Neues Formel-1-Team aus China: Debüt frühestens 2019

Von Mathias Brunner
Formel 1
Formel-1-Atmosphäre in Shanghai (China) – eines Tages mit einem einheimischen Team?

Formel-1-Atmosphäre in Shanghai (China) – eines Tages mit einem einheimischen Team?

​Formel-1-CEO Chase Carey wünscht sich, dass der GP-Zirkus frisches Blut erhält. Aber über einige sachte Anfragen bei Grossaktionär Liberty Media hinaus ist wenig passiert. Für 2018 ist es ohnehin zu spät.

Im Lauf der letzten 35 Jahre habe ich immer wieder von angeblich neuen Grand-Prix-Teams gehört, die alle eines gemein haben: Aus ihren ist nichts geworden. Seit dem Monaco-GP-Wochenende kursiert, ein von chinesischen Investoren finanzierter Rennstall wolle an der Formel-1-WM 2018 teilnehmen.

Was wahr ist: Dass tatsächlich Fachkräfte angesprochen worden sind, möglicherweise für einen anderen Arbeitgeber tätig zu sein. Was nicht klar ist: Ob einige frühere Manor-Fachleute heute bereits für ein solches Projekt beratend tätig sind.

Was ebenfalls wahr ist: Das neue Team würde aus dem Silicon Valley der Formel 1 heraus operieren, also aus dem Grossraum London – aus dem einfachen Grund, weil dort die meisten Fachfirmen tätig sind und es einfacher ist, einen britischen Spezialisten zu sich zu locken als ihn vom Umzug nach Italien oder in die Schweiz zu überzeugen.

Was überdies wahr ist: Knapp ein Dutzend Interessenten sind bei Liberty Media vorstellig geworden, um sich nach den finanziellen Rahmenbedingungen eines Formel-1-Engagements zu erkundigen. Genauer geht es um die Kernfrage, ab wann ein neuer Rennstall in den Genuss von Preisgeldausschüttungen käme. Aber da sind Chase Carey die Hände gebunden – die Abkommen, mit der langjährige Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone mit den Teams ausgehandelt hat, gelten bis Ende 2020.

Einen finanziell langen Atem bräuchten die Neulinge auch beim Automobil-Weltverband FIA: Nicht nur, dass in Paris 20 Millionen Dollar Kaution hinterlegt werden müssen, sondern ein neues Team muss auch einen Geschäftsplan für fünf Jahre präsentieren, der überzeugen kann. Der Autoverband will auf diese Weise Finanzjongleure, Wichtigtuer, Schaumschläger und Abenteurer abschrecken.

Um schon 2018 antreten zu können, hätte eine Abkürzung darin bestehen können, das komplette Manor-Projekt zu übernehmen. Aber das ist nicht passiert.

Zudem müsste gemäss Reglement die FIA eine Ausschreibung für ein elftes (oder zwölftes) GP-Team veröffentlichen, danach würden die Dossiers potenzieller Bewerber auf Nachhaltigkeit geprüft. Auch davon ist in Paris derzeit nicht die Rede. Allerdings ging es vor zwei Jahren sehr schnell: Ausschreibung im Mai, Dossier-Einsendeschluss im Juni, im September das Urteil der FIA. Aber dazu müsste die Arbeit bei einem neuen Team schon viel weiter sein.

Fazit: Ein Debüt eines GP-Teams 2018 ist so gut wie auszuschliessen. Für 2019 jedoch ist alles möglich. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

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