Niki Lauda über NIKI: «Chancen jetzt gewachsen»

Von Oliver Feldtweg
Formel 1
Der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda

Der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda

​Der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda (68) verhandelt in Frankfurt über den Kauf der insolventen Airline NIKI. Er könnte bis Weihnachten die Start- und Landerechte samt Flugzeugen übernehmen.

Rund 1000 Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz, rund 840 davon in Österreich.

Und ihre Hoffnungen ruhen auf dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda, den Gründer der Airline NIKI, der sie jetzt aus dem Insolvenzverfahren gemeinsam mit dem Reiseanbieter Thomas Cook wieder in seinen Besitz bringen will.

Auch bei den Passagieren herrscht Ungewissheit. 40.000 Tickets haben durch das Grounding über Nacht ihre Gültigkeit verloren. Wer direkt bei NIKI gebucht hat, muss sich keine Hoffnungen auf Rückerstattung machen – wie bei Air Berlin ab August.

Niki Lauda und der britische Reiseveranstalter Thomas Cook hatten ihr Kaufinteresse angemeldet. Aber die Zeit drängt.

«Wenn man in die Insolvenz geht, dann tut man das, weil man überschuldet ist und keine Liquidität mehr hat», erklärte NIKI-Geschäftsführer Oliver Lackmann. «Der Zeitrahmen, um jetzt noch eine Lösung zu finden, dürfte sehr kurz sein.»

Während die unter Personalmangel leidenden Unternehmen AUA und Germanwings bereits Jobangebote für die NIKI-Mitarbeiter machen, fliegt Rennlegende Niki Lauda heute zur Lufthansa nach Frankfurt, um zu verhandeln.

Von der EU-Kommission war zu hören, sie fühle sich an der Situation nicht schuldig. Man habe die Lufthansa gewarnt, dass der Kauf von NIKI (sieb betreibt momentan 21 Flugzeuge) von der Wettbewerbskommission eventuell abgelehnt werde.

Tatsächlich hätte die Lufthansa mit ihren Tochterfirmen AUA, Brussels Airline, SWISS, Germanwings, Eurowings nach der Übernahme von Air Berlin und NIKI auf manchen Flugrouten ein Quasi-Monopol und eine riesige Marktmacht bekommen. Die Flugpreise sind deshalb in den letzten Wochen schon stark gestiegen.

80 Routen wären durch die Übernahme von NIKI betroffen gewesen, auf 50 davon hätte danach kein Wettbewerb mehr bestanden, kritisiert die EU.

Auch der Flughafen Wien war von dieser Marktmacht bedroht. 18,7 Millionen Passagiere sind 2017 bis Ende September über den Flughafen Wien geflogen, 64 Prozent davon flogen mit einer Airline der LH-Gruppe. Air Berlin und NIKI machten insgesamt nur sieben Prozent des Passagieraufkommens aus.

Die NIKI-Flugbegleiter probierten am Dienstag noch neue Uniformen, am Mittwoch wurden sie vom Insolvenzverfahren überrascht.

«Bei mir war die Überraschung groß, als NIKI jetzt in die Insolvenz geschickt wurde. Ich empfinde es moralisch wirklich bedenklich, wenn die Lufthansa, die seit 21. September weiß, dass sie die Airline aus kartellrechtlichen Gründen aus Brüssel nicht kriegen kann, wartet, wartet, verhandelt, und dann kurz vor Weihnachten den Stecker zieht», erklärte Niki Lauda am Donnerstagabend im ZiB2-Studio des ORF. «Die Vorgangsweise der Lufthansa, die viel Geld verdient, gefällt mir nicht. Sie hat gewartet, bis das nächste Jahr kommt, wo im Januar weniger geflogen wird. Und jetzt wissen die ganzen Passagiere nicht, wie sie heimkommen.»

«Ich beginne jetzt mit NIKI-Insolvenzverwalter Lucas Flöther zu reden. Er will den Flugbetrieb der insolventen NIKI noch sieben Tage am Leben halten. Wenn man in diesem Zeitraum NIKI kaufen könnte, das hängt natürlich vom Preis und allen Bedingungen ab, dann sind auch die Start- und Landerechte noch verfügbar. Die braucht man, wenn man nach Frankfurt, Palma oder wo auch immer hinfliegen will», erklärte der 25fache GP-Sieger. «Die Zeit ist jetzt das Problem. Ich werde am Freitag in Frankfurt versuchen, mit dem Insolvenzverwalter zu reden, um zu sehen, wie schnell wir das jetzt über die Bühne kriegen. Ich glaube, dass wird es den Mitarbeitern schuldig sind, dass es schnell geht. Sollte das nicht klappen, kann man es immer noch im Januar machen, dann ist NIKI aber endgültig insolvent. Über die Slots müsste man sich nachher den Kopf zerbrechen.»

Wenn Lauda die Airline in den nächsten Tagen kaufen kann, würde er neben den Start- und Landerechten alle Leasingverträge für die  Flugzeuge, die zuletzt in der Luft waren, übernehmen können und auch die aktuellen Kollektivverträge der Mitarbeiter.

«Das Problem bei NIKI ist, dass die Air Berlin NIKI der deutschen Regierung als Garantie gegeben hat, als sie zur Air Berlin-Rettung 150 Millionen bezahlt hat. Wenn man heute NIKI übernimmt, müsste man der deutschen Regierung die 150 Millionen zurückzahlen. Was logischerweise kein Mensch macht, denn was hat das nach der Insolvenz mit dem neuen Unternehmer zu tun? Die Insolvenz bedeutet ja: Die Schulden der alten Besitzer sind weg. Die NIKI ist jetzt ein weißes Blatt Papier. Jetzt ist die Frage: Wie viele Flugzeuge hat NIKI genau? Diese Frage kann man noch nicht beantworten, weil die Lufthansa die Flieger wieder wegnimmt, die sie selber der NIKI hingestellt hat. Es muss heute in Frankfurt geklärt werden: Was ist von NIKI noch übriggeblieben? Dann kann der Insolvenzverwalter den Preis bestimmen, dann können wir verhandeln.»

Im September lag das Angebot für NIKI von Thomas Cook, Condor und Niki Lauda bei 170 Millionen. Lauda gegenüber dem ORF: «Das war aber das Gesamtkonzept inklusive Air Berlin. Jetzt müssen wir schauen, wie viele Flugzeuge bei NIKI noch dabei sind. Es kann ja sein, dass nur mehr zwei Flieger vorhanden sind. Dann müssten wir die anderen Flieger anderswo beschaffen, das geht auch. Diese Dinge weiß ich bisher nicht, die muss man noch ausdiskutieren, bevor man über den Preis reden kann.»

Lauda hat die NIKI vor ein paar Jahren gemeinsam mit der Air Berlin aufgebaut. «Als ich gesehen habe, wie die Air Berlin fuhrwerkt, habe ich gedacht: Wenn ich da dabeibleibe, reißen wir die NIKI mit hinunter, was ja inzwischen passiert ist. Die Air Berlin hat NIKI damals dringend gebraucht, weil wir keine Verluste gemacht haben, die Air Berlin hingegen schon.»

Lauda weiter: «Ich bin ein Mensch, der immer vom Wettbewerb gelebt hat. Es war klar: In Österreich gibt es außer der Lufthansa-Gruppe keine andere Airline mehr, wenn sie NIKI übernimmt. In Österreich hätte die Lufthansa eine marktbeherrschende Stellung übernommen. Mir war von Anfang an klar, dass dieser Wettbewerb in Brüssel beurteilt wird. Mir hat nicht eingeleuchtet, dass Brüssel so eine Situation durchwinken kann. Denn der Wettbewerb muss bleiben, er macht die Tickets billiger. Seit die Lufthansa durch die Insolvenz der Air Berlin in Deutschland allein fliegt, sind die Ticketpreise um 30 Prozent gestiegen. Ich dachte: Das wird in Österreich nicht passieren. In Brüssel wurde richtig entschieden, es muss Wettbewerb geben. Die Lufthansa darf NIKI nicht übernehmen. Das ist meine Motivation, in Kaufverhandlungen einzutreten.»

Wir hoch ist die Chance, dass Firmengründer Niki Lauda seine Airline wieder übernimmt? «Die Chance ist durch die Insolvenz sehr groß geworden, weil jetzt die ganzen Altlasten wegfallen. Jetzt muss ich schauen, was der Insolvenzverwalter für wie viele Flieger haben will. Aber die Chancen sind jetzt gut gewachsen.»

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