Birchall-Duo baut LCR-Gespanne statt Louis Christen

Von Günther Wiesinger
Seitenwagen-WM
Louis Christen

Louis Christen

Nach mehr als 40 Jahren tritt der erfolgreiche LCR-Konstrukteur Louis Christen aus der Schweiz kürzer. Die Sieger-Gespanne werden jetzt in England produziert.

Nächstes Jahr werden genau 40 Jahre vergangen sein, seit Louis Christen Racing (LCR) mit den Schweizern Bruno Holzer/Charly Meierhans den ersten Seitenwagen-Weltmeistertitel gewonnen hat.

Jetzt hat Konstrukteur Louis Christen genug. Mit 71 Jahren hat sich der Seitenwagen-Papst aus Rheineck im Kanton St. Gallen nach reiflicher Überlegung entschlossen, den Bau der Dreiräder an die Familie Birchall zu übergeben.

Aber Louis Christen, dessen Fahrzeuge viele technische Wandel erlebten und dessen bevorzugte Rennserie in den letzten Jahrzehnten durch turbulente Zeiten ging, hat zwei würdige Nachfolger gefunden.

Ben und Tom Birchall bauen jetzt die LCR-Renngespanne für Kunden auf der ganzen Welt.

«Ich bin sehr froh, dass Ben und Tom so hervorragende Arbeit leisten», erklärte Christen. «Sie haben vor vier Jahren begonnen, Teile für meine LCR-Seitenwagen zu produzieren. Sie haben sehr viel Zeit in meiner Werkstätte verbracht und alles gelernt, was man über das Design und die Funktionsweise von Gespannen wissen muss. Während dieser Zeit wurde mir völlig klar, dass sie meine Tätigkeit mit der Produktion und Entwicklung von F1- und F2-Gespannen erfolgreich fortführen können. Sie sind Weltmeister und TT-Sieger mit LCR-Fahrzeugen, die sie selbst hergestellt haben. Die letzten F1- und F2-Fahrzeuge sind bereits vollständig in England erzeugt worden. Alle Schablonen, Vorrichtungen und Zeichnungen sind bereits nach England übermittelt worden.»

Doch Louis Christen fühlt sich zu jung, um die Hände ganz in den Schoß zu legen. Er wird sein Lebenswerk noch in gedrosselter Form weiterbetreiben. «Ich bin immer noch am Design und an der Weiterentwicklung der LCR-Gespanne beteiligt», erläutert der Ostschweizer. «Denn mein Wissen aus 41 Jahren im Seitenwagengeschäft lässt sich nicht in kurzer Zeit übertragen. Meine Werkstätte in der Schweiz ist weiter im Stand-by-Modus, wenn meine Hilfe benötigt wird.»

Langeweile wird bei Louis Christen trotz des Leisertretens nicht aufkommen. «Denn ich habe verschiedene LCR-Rennwagen und -Gespanne aus den 1970er und 1980er-Jahren, die restauriert werden müssen.»

Die LCR-Kunden können die Ersatzteile künftig in England beziehen, sie sind aber auch in der Schweiz weiter erhältlich.

«Ich wünsche mir, dass das loyale Vertrauen unserer Kunden jetzt auf Ben und Tom Birchall übergeht», versicherte der erfolgreichste Gespann-Konstrukteur aller Zeiten.

Wie viele WM-Titel und WM-Läufe LCR hat im Dreiradsport seit 1979 gewonnen hat, weiß Louis Christen nicht. «Ich bin kein Statistiker», sagte Christen im Gespräch mit SPEEDWEEK.com zwei Tage nach seinem 71. Geburtstag. «Aber ich will die persönlichen Erfolge nicht in den Vordergrund stellen. Ich war halt immer daran interessiert, im Motorsport etwas zu machen...»

Fakt ist: Nur Seymaz und Windle haben die LCR-Siegesserie seit 1979 vor vielen Jahren mal unterbrochen.

Firmengründer Louis Christen fiel 1971 erstmals als Rennwagenbauer auf, er konstruierte damals einen Formel V mit 1300 ccm und später mit 1600 ccm. Er steuerte diesen Monoposto bei einigen Rennen selbst. Rund 35 Rennautos stellte LCR bis 1985 auf die Räder, auch Fahrzeuge für die Formel Ford und Formel 3 waren darunter. Es wurden einige nationale Meistertitel eingefahren.

1976 entstand bei LCR das erste Monocoque für die damals in der Schweiz und Deutschland ungeheuer populären Gespann-Rennen. Der erste GP-Sieg gelang LCR 1978 in Spa-Francorchamps mit den Thurgauern Holzer/Meierhans.

1979 gab es zwei Gespann-WM-Klassen (B2a und B2b), LCR und Holzer/Meierhans siegten in der B2b-Weltmeisterschaft nach sechs zweiten Plätzen gegen den hohen Favoriten Rolf Biland, der mit seinem unkonventionellen BEO-Gespann (Beifahrer Ken Williams saß nach dem Anschieben wie in einem offenen Sportwagen) geschlagen wurde.

Von 1983 bis 1989 baute LCR auch Monocoque-Chassis für Solomaschinen in den Klassen 50, 80 und 125 ccm – für Zündapp, Krauser und Morbidelli. Der Schweizer Stefan Dörflinger gewann auf einem LCR-Chassis 1983 und 1984 zwei WM-Titel in der kleinsten Klasse.

Heute blickt Louis Christen zufrieden auf sein Lebenswerk zurück. «Ich musste in all den Jahren nie betteln gehen, ich habe nie einen Sponsor gebraucht. Ich habe immer zahlende und zufriedene Kunden gefunden. Und wenn man mich heute noch manchmal brauchen kann, freut es mich. Abert momentan steht das Instandsetzen der alten Rennwagen im Vorergrund.»

Wer sich für LCR-Material interessiert:
Birchall Racing
E-Mail: info@birchallracing.com
Telefon: +44-0784 328 6295

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