Sebastian Vettel: «Das ist doch kein Kindergarten!»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel nach Rang 3 in Österreich

Sebastian Vettel nach Rang 3 in Österreich

​Und wieder schwenkt das Pendel in die andere Richtung um: Nach dem Ausfall von Lewis Hamilton reist Sebastian Vettel als neuer WM-Leader zum britischen Grand Prix. Aber der Deutsche ist nicht restlos happy.

Haben Sie gewusst, dass das Wort Schadenfreude auch im Englischen exisiert? Ferrari-Star Sebastian Vettel hat das Wort am Sonntagabend nach dem Grossen Preis von Österreich tunlichst vermieden, aber ein wenig davon wird er trotzdem gespürt haben. Nach seiner Strafe – Carlos Sainz aufgehalten, drei Ränge zurück – wurde mit höhnischen Kommentaren bei der Konkurrenz nicht gespart, natürlich immer unter dem Mäntelchen der Verschwiegenheit. Doch auch in der Formel 1 existiert so etwas wie Karma. Und nach der reichen Ernte für Ferrari bei gleichzeitiger Nullnummer von Weltmeister Mercedes ist diese WM wie auf null gestellt: Vettel reist als WM-Leader nach Silverstone, es steht 146:145 gegen Hamilton. In der Markenwertung führt Ferrari gegen Mercedes mit 247:237.

Sebastian Vettel hätte allen Grund zur Freude gehabt, aber da er ein miserabler Schauspieler ist, war ihm eine gewisse Zerknirschtheit anzusehen. «Mich ärgert noch immer die Strafe aus dem Training», meinte Vettel. Seine Rechnung ist einfach: Hätte als als erster Verfolger von Mercedes ins Rennen gehen können, dann hätte er diesen Grand Prix gewinnen müssen.

Eine britische Kollegin will von Vettel wissen: Hätte sie Seb am Samstag die neue WM-Führung angeboten, dazu einen Podestplatz auf dem Red Bull Ring, hätte Sebastian da nicht zugegriffen? «Nein», sagt der Ferrari-Star sofort. «Ich will nicht arrogant klingen, aber du weisst nie, was in einem Rennen auf dich zukommt. Es wäre doch langweilig, wenn ich solch ein Angebot angenommen hätte! Manchmal braucht man auch etwas Glück, und neben gutem Speed hatten wir das auch. Ich bin happy mit dem Podestplatz, aber ich kann nicht verheimlichen, dass ich eben auch bedaure, was am Samstag passiert ist.»

Nach dem Verdikt «drei Ränge zurück» hatte sich Vettel nicht mehr geäussert. Nun tut er es, in aller Deutlichkeit: «Ach, ich könnte jetzt lange darüber reden. Letztlich fahren wir hier Rennen und sind nicht im Kindergarten. Diese ganze Straferei! Die Rennkommissare haben so einen langen Katalog, aber ihnen sind zum Teil auch die Hände gebunden. Ich finde, die Strafe war Quark. Der betroffene Fahrer hat selber gesagt, das war gar kein Ding. Leben und leben lassen! Ich war auch schon auf der anderen Seite. Manch einer hat sich danach beschwert, aber das ganze Gemecker und Gejammer ist doch kein Motorsport. Wir sollten so etwas unter uns Fahrern regeln.»

Zurück zum Rennen. Hand aufs Herz: Wurde darüber diskutiert, ob Räikkönen und Vettel zum Schluss des Rennens den Platz wechseln würden? «Nein, wieso?» fragt Vettel zurück. «Wir wollten ja beide den führenden Verstappen unter Druck setzen. Kimi fuhr so schnell, wie er konnte, ich auch. Wir machten auch Boden gut, aber es reichte eben nicht. Was mich freut: Jeder kann sich an die gravierenden Reifenprobleme erinnern, die wir in Spanien hatten. Das ist heute bei ähnlichen Bedingungen nicht passiert. Wir haben nach dem Rennen von Barcelona hart gearbeitet, um mehr aus den Pirelli rauszuholen. Das haben wir geschafft. Mit den weichen Reifen mehr als fünfzig Runden zu fahren, das war eine Reise ins Unbekannte.»

«Aus strategischer Sicht wüsste ich nicht, was ich Ferrari vorwerfen müsste. Wir haben mehr richtig als falsch gemacht. Aber die drei Ränge zurück wurmen mich trotzdem! Wir hätten gewinnen können.»

«Unser Rennspeed stimmt, das hat der Rennverlauf von Österreich unterstrichen. Im Quali-Trimm hingegen liegen wir derzeit ein wenig zurück, da müssen wir die Ärmel hochkrempeln. In Silverstone waren wir in den letzten Jahren nicht die Besten, daher ist Mercedes für mich für England Favorit.»

Schlussbemerkung des vierfachen Champions: «Die Niederländer haben auf dem Red Bull Ring mal tüchtig vorgelegt, was die Unterstützung für einen Fahrer angeht. Mal sehen, ob die Deutschen das in Hockenheim auch so stimmungsvoll hinkriegen.»

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