BMW in Oschersleben: Wenig gewagt, wenig gewonnen

Von Andreas Reiners
DTM
Augusto Farfus war bester BMW-Pilot

Augusto Farfus war bester BMW-Pilot

BMW brachte in Oschersleben nur zwei Autos in die Punkte. Während vor allem Mercedes zockte, hielten sich die Münchner zurück.

Willkommen im Casino Oschersleben: Das chaotische Regenrennen in der Magdeburger Börde war für alle Beteiligten ein Glücksspiel. Mercedes ging All in, zog ein Ass aus dem Ärmel und räumte ab. Christian Vietoris holte sensationell den ersten Saisonsieg für die Stuttgarter, Paul di Resta (4.) und Gary Paffett (8.) fuhren aus dem Nichts in die Punkte.

Anders bei BMW. Die Münchner setzten auf die konservative Variante. Hielten sich zurück. Vermieden das Risiko. Und verloren. Augusto Farfus auf Platz fünf und Martin Tomczyk auf Rang neun, das war alles, was BMW in die Punkte brachte. Polesetter Marco Wittmann? Fuhr nach einem Überholmanöver gegen den zwischenzeitlich führenden Paffett zunächst ins Kiesbett und fiel zurück. Später streikte das Getriebe – Platz 19.

BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt nahm es sportlich. «Es gibt halt Rennen, in dem am Ende drei Fahrer auf dem Podium stehen, die ohne das dritte Safety-Car irgendwo JWD rausgekommen wären», so Marquardt, der sich aber für die krisengeplagte Truppe von Mercedes freute.

Keine Lotteriestrategien

Zur Vorbereitung auf das Rennwochenende hatte Marquardt zahlreiche Daten gewälzt. Also auch die Statistik, dass es in den vergangenen Jahren in Oschersleben nur ein einziges Safety-Car gab. Und das im Trockenen, drei Runden vor dem Ende. In diesem Jahr waren es bei Regen immerhin gleich drei. Und BMW hatte während des Rennens die Möglichkeit, mit sechs Autos in die Punkte zu fahren. «Wir waren im Rennen mit zu vielen Autos zu weit vorne. Dann tut man sich schwer auf irgendwelche Lotteriestrategien zu setzen. Und das ist am Ende nicht belohnt worden. Das ist schade», so Marquardt.

Was lernt BMW daraus? In Zukunft bei Regenrennen also mehr Risiko? Nein, denn das Problem ist immer die Ausgangslage. «Klar kann man sagen, wir gehen in Zukunft mehr Risiken ein. Das ist die Hero-Zero-Logik: Kommt es, wie du es geplant hast, bist du der Held. Wenn du hinten fährst und es klappt nicht, fällt es niemanden wirklich auf», so Marquardt. Das wäre bei Mercedes so gewesen. Volles Risiko, eine ungewöhnliche Strategie. Geht die nicht auf, kann man das als Hersteller abhaken. Mercedes hatte nichts zu verlieren, stand mit den meisten Autos sowieso auf den hinteren Startplätzen.

Vietoris hatte noch vor dem Start in der Boxengasse die Reifen gewechselt. Doch die Strecke war noch nicht nass genug. «Er fährt dann ewig hinter dem Feld her. Wenn das erste Safety-Car nicht kommt, wird er schon überrundet. Aber dem war nicht so, und deswegen Chapeau: Es hat super gepasst für die Truppe und insofern müssen wir das auch so hinnehmen», so Marquardt.

«Warum machen Sie denn sowas?»

Wenn man wie BMW mit seinen Boliden vorne mitfährt und geht aufs Ganze, zockt und setzt alles auf eine Karte und die Risiko-Strategie geht nicht auf: «Dann fragt dich hinterher jeder: ‚Wie kriegen Sie das jetzt hin, vom fünften auf den 15. Platz? Warum machen Sie denn sowas?», so Marquardt: «Solche eine Sache, wo es wirklich nur darum geht, auf eine Möglichkeit zu setzen, die kommen kann: Das ist nicht unser Ding.»

Ausnahme: Ein aggressiver Reifenpoker. Gegen Ende des Rennens in Oschersleben trocknete die Strecke immer mehr ab. Da stellte sich bei den Pflichtstopps bei zahlreichen Piloten die Frage: Auf den letzten Runden nochmal mit den weichen Optionsreifen auf Angriff? Oder doch weiterhin mit den Regenreifen?

«Es gibt Fahrer bei uns, die sagen, dass lieber noch fünf Runden auf dem Regenreifen fahren wollen. Denn wenn du den Optionsreifen nicht zum Arbeiten kriegst, dann bist du der Oberdepp da draußen. Da kann man dann aggressive Entscheidungen gemeinsam mit einem Fahrer treffen», so Marquardt.

Oschersleben hat BMW inzwischen abgehakt. Denn nun wartet Ungarn. Budapest. Sonne höchstwahrscheinlich. Und somit mal wieder ein heißes Rennen. Vorher werden die Münchner noch einen Test einlegen. «Wir haben ja noch ein bisschen Arbeit vor uns. Das Feld ist eng beisammen und wir müssen schauen, dass wir uns in Budapest richtig vorbereitet präsentieren.»

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