Formel 1

Fernando Alonso zu Mick Schumacher: Name wiegt schwer

Von Mathias Brunner - 04.02.2019 14:21

​Der zweifache Weltmeister Fernando Alonso sagt, auf wen er in der kommenden GP-Saison besonders achtet (es ist weder Vettel noch Hamilton), was er Mick Schumacher rät und ob er in die Formel 1 zurückkehrt.

Fernando Alonso hat einen weiteren Rennklassiker abgehakt: Zusammen mit Kamui Kobayashi, Renger van der Zande und Jordan Taylor hat er mit einem Cadillac DPi von Wayne Taylor Racing bei den 24 Stunden von Daytona in Florida triumphiert. Im Rahmen seines Engagements in Amerika hat er sich mit meinem Kollegen Giorgio Terruzzi vom Corriere della Sera zusammengesetzt. Das nächste grosse Ziel des 32fachen GP-Siegers: Beim Indy 500 gewinnen. Fernando meint: «Indy ist etwas Roulette – Glück, Zwischenfälle, Crashes. Viele Fahrer haben dort triumphiert, nachdem sie glaubten, das Rennen sei schon verloren. Das Umgekehrte ist auch passiert. Indy erfordert Zeit und Geduld.»

Erstmals seit 2001 steht beim Formel-1-Saisonbeginn Fernando Alonso nicht am Start. Und er wird auch kaum in Australien auftauchen. «Ich werde wohl eher auf dem Rückweg aus Sebring sein, von einem weiteren Rennklassiker, den ich gerne gewinnen würde. Aber natürlich werde ich die Formel 1 verfolgen, ich liebe sie noch immer.»

Der Weltmeister von 2005 und 2005 empfindet keine Reue, wenn er auf seine GP-Karriere zurückblickt: «Generell schaue ich selten zurück. Ich sehe mich als sehr glücklichen Menschen. Denn ich kenne überaus begabte Rennfahrer, die nie in die Nähe eines Formel-1-Autos gekommen sind, die nie eine Chance erhalten haben, meist wegen mangelnder Unterstützung. Hätte es besser laufen können? Vielleicht. Habe ich Pech gehabt? Ein paar Mal. Ich bin manchmal in Autos gesessen, die zu wenig konkurrenzfähig waren. Ich habe Fehler gemacht. McLaren Ende 2007 zu verlassen, war ein Fehler. Zu denken, dass Honda bei der Formel-1-Rückkehr stark sein würde, war ein Fehler. Am höchsten stufe ich mein Engagement bei Ferrari ein. Ich habe sie verlassen mit zwei zweiten WM-Schlussrängen im Gepäck. Darüber sind die Italiener seither nicht hinausgekommen.

Auf wen achtet Alonso 2019 besonders? «Auf Robert Kubica. Seine Geschichte ist aussergewöhnlich. Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als würde er nie wieder einen Grand Prix fahren. Er hat nichts zu verlieren, und ich werde jeden seiner Schritte beobachten. Ich achte auch auf Charles Leclerc bei Ferrari. Er ist jung, intelligent, begabt. Ich bin neugierig darauf zu sehen, ob der Erfolgszyklus von Mercedes zu Ende geht. Es fühlt sich jedenfalls so an.»

Über Mick Schumacher meint Fernando Alonso: «Es ist nicht leicht, das Gewicht dieses Namens zu tragen. Er soll in Ruhe zunächst laufen lernen, bevor er rennt. Einfach wird das nicht für ihn.»

Über die Beförderung von Mattia Binotto zum Ferrari-Teamchef sagt der Spanier: «Das halte ich für eine gute Sache. Er hat Leader-Qualität bewiesen, er führt die Technikabteilung mit sicherer Hand. Ich bin überzeugt, dass er alles dafür tun wird, dass Ferrari noch stärker wird.»

Flavio Briatore hat festgehalten: «Fernando Alonso wäre mit dem 2018er Ferrari Weltmeister geworden.» Der Asturier selber sagt: «Eine schwierige Aussage. Wer vorne ist, hat immer alles zu verlieren. Und wir alle machen Fehler. Vettel ist ein grosser Champion, er hat sich bis zuletzt zur Wehr gesetzt. Als er vier Titel in Serie holte, bezeichneten ihn alle als Phänomen. Das Gleiche machen sie nun mit Lewis und seinen fünf Titeln. Die Wahrheit ist – unter solchem Erfolgsdruck abliefern zu müssen, ist immer ganz schwierig.»

Die Mutter aller Fragen der Alonso-Fans: Kehrt er in die Formel 1 zurück? Fernando: «Ich habe immer „auf Wiedersehen“ gesagt. Im Moment habe ich andere Aufgaben, in Serien, wo ich gewinnen kann. Das war in der Formel 1 nicht mehr möglich. Ich habe keine Pläne für 2020. Aber klar wäre ein dritter WM-Titel die Krönung.»

Hat Alonso das Gefühl, dass ihm die Jahre durch die Finger rinnen? «Aber wo. Schumacher ist mit 43 Jahren noch gefahren. Wenn du dich gut fühlst, brauchst du nicht aufs Alter zu schielen. Ans Aufhören musst du erst denken, wenn du nicht mehr mithalten kannst. Aber das kann dir immer passieren, ob mit 25 oder 48 Jahren.»

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