Mercedes für Nikita Mazepin: Privat-F1 für Millionär

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Das gibt der Diskussion um Bezahlfahrer in der Formel 1 wieder frischen Schub: Der 19jährige Russe Nikita Mazepin fährt 2019 Privat-Testfahrten mit einem Grand-Prix-Renner von Mercedes.

Erinnern Sie sich noch an die privaten Formel-1-Tests von Lance Stroll? Der Kanadier kam 2017 mit jeder Menge Erfahrungskilometern in den Grand-Prix-Sport. Denn der Spross des milliardenschweren Unternehmers Lawrence Stroll absolvierte auf vielen der aktuellen GP-Strecken in einem Williams FW36 mehrere Privattests. Stroll wurde von einem 20-köpfigen Testteam unterstützt, das bis nach Sepang (Malaysia) oder Austin (Texas) reiste, fünf Mercedes-Techniker kümmerten sich allein um die beiden eigens für diese Tests aufgebauten Motoren. Für Stroll ging es darum, den Sprung von der Formel 3 in die Formel 1 zu schaffen, von 230 PS auf mehr als 900.

Klar rümpften damals viele die Nase: noch ein Bezahlfahrer, klasse. Aber in Wahrheit hat Stroll immer Leistung gebracht – italienischer Formel-4-Titel 2014, Gewinner der Winterserie Toyota Racing Series 2015, F3-Champion 2016. Das alles brachte ihm vor dem Hintergrund des Nachwuchsfahrer-Punktesystems der FIA genügend Zähler ein, um den Formel-1-Führerschein namens Superlizenz zu verdienen.

Jetzt erhalten wir ein Abziehbild vom Vorgehen der Familie Stroll: Der Moskauer Nikita Mazepin wird neben einer kompletten Saison Formel 2 mit einem 2017er Mercedes Privattests fahren, mit dem Rennwagen vom Typ W08 sind zwölf Tage geplant. Mit diesem Auto wurde Lewis Hamilton Weltmeister.

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen dem Jüngling aus Moskau und dem Jüngling aus Montreal: Stroll wurde damals gezielt auf seinen Einsatz bei Williams vorbereitet. Mazepin hingegen wird zwar mit einem Mercedes ausrücken, aber er ist in keiner Weise ins Nachwuchsförderprogramm der Weltmeister integriert – die Junioren von Mercedes-Benz heissen weiterhin Esteban Ocon (derzeit ohne Stammplatz) und George Russell (GP-Neuling bei Williams). Der Franzose und der Engländer werden als Fahrlehrer an den Tests teilnehmen.

Familie Mazepin hat mit dem Plan gewartet, weil in der Formel 1 seit 2017 mit breiteren Reifen gefahren wird. Ein Programm schon 2018 hätte mit einem 2016er GP-Renner gefahren werden müssen, das mit Walzen früherer Dimensionen bestückt gewesen wäre.

Klar gibt das der Diskussion um Bezahlfahrer in der Formel 1 wieder frischen Schub: Stinkreicher Papa kauft seinem Söhnchen einen GP-Renner. Allerdings hat der junge Mazepin 2018 eine sehr gute GP3-Saison gezeigt, er konnte vier Rennen gewinnen und wurde hinter dem Renault-Junioren Anthoine Hubert Gesamtzweiter (mit 198:214 Punkten). Mazepin fuhr im Laufe der vergangenen Jahre acht Tage Tests mit Force India und hat sich dabei keineswegs blamiert.

Lawrence Stroll hat sich inzwischen bei Williams verabschiedet und zusammen mit anderen Investoren im Sommer Force India gekauft. Das wollte auch der Dünger-König Dmitry Mazepin. Doch die britischen Insolvenzverwalter entschieden sich in der Gläubigerschutzphase für Stroll & Co. Worauf das russische Unternehmen Uralkali vor dem High Court in London eine Klage einreichte. Die Russen sind der Meinung, dass die Force-India-Insolvenzverwalter FRP Adivsory LLP unsauber gearbeitet hätten. Im Vorstand von Uralkali: Dmitry Mazepin.

Das kann keiner wegreden: Ohne die Millionen von Papa Lawrence Stroll wäre der Weg von Lance Stroll in die Formel 1 gewiss steiniger geworden. Das Vermögen von Stroll senior wird vom Forbes Magazine auf 2,7 Milliarden geschätzt. Die Förderung seines Sohnes vom Kart bis in den Formel-1-Williams soll den Unternehmer Schätzungen zufolge rund 30 Millionen Dollar gekostet haben, samt der Formel-1-Privattests.

Lance Stroll sieht das ganz pragmatisch: «Zunächst brauchst du jemanden, der dich unterstützt. Die Familie oder ein Sponsor. Das hilft für den Schritt vom Kart in den Rennwagen oder von Kanada nach Europa. Aber dann bist du auf dich alleine gestellt. Geld kauft keine Siege. Egal wie viel Unterstützung du hast, am Lenkrad drehst du selber, aufs Gaspedal trittst nur du. Und wenn du das zu wenig gut machst, dann reicht es nicht. Geld eröffnet Gelegenheiten, einen Sitz in der Formel 4, im Go-Kart, in der Formel 3. Aber du brauchst Ergebnisse, um die Superlizenz zu erlangen. Nur dann darfst du in die Formel 1. Und diese Punkte habe ich mir erkämpft.»

Nikita Mazepin bestreitet 2019 die Formel-2-Saison im Spitzenrennstall ART, an der Seite des Niederländers Nyck de Vries.

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