EM-Lauf der Historie in Scheeßel bei Bremen. Doch nach dem Training gab er seinen Final-Platz an den Münchner Kollegen Rudi Kastl ab.

1971 war er wieder voll im Geschäft und qualifizierte sich für das erste Sandbahn-WM-Finale in Oslo. Sogar bei der Vorstufe der Speedway-Bundesliga sah man ihn jetzt starten, später dann für Krumbach bei Augsburg in der Liga.

Zusammen mit Peter Knott fuhr Fred Aberl drei Jahre erfolgreich auf dem Eis, qualifizierte sich sogar Ende der 1960er-Jahre in Ufa für das EM-Finale in Inzell – doch die Übermacht der Russen war zu groß.

Er blieb dem Bahnsport immer treu

1975 hängte er dann endlich den Stahlschuh an den Nagel, weil er die Möglichkeit bekam, die Werkstatt der Mühldorfer Bahnsport-Legende Sepp Giggenbach (Schwiegervater von Manfred Poschenrieder) zu übernehmen. Dort baute er Fahrgestelle, richtete Rahmen, speichte Räder ein oder restaurierte für BMW historische Rennmaschinen, wie zum Beispiel die Weltrekordmaschine von Ernst Henne oder die Kompressormaschine von Schorsch Meier. Höhepunkt seiner Laufbahn: Fred Aberl durfte 1989 den «Eisernen Gustav» höchstpersönlich auf der legendären Rennstrecke auf der Insel Man zum 50-jährigen Jubiläum vorstellen.

Dem Bahnsport blieb er aber weiterhin erhalten, speziell beim Eisspeedway als Mannschaftsbetreuer. Und auch sonst sah man ihn Sonntag für Sonntag auf allen Bahnen wieder. Seine Clubkameraden vom legendären BBM München, zu dessen Gründungsmitgliedern er zählte, trafen ihn fast jeden Dienstag im Münchner Clublokal.

Fred Aberl: Heute am 17. Juni 2014 wäre er 90 Jahre jung geworden. Leider hat er uns bereits am 15. Oktober 2001 für immer verlassen. Einen Tag zuvor hatte er noch das Superligarennen in Landshut besucht. Fred Aberl, Ruhe in Frieden.

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