Maverick Vinales (Red Bull KTM Tech3): Geht «Top Gun» die Zeit aus?
Vor dem Saisonstart 2026 zeigte sich KTM-Tech3-Pilot Maverick in bester Verfassung und sehr selbstsicher. Doch sportlich ging der Auftakt schief. Keine Riesenüberraschung, wie man auch bei KTM weiß.
Nach monatelanger Verletzungspause im Sommer 2025 hatte KTM-Tech3-Pilot Maverick Vimales beim Finaltest des Jahres 2025 in Valencia wieder volle Schlagkraft angemeldet. Vinales ging als Sechster in die Winterpause und war dabei nur wenige Hundertstel langsamer als Frontmann Pedro Acosta. Als der erfahrene Vinales beim großen Sepang-Test mit Coach Jorge Lorenzo in starker Verfassung auftrat waren viele davon überzeugt: Jetzt hat die Stunde von Maverick Vinales geschlagen – der Katalane wird da weitermachen, wo er vor seiner Verletzung geendete hatte, vor Acosta und im Kampf ums MotoGP-Podest.
Binnen weniger Wochen veränderte sich das Bild. Die MotoGP-Realität wollte einfach nicht zum selbstbewussten Auftritt des MotoGP-Routiniers passen. Obwohl vieles darauf hingedeutet hatte, dass ein körperlich in Bestverfassung antretender Vinales ein harter Prüfstein auch für Pedro Acosta aus der Mannschaft von Aki Ajo wird, fuhren die beiden beim Auftakt-GP in zwei unterschiedliche Rennen.
Der Gegensatz hätte kaum krasser sein können. Während Acosta ganz vorne mit Marc Marquez um den Sieg stritt und diesen auch holte, war Vinales am anderen Ende des Felds mit Ducati-Testfahrer Michele Pirro zu Gange. Dabei waren beide Spanier auf der identischen Spezifikation unterwegs, wie KTM-Technikchef Sebastian Risse bestätigte: «Alle vier haben die identische Basis und ihnen steht der gleiche Baukasten zur Verfügung, um das Bike für sich noch passender zu machen. Richtig ist auch, dass Maverick zuletzt der einzige, war, der sich für einen anderen Sitz entschieden hat. Das war seine Entscheidung aber keine Spezialentwicklung für ihn.»
Und wie erklärt sich Risse, dass der gleiche Maverick Viñales, der im Frühjahr 2025 als Newcomer in Orange war, die besten Zeiten mit der KTM RC16 fuhr? «Als Maverick zu uns gestoßen ist, da war er von Beginn an völlig überzeugt vom Potenzial des Materials. Er war so enthusiastisch, dass er damit aber gelegentlich die Schwächen des Motorrads überfahren hat. Das ist im Einzelfall (Katar 2025, Platz 2 im Ziel) auch möglich, aber nicht auf Dauer. Maverick hat sich nur auf die Stärken konzentriert, was dem Projekt mental auch extrem geholfen hat.»
Und dennoch gab der Auftritt von «Top Gun» beim Wüsten-GP 2025 noch keine klare Auskunft über die Schlagkraft des Motorrads. Vinales zeigte vor einem Jahr mehr, als der Renner aus Munderfing leisten konnte. Knapp ein Jahr später ist es andersherum.
Quittung der langen Verletzungspause
Das liegt in den Augen von Technical-Director Sebastian Risse nicht am Fahrvermögen des Tech3-Piloten, sondern ist eine späte Quittung der langen Verletzungspause. Risse vor dem Brasilien-GP: «Es wäre falsch, davon auszugehen, dass die RC16, wie sie jetzt ist, Pedro besser passt – und Maverick schelchter. Ein wesentlicher Faktor ist der, dass Pedro extrem tief im Projekt steckt und jeden Schritt auf dem langen Weg zu unserem Jetztstand mitgefahren hat – Maverick hat viele Zwischenpunkte auslassen müssen.»
Ingenieur Sebastian Risse weiter: «Dadurch fehlen Erfahrungswerte, die es Maverick noch schwer machen, die korrekte Balance zu finden. Damit ist gemeint, dass er auf der einen Seite pushen muss – sich aber zugleich nicht überfordern und überfahren darf. Das ist es, was ihm so schwerfällt. Es ist ganz normal auf dem aktuellen Niveau – es braucht einfach Zeit, um sich auf 100 Prozent zurückzukämpfen.«
Auch ein Maverick Vinales lebt von Ergebnissen
Doch Zeit ist ein knappes Gut inmitten der Vertragsverhandlungen zur Saison 2027. Genau jetzt sind Ausrufezeichen der Athleten gefordert, um sich ein bestmögliches Blatt in den laufenden Gesprächen zu erfahren. Das riesige fahrerische Potenzial des 31-Jährigen wird im gesamten Fahrerlager geschätzt, doch auch ein Maverick Viñales lebt von Ergebnissen.
Bitter, und doch typisch für den Profirennsport zugleich, wäre es, wenn der kleine Fahrfehler in der nassen Sachsenring-Session, die zu der langwierigen Schulterverletzung führte, die Karriere weiter ins Wanken bringt. Noch hat der 10-fache MotoGP-Sieger die Chance, als einziger Pilot der WM-Geschichte einen Sieg für vier verschiedene Hersteller zu landen und auch in der 850er-Ära weiter im Elite-Zirkel der MotoGP zu fahren.
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