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Formel 1Kolumne
Zum Tod von Hans Herrmann: Erinnerungen an einen guten Freund
SPEEDWEEK.com-Kolumnist Rainer Braun lernte Hans Herrmann bereits in den 1960er-Jahren kennen. Bald entwickelte sich zwischen dem Journalisten und dem Rennfahrer eine Freundschaft fürs Leben.
Im Artikel erwähnt

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Wien-Aspern 1963: Hans Herrmann im Cockpit eines Abarth-SportwagensWien-Aspern 1963: Hans Herrmann im Cockpit eines Abarth-SportwagensFoto: Steinbacher
Wien-Aspern 1963: Hans Herrmann im Cockpit eines Abarth-Sportwagens© Steinbacher
Der Tod von Hans Herrmann schmerzt mich sehr, weil es speziell aus meiner frühen Zeit als Journalist und Sprecher so viele Erinnerungen und persönliche Erlebnisse mit ihm gibt. Und ich verdanke ihm so viel, gerade in meinen ersten Berufsjahren hat er mir geholfen, wo er nur konnte.
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Als junger Journalist hatte ich 1963 das Glück, Hans kennen zu lernen. Für mich war er eine wichtige Stütze und immer und überall ein guter Ratgeber. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft fürs Leben. Damals war Hans die Nummer 1 im Werksrennstall von Carlo Abarth, fuhr alles vom kleinen Abarth 1000 TC über die GT’s 1300, 1600 und 2000 bis hin zum Sport-Spyder. Beim Flugplatzrennen Wien-Aspern 1963 hatte ich eine meiner ersten Strecken-Reportagen und gleich hier konnte ich drei Abarth-Siege von Hans an einem Tag begleiten. Hier hatte ich auch mein erstes Sieger-Interview mit ihm.
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Als wir uns kennenlernten, war ich gerade mal 23 und Hans hatte um diese Zeit schon seine ganz große Formel 1- und Sportwagen-Karriere hinter sich. Er hatte gerade für ein paar Jahre so eine Art Wohlfühlprogramm mit dem impulsiven Carlo Abarth abgeschlossen. Dessen gleichnamige Touren-, GT- und Sportwagen bewegte Hans geradezu meisterlich.
Auf meine Fragen gab er mir immer ehrliche Antworten und wertvolle Tipps. Bis zu seinem Tod haben wir uns nie aus den Augen verloren, gelegentliche Besuche bei ihm zu Hause in Sindelfingen schlossen sich bis in die Neuzeit an.
Im weiteren Verlauf unserer Bekanntschaft, die übrigens auf den genialen Rennsport-Fotografen Hans Peter Seufert zurückzuführen ist, hat Hans mir nahezu alles über Carlo Abarth und seinen gewöhnungsbedürftigen Führungsstil erzählt, seine Marotten, seine Wutausbrüche und vieles mehr. So mancher Abarth-Pilot musste sich vom Chef übelst beschimpfen lassen – nur Hans gestand er fast alle Freiheiten zu. Ich würde sagen, Carlo A. hatte sogar Respekt vor ihm.
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So wurde Hans schon um diese Zeit zu einem wertvollen Informanten und Ratgeber für mich, wobei ich die Herkunft der Daten und Fakten stets gut verschleiert habe. Denn Fahrer, die Interna über Teamführung und Technik preisgaben, strafte Abarth meist mit sofortiger Entlassung ab. Es gibt so viele Begegnungen, die unvergessen bleiben und an die ich mich zeitlebens immer gerne erinnere. Beispielsweise das erste Flugplatzrennen 1964 in Mainz-Finthen, wo Hans als Doppelstarter für Abarth antrat. Freitags schleppte ich Hans zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt, wo ich ein Live-Interview mit ihm vermittelt hatte. Der Moderator der Sendung hatte absolut null Ahnung vom Rennsport und stellte Hans trotz meines Vorab-Briefings entsprechend blöde Fragen. Dieser konterte das Unwissen des Mannes mit einem entwaffnenden Lächeln und klärte ihn geduldig auf. Nach 15 Minuten endete das Live-Gespräch mit einer herzlichen Verabschiedung und besten Wünschen. Als Dankeschön für meine Bemühungen rund um das HR-Interview lud Hans mich für den Abend des gleichen Tages nach Wiesbaden in den «Scotch Club» ein, eine vornehme Bar mit Außenbalkon zur Prachtmeile Wilhelmstraße. Ich machte mich extra schick, weißes Hemd, Krawatte, Sakko.
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Als ich dort ankam, saß Hans mit einem weiteren Gast schon im ruhigeren Außenbereich. Irgendwie kam mir der Mann bekannt vor. Noch bevor ich weiter überlegen konnte, stellte Hans den Gast vor: «Rainer, das ist mein Freund Bubi Scholz aus Berlin, und Bubi, das ist der Rainer Braun, ein fleißiger junger Journalist.» Was dann passierte, hab‘ ich auch noch bis heute auf dem Schirm. Box-Idol Scholz musterte mich kritisch und meinte dann mit süffisantem Unterton: «Schau mal Hans, dein Freund trägt ja noch eines dieser schrecklichen Nyltest-Hemden, ich hasse die Dinger.» Zur Erläuterung – Nyltest-Hemden galten in den 60er-Jahren mal als bevorzugtes Material, weil es komplett aus dem synthetischen Polyamid bestand und das lästige Bügeln entfiel. Nach Bubis Frontalangriff hab’ ich mich wie ein kleiner Junge geschämt – und Hans, sichtlich unangenehm berührt, rettete die Situation mit den Worten «Mach dir nix draus, so ist er eben, unser Bubi mit seiner Berliner Knodder-Schnauze»…
Auch in seiner Zeit als Porsche-Werksfahrer war Hans für mich immer ein wichtiges Bindeglied zu den Rennleitern Huschke von Hanstein und Rico Steinemann sowie den Technikern. Immer wieder haben sich unsere Wege gekreuzt, an den Rennstrecken, bei Veranstaltungen oder bei ihm zu Hause in Sindelfingen.
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In den zwölf Jahren der Kult-Veranstaltung «Hallo wie geht’s» im Rahmen der Motor Show Essen gehörten Hans und seine Frau zu den treuesten Gästen. Sie hatten immer ihren Platz am Ehrentisch neben Show-Organisator Wolfgang Schöller und den jeweils amtierenden Mese-Vorständen. Und als BMW 1994 beim 24h-Rennen am Ring das «Dream Team» mit den Ü50-Alt-Rennfahrern einsetzte, nahm Hans die Einladung als Betreuer der Chaos-Truppe ohne lange Diskussion an. Und das, obwohl er zu BMW eigentlich gar keine Verbindung pflegte. Dabei hat er noch nicht mal eine Gage verlangt, er war einfach da und hat sich gefreut, alte Fahrer-Kollegen zu sehen und Spaß zu haben. Was war ich so stolz, als ich 2012 in Essen bei der Pressekonferenz für die Motorshow mit dem Messe-Thema 24h Le Mans gleich drei Generationen Le Mans-Sieger auf der Bühne befragen durfte. Hans Herrmann (1970, Porsche), Jochen Mass (1989, Mercedes) und Alexander Wurz (1996, Porsche) erzählten unglaubliche Geschichten und die anwesenden Journalisten kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Unser letztes privates Treffen fand vor einigen Jahren bei Herrmanns zu Hause in Sindelfingen statt. Zufällig war auch Udo Schütz aus Selters da, ein alter Porsche-Kollege und persönlicher Freund von Hans und auch von mir – schließlich war Udo mal einer meiner Trauzeugen. Er geht jetzt auch schon stramm auf die 90 zu und führt seinen weltweit verzweigten Mega-Konzern immer noch selbst. Die beiden ehemaligen Porsche-Teamkollegen funkten über all die Jahre immer auf einer Wellenlänge und beide Familien sind eng befreundet.
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Wenn ich über die Begegnungen mit Hans Herrmann an den Rennstrecken oder privat bei ihm zu Hause zurückdenke, überkommt mich unendliche Traurigkeit. Dieser herzensgute Mensch hatte immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte anderer. Ich bin ihm für seine selbstlose Hilfe und Unterstützung so dankbar, gerade deshalb schmerzt sein Tod so sehr. Das Leben hat ihn so reich beschenkt. Und er hat oft gesagt, dass er ein Glückskind sei. Die Presse feierte ihn ohnehin öfter als «Hans im Glück», weil er so viele Unfälle überlebt und überhaupt so viel Glück in seinem langen Leben gehabt hat. Sogar eine brutale Entführung mit Lösegeld-Forderung hat er letztlich unbeschadet überstanden.
Hans hatte ein wunderbares, erfülltes Leben, das er vor allem zum Ende hin in sich ruhend genossen hat. Dabei wurde er stets liebevoll umsorgt von seiner Madelaine. Die beiden waren über 60 Jahre lang verheiratet. Eine einzige große Liebe.
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Sogar in der Stunde seines Todes hatte Hans noch das Glück, zu Hause im Kreise seiner Lieben statt im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung für immer einzuschlafen. Sein mehr als erfülltes Leben ist am 9. Januar 2026 nach 97 Jahren und 321 Tagen zu Ende gegangen. Lieber Hans, danke für deine treue Freundschaft und ich hoffe, du hast es gut da oben mit all deinen alten Vollgas-Kumpels, die schon vor dir für immer abgereist sind. Oder noch im Laufe der Zeit nachkommen – es wird sich wohl nicht vermeiden lassen.
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