Sir Jackie Stewart: Vettel und Hamilton auf Augenhöhe

Von Rob La Salle
Sir Jackie Stewart 2015 mit seinem 1965er BRM in Monza

Sir Jackie Stewart 2015 mit seinem 1965er BRM in Monza

​Eine echte Rennlegende lässt sich den Monza-Besuch nie nehmen: Der 78jährige Schotte Jackie Stewart spricht über den modernen GP-Sport und sein Leben an der Seite seiner dementen Ehefrau Helen.

Natürlich steht Ferrari ganz im Zentrum der Rennleidenschaft eines Tifoso. Aber die italienischen Fans wissen ihre Legenden zu schätzen, selbst wenn einige dieser Piloten nie am Lenkrad eines Formel-1-Ferrari gesessen sind. Jackie Stewart wird in Monza auf Schritt und Tritt erkannt und angesprochen. Der heute 78-Jährige hat den Tempo-Tempel bei Mailand in bester Erinnerung behalten: 1965 (mit BRM) und 1969 (Matra) konnte er in Monza gewinnen, es war sein erster Sig in der Formel 1, mit seinem 1969er Sieg sicherte er sich seinen ersten WM-Titel, auch 1973 krönte er sich in Monza mit dem Titel (seinem dritten, nach 1969 und 1971), dieses Mal reichte Rang 4.

Jackie ist der Formel 1 über all die Jahre eng verbunden geblieben, zuletzt als Botschafter von Seriensponsor Heineken. Bei meinen Kollegen der Gazzetta dello Sport sagt der 27fache GP-Sieger über den aktuellen WM-Kampf: «Ich hoffe zum Wohle der Formel 1, dass die Entscheidung erst im Finale von Abu Dhabi fällt. Dieses Duell zwischen Ferrari und Mercedes ist für uns alle fabelhaft, nach Jahren der Dominanz, zunächst von Red Bull Racing, dann von Mercedes-Benz. Wobei ich es immer ein wenig kurios finde, dass die neuen Silberpfeile in England gebaut werden. Wie es zwischen Vettel und Hamilton ausgeht? Ich weiss es nicht. Der Weg zum Titel ist noch lang, und beide kämpfen auf Augenhöhe.»

In Monza ist der 2018er Formel-2-Renner von Dallara gezeigt worden, komplett mit dem Kopfschutzbügel Halo. Stewart war immer ein unerschütterlicher Kämpfer für mehr Sicherheit, das hat ihn in den 60er und 70er Jahren viele Fans gekostet. Dem Schotten war das einerlei. Und so wundern wir uns wenig, wenn er sich heute für den Halo einsetzt, den wir 2018 auch an den GP-Rennern haben werden. «Ein notwendiger Schritt. Ich bin baff über die Argumentation, das sei wider der Natur der Formel 1. Ich kenne gewisse Vorwürfe von früher. Bei mir hiess es damals auch, ich wolle den Sport kaputtmachen, nur weil ich mehr Sicherheit forderte und in dieser Form nicht auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps fahren wollte. Wenn die Zahl der Formel-1-Toten im Laufe der Zeit herunter gegangen ist, dann gründet das auch ein wenig auf meiner Arbeit damals.»

Stewart war immer ein Kämpfer. Für mehr Sicherheit. Für Menschen mit Leseschwäche, an welcher Jackie selber litt. Seit einigen Jahren auch macht der 99fache GP-Teilnehmer auf Demenz-Erkrankungen aufmerksam – er sieht, wie seine Frau Helen vor seinen Augen geistig zerfällt. Jackie sagt: «80 Millionen Menschen leiden weltweit an Demenz. Eine Studie schätzt, dass in zwanzig Jahren jeder Dritte von uns betroffen sein wird. Es gibt keine Vorbeugung, es gibt keine Heilung. Ich habe eine Stifung gegründet, welche das Ziel hat, gewissermassen einen Adrian Newey der Medizin zu finden, der ein Mittel gegen Demenz findet. Helen und ich sind 55 Jahre verheiratet. Sie schaut mit mir Rennen und fiebert mit, doch zehn Minuten danach weiss sie nichts mehr davon. Aber ich gebe nicht auf. Mein Sohn Paul wurde mit Krebs diagnostiziert, und wir konnten die Krankheit besiegen. Es muss gegen Demenz einen Weg geben.»

Viele Fans wissen es nicht: Stewart war mal Ferrari-Werkspilot. «Ich wurde fürs Sportwagen-WM-Finale 1967 engagiert, in Brands Hatch. Es ging für Ferrari gegen Porsche um den Titel. Beide Teams wollten mich haben, am Ende habe ich mich für Ferrari entschieden. Chris Amon und ich wurden hinter dem Chaparral Zweite, das war die Entscheidung.»

Aber mit der Formel 1 hat es nie geklappt, wie Stewart weiter sagt: «Ich war ein wenig irritiert davon, wie Enzo Ferrari die Fahrer behandelt hat. Musso und Castellotti waren am einen Tag wie Söhne für ihn, dann liess er sie fallen wie heisse Kartoffeln. Ich ging also nach Maranello, wo Franco Gozzi zwischen mir und Enzo übersetzte. Ferrari und ich waren uns bald einig, dass ich für Ferrari Formel 1 fahre, ich erhielt sogar die Erlaubnis, parallel dazu Formel 2 mit Tyrrell zu fahren. Dann kam beim folgenden Formel-2-Rennen in Sizilien Jacky Ickx zu mir und sagt: "Gehst du zu Ferrari?" Ich sagte: "Wie kannst du das wissen?" Er meinte: "Ich war am Tag nach dir dort. Sie sagten, du wolltest sehr viel Geld und dass es ihnen eigentlich lieber wäre, mit mir zu arbeiten. Was soll ich tun?" Jacky war jünger als ich, also sagte ich: "Sag ihnen zu."»

«Auf dem Rückweg von Enna-Pergusa habe ich am Flughafen Fiumicino von einem Münztelefon Ferrari angerufen. "Ah, Jackie, wie geht es?" fragte Gozzi. "Gar nichts geht", habe ich gesagt, "ihr habt hinter meinem Rücken mit Ickx verhandelt, ich komme nicht zu euch." Gozzi hat dann von einem Missverständnis geredet, aber für mich war die Sache erledigt.»

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