Charles Leclerc, Ferrari: Reaktion rein nach Instinkt

Von Mathias Brunner
Formel 1
Charles Leclerc, der Mann der Stunde

Charles Leclerc, der Mann der Stunde

​Charles Leclerc verblüfft weiter: Dritte Pole-Position in Folge, nach Belgien und Italien jetzt auch in Singapur. Der 21-Jährige will jetzt den dritten Sieg in Folge einfahren und einen Rekord einstellen.

Charles Leclerc scheint derzeit unschlagbar zu sein: Pole-Position und Sieg in Spa-Francorchamps, Pole-Position und Sieg in Monza, Pole-Position nun auch in den Strassen von Singapur ¬¬– das ist eine sehr gute Ausgangslage, um den dritten Sieg in Folge einzufahren. Damit würde der 21-Jährige einen Formel-1-Rekord einstellen.

Es gibt bislang lediglich zwei Fahrer, die nach ihrem ersten Sieg in der Formel 1 gleich zwei Mal nachgelegt haben, also drei Mal in Serie gewinnen konnten – Damon Hill und Mika Häkkinen. Aber nur Hill gelang das in der gleichen Saison.

Der Engländer lacht in der Nacht von Singapur: «Wenn Charles das gelingt, dann lade ich ihn zu einem Abendssen ein, und ich werde Mika dazu holen.»

Hill eroberte im Williams 1993 in Ungarn seinen ersten Formel-1-Triumph, dann gewann er munter weiter, in Belgien und auch in Italien.

Mika Häkkinen eroberte den ersten Sieg beim WM-Finale von 1997 in Jerez (jenes Rennen, in welchem Michael Schumacher vergeblich versuchte, Jacques Villeneuve von der Bahn zu räumen), dann gewann der Finne auch in Australien und Brasilien 1998.

Wir haben E-mails erhalten mit der Frage: Wann gab es letztmals drei Pole-Positions des gleichen Piloten?

Antwort: Ist gar nicht lange her. Valtteri Bottas stand in dieser Saison drei Mal hintereinander auf Pole, in Shanghai, Baku und Barcelona. Vor Bottas gelang das – nein, nicht Lewis Hamilton – Sebastian Vettel, in Bahrain, China und Aserbaidschan 2018.

Drei Pole-Positions in Folge, das ist eine feine Leistung von Charles Leclerc, aber von der Formel-1-Bestmarke ist der Monegasse meilenweit entfernt. Die hält Ayrton Senna mit acht Poles in Folge, von Spanien 1988 bis USA 1989.

Die erfolgreichreichsten Wiederholungstäter und ihre besten Serien:

Ayrton Senna 8 (Spanien 1988 bis USA 1989)
Alain Prost 7 (Südafrika bis Kanada 1993)
Michael Schumacher 7 (Italien 2000 bis Brasilien 2001)
Lewis Hamilton 7 (Monaco bis Italien 2015)
Niki Lauda 6 (Niederlande bis Italien 1974)
Nigel Mansell 6 (Südafrika bis Monaco 1992)
Mika Häkkinen 6 (Grossbritannien bis Italien 1999)
Nico Rosberg 6 (Japan bis Abu Dhabi 2015)
Stirling Moss 5 (Portugal 1959 bis Monaco 1960)
Phil Hill 5 (Niederlande bis Deutschland 1961)
Jacques Villeneuve 5 (Japan 1996 bis San Marino 1997)
Juan Pablo Montoya 5 (Monaco bis Frankreich 2002)
Fernando Alonso 5 (Europa bis Kanada 2006)
Sebastian Vettel 5 (Abu Dhabi 2010 bis Türkei 2011 sowie Ungarn bis Japan 2011)

Leclerc hat in Singapur über sich selber gestaunt: «Es gab Momente auf meiner Pole-Runde, da habe ich nicht daran geglaubt, dass ich sie zu Ende fahren würde. Ich habe einige Fehler gemacht, jeder davon hätte die Runde beenden können. Zwei Mal dachte ich: ‘Jetzt ist alles aus, ich liege gleich in der Mauer!’ Aber irgendwie konnte ich den Wagen retten. Wie ich das geschafft habe? Ich weiss es selber nicht. Ich schätze, du reagierst in solchen Momenten nur noch nach Instinkt.»

«Ich war baff, wie wenig Zeit meine Patzer gekostet haben, vor allem die Fehler in den Kurven 3 und 11. Meine Pole-Runde war ziemlich heftig, aber es hat gereicht. Ich könnte nicht glücklicher sein.»


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