Formel 1 im Fernsehen: Aus Schaden endlich klüger?

Von Adam Cooper
Formel 1
​Seit Jahren monieren Fans: Der Speed wirkt im Fernsehen eher lahm, die Faszination Geschwindigkeit wird nicht transportiert. Von einem guten Sound ganz zu schweigen. Die Formel-1-Führung will handeln.

Das hören wir von Grand Prix-Fans immer wieder: Sie wissen, dass wir die schnellste Formel 1 aller Zeiten haben, aber bei den TV-Übertragungen geht dieser Speed verloren, die Kameras können nicht richtig einfangen, mit welch gewaltigen Geschwindigkeiten die Autos unterwegs sind. Und ich fange erst gar nicht an, vom Ton zu reden. Dean Locke, Leiter Fernsehen und Medien der Formel 1, hat die Botschaft verstanden: «Wir werden 2019 grosses Gewicht darauf legen, den Formel-1-Anhängern zu zeigen, wie atemberaubend schnell diese Autos fahren.»

«Wir überdenken aus diesem Grund sämtliche Positionen der TV-Kameras. Leute an der Rennstrecke spüren, wie rasant die Autos sind. Blickwinkel und Kameralinsen können das vertuschen, auf einmal wirken diese Geschosse nicht mehr so dramatisch und gar nicht mal so schnell.»

«Also haben wir uns überlegt, was wir hier besser machen können. Wir werden mit mehr Wischeffekten arbeiten, weil das Speed vermittelt. Wir haben erste Versuche in Japan gemacht, und die Rückmeldungen waren sehr positiv.»

Dean Locke weiss: Die Formel 1 kann das Thema Ton nicht totschweigen. «Wir verbessern die Mikros in den Autos und die Mikros, welche die Rennwagen von aussen aufnehmen. Auf einigen Pisten kommt der Ton besser rüber als auf anderen. Ich fand, die Honda-Motoren klangen 2018 schon recht gut. Wir haben da noch einige sehr aufregende Ideen.»

Am Grundproblem können jedoch auch der hellste Techniker und das beste Mikro nichts ändern: Ein 1,6-Liter-V6-Turbo mit Energierückgewinnung am Lader klingt nun mal nicht so spektakulär wie ein hochdrehender 2,4-Liter-V8-Saugmotor.

Dean Locke und seine Fachkräfte wollen die Fans auch mit besseren Grafiken, will heissen: mehr Informationen verwöhnen. «Nehmen wir die Boxenstrategie. Das ist ein komplexes Thema. Die englischen TV-Zuschauer etwa können sich auf ein gutes Kommentatoren-Team verlassen, das den Fans erklärt, wieso ein Pilot ausgerechnet jetzt zum Reifenwechsel hereinkommt oder ein anderer Fahrer länger auf der Bahn bleibt. Aber wir haben 90 Rundfunkveranstalter in 200 Regionen. Bei komplizierten Themen sind nicht alle gleich fit. Also wollen wir dem Fan zeigen, auf welchen Reifen ein GP-Fahrer unterwegs ist und wann er wohl zum Stopp hereinkommen muss. Unsere Aufgabe: Wir müssen das auf eine so einleuchtende Weise erklären, dass jeder Zuschauer das versteht.»

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