Sauber 2018: Was läuft da mit Ferrari und Alfa Romeo?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sergio Marchionne

Sergio Marchionne

​Nicht zum ersten Mal kursiert: Die Ferrari-Motoren im Heck der 2018er Sauber-Rennwagen sollen Alfa Romeo heissen – und die Fahrer seien die Ferrari-Zöglinge Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi.

Als einziger Rennstall der Formel 1 ist bei Sauber für 2018 noch kein Fahrer gesetzt. Teamchef Frédéric Vasseur liess sich bei unserem Gespräch in Texas nicht in die Karten gucken: «Wir müssen uns spätestens bis zur Woche vor dem ersten Wintertest entscheiden.»

Tatsächlich wird es schneller gehen. Und einmal mehr kursiert im Fahrerlager: Der Franzose wolle sich enger an Ferrari binden. So eng, dass Ferrari-Präsident Sergio Marchionne seinen Wunsch durchbringt und 2018 die beiden Juniorfahrer Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi in Autos sitzen, die Sauber-Alfa Romeo heissen.

Aber der Reihe nach.

Wer bislang geglaubt hatte, der Schwede Marcus Ericsson gehöre beinahe zum Mobiliar von Sauber, der musste in den vergangenen Wochen umdenken. Gewiss, hinter der Schweizer Investment-Firma Longbow, die Peter Sauber und Monisha Kaltenborn im Juli 2016 den Rennstall abgekauft haben, stehen Investoren aus Schweden. Ein Teil davon begleitet auch Marcus Ericsson während seiner Rennkarriere. Doch der Kauf von Sauber geht über die Karriere von Ericsson hinaus. Das Team wird als längerfristiges Investment angesehen, und die Besitzer knüpfen diese Investition nicht an die Laufbahn eines – seien wir mal ehrlich – mittelmässigen Piloten. Seit Rang 9 in Monza 2015 ist Ericsson ohne WM-Punkte.

Vielleicht spürt der Schwede, dass seine Karriere auf dem Spiel steht, als er unlängst sagte: «In der Formel 1 darfst du dir nie sicher sein, bevor du einen Vertrag unterschrieben hast.»

Zum Thema Alfa Romeo: Seit mehr als zwei Jahren spricht Fiat/Chrysler-Konzernchef Sergio Marchionne davon, die grosse Marke Alfa Romeo in den Grand-Prix-Sport zurückzubringen: «Alfa Romeo könnte zum Brutkasten junger italienischer Rennfahrer werden. Ich finde es erstaunlich, welchen Platz die Marke Alfa Romeo noch immer in den Herzen der Menschen hat.»

Alfa Romeo war eine Marke der ersten Stunde in der Formel 1: Die ersten beiden Weltmeister – Giuseppe Farina und Juan Manuel Fangio – sassen 1950 und 1951 in den zeitlos eleganten Alfa Romeo 158 und 159, die zärtlich «Alfetta», also kleine Alfa, genannt wurden. Die Alfetta wurde zu einem der erfolgreichsten Grand-Prix-Renner – 47 von 54 Grands Prix wurden gewonnen, angefangen schon 1938, unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg.

Alfa Romeo hat im Rahmen der Formel-1-WM 112 Grands Prix bestritten und 10 davon gewonnen. Das letzte Engagement – 1985 als «Benetton Alfa Romeo» mit Eddie Cheever und Riccardo Patrese. Die Saison war eine Katastrophe: null Punkte.

Fast schüchtern kehrte die Marke dann zurück: Auf der Motorverkleidung des 2015er Formel-1-Ferrari wurde das Alfa-Emblem spazierengefahren, nicht mehr das Fiat-Logo. Damit hat sich ein Kreis geschlossen: Ende der 20er Jahre tauchte auf den GP-Rennern von Alfa Romeo das berühmte Pferdchen des damaligen Alfa-Werksfahrers Enzo Ferrari auf – wenige Jahre darauf übernahm Ferrari die Renneinsätze von Alfa Romeo. 2015 war es umgekehrt: Auf dem GP-Auto von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen war auf der Motorabdeckung das Emblem von Alfa Romeo zu sehen.

Alfa steht seit 1910 als Abkürzung für «Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili» (also Aktiengesellschaft Lombardische Automobilfabrik), Romeo kam im Dezember 1915 hinzu, als die Rüstungsgesellschaft von Nicola Romeo das Sagen in der jungen Firma übernahm.

Als Markenzeichen ist seit gut hundert Jahren unverändert: In der linken Seite ein rotes Kreuz auf weissem Grund (die Farben der Stadt Mailand), rechts eine grüne Schlange mit Drachenkopf und Krone, auf blauem Grund, auch dies Teil des Mailänder Stadtwappens. Die Schlange mit einem Kind im Mund geht auf eine Legende aus den Kreuzzügen zurück, als ein Mitglied der Mailänder Familie Visconti bei Rom einen Sarazenenfürsten tötete und dessen Wappenschild an sich nahm. Auf das Schild war angeblich eine Schlange mit Kind im Mund gemalt.

Jahrelang stand auf den Ferrari-GP-Autos ein Fiat-Schriftzug, für die Mutterfirma von Ferrari. Alfa Romeo wird auf dem Rennwagen von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen gezeigt, weil Konzernchef  Sergio Marchionne die Mailänder Automarke erstarken lassen will – seit Beginn der Saison 2017 nicht in Form des Logos von Alfa wie zuvor, sondern mit dem kompletten, geschwungenen Schriftzug, samt vierblättrigen Kleeblatts. Das Quadrifoglio wurde 1923 von den Alfa-Mechanikern als Glücksbringer auf die Rennwagen gepinselt – und hat bis heute seine Symbolkraft behalten.

Nun heisst es: Im Rahmen des Abu-Dhabi-GP wolle Sauber endlich verkünden, was mit Ferrari ausgebrütet worden ist. Die Motoren werden angeblich Alfa Romeo heissen, und in den Autos sitzen die Ferrari-Junioren Charles Leclerc aus Monaco und Antonio Giovinazzi aus Italien.

Eine Alternative: 2018 fahren Leclerc und Ericsson, Giovinazzi ist dritter Fahrer und rückt 2019 zum Stammfahrer hoch.

Alfa Romeo zurück in der Formel 1, das wäre nicht nur ein PR-Turbo für den Sauber-Rennstall. Es wäre auch im Sinne der neuen Formel-1-Führung, die weitere Automarken in den GP-Sport bringen will.

Weder Ferrari noch Sauber äussern sich zu den Gerüchten um Alfa Romeo.

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