Teamchef von Sebastian Vettel: «Soll ich ihn feuern?»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Kimi Räikkönen, Maurizio Arrivabene und Sebastian Vettel

Kimi Räikkönen, Maurizio Arrivabene und Sebastian Vettel

​Kein Rennstall steht unter grösserem Druck als Ferrari. Teamchef Maurizio Arrivabene stellt sich bei Vorwürfen an Sebastian Vettel vor seinen Piloten: «Was wollt ihr von mir, soll ich ihn vielleicht feuern?»

Der langjährige Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone ist davon überzeugt: «Wenn Sergio Marchionne noch am Leben wäre, hätte Ferrari in diesem Jahr möglicherweise den Titel geholt. Er war ein Mensch, der den anderen Respekt eingeflösst hat und dem auch Respekt entgegengebracht wurde. Er hätte dem Team mehr Vertrauen eingeflösst, um ihr Ziel zu erreichen.»

Der langjährige Ferrari-Cheftechniker Ross Brawn, heute Sportchef der Formel 1, hat vergleichbare Worte gewählt: «Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Schock durch den plötzlichen Tod ihres Anführers Sergio Marchionne, der innerhalb des Teams so eine wichtige Bezugsperson war, riesige Folgen hatte. Und das ist völlig nachvollziehbar.»

Ich behaupte: Kein Rennstall steht unter grösserem Erfolgsdruck als Ferrari. Ab und an zeigt sich das auch an den Reaktionen von Teamchef Maurizio Arrivabene. Es war Marchionne, der ihm empfohlen hatte, sich bei den Medienvertretern rar zu machen. Aber der Ferrari-Teamchef kann sich nicht allem entziehen. So musste er bei einer FIA-Konferenz der Teamchefs Rede und Antwort stellen, und mein Kollege Andrew Benson stellte ihn den Raum – die Fehler von Sebastian Vettel haben Ferrari 2018 den Titel gekostet. Wer sich die Grands Prix im Einzelnen anschaut, merkt schnell: Abwegig ist diese Theorie nicht.

Es ist bezeichnend, wie dünnhäutig Maurizio Arrivabene reagierte. «Das ist ihre Meinung», schnappte der Italiener. Andrew liess sich nicht einschüchtern: «Nein, das sind Fakten. Sie können sich die Weltmeisterschaft nochmals ansehen und verfolgen, wie das passiert ist. Ich kann die Rennen nachher mit ihnen durchgehen, aber der Punkt ist doch …»

Arrivabene unterbrach den Journalisten und fragte zurück, was er denn seiner Meinung nach tun solle. Worauf der Engländer meinte, er wolle doch lediglich wissen, wie Maurizios Pläne aussähen, Mercedes eher die Stirn zu bieten. Das reichte Arrivabene. Er sagte: «Was wollt ihr von mir, soll ich ihn vielleicht feuern? Ich gebe Ihnen ja Antwort, aber was Sie sagen, das ist nicht korrekt. Es ist nicht korrekt, weil wir die Saison in guter Form begonnen haben. Dann hat Sebastian Fehler gemacht, wie er selber zugegeben hat. Und von Monza an war unser Wagen nicht schnell genug, das ist auch Fakt. Wenn Sie schon von Fakten reden wollen.»

«Aber ich zeige hier nicht mit dem Finger auf das Team oder einen Fahrer. Wenn wir verlieren, dann verlieren wir zusammen. Wenn wir gewinnen, dann gewinnen wir zusammen. Das ist alles.»

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