Formel 1

Ross Brawn über Ferrari: «Lauter verpasste Chancen»

Von - 03.12.2019 19:45

​Niemand muss Ross Brawn erklärten, wie die Menschen in Maranello ticken: Der Engländer war zehn Jahre lang Technik- und Teamchef von Ferrari. Der heutige Sportchef spricht über die GP-Saison 2019 der Roten.

Die Tifosi müssen einmal mehr vertröstet werden: Seit 2007 und Kimi Räikkönen hat es keinen Fahrer-WM-Titel mehr gegeben für das berühmteste aller Formel-1-Teams, seit elf Jahren sind die Italiener ohne Konstrukteurs-Pokal. F1-Sportchef Ross Brawn, von 1997 bis 2006 Technik-, dann Teamchef von Ferrari, bringt das sehr schön auf den Punkt: «Man hätte gewiss von Ferrari mehr erwarten dürfen, sie hatten eine Saison voller Höhen und Tiefen.»

«Beim Wintertest in Spanien sah alles so vielversprechend aus, aber im Frühling verschwand der Optimismus und machte Enttäuschung Platz. Letztlich ist die WM-Saison von Ferrari eine Ansammlung von lauter verpassten Chancen», findet Brawn in seiner Nachbesprechnung des Abu Dhabi-GP.

«Im ersten Saisonteil dominierte Mercedes, nach der Sommerpause aber erlebten wir ein anderes Ferrari, mit sechs aufeinanderfolgenden Pole-Positions von Belgien bis Mexiko. Ferrari gewann auch drei Mal in Folge, mit dem Triumph von Charles Leclerc in Monza als Highlight. Nach diesem Sommerhoch folgten wieder eher schwierige Rennen, so wie nun beim Finale von Abu Dhabi.»

«In seinem ersten Jahr als Ferrari-Teamchef hat Mattia Binotto eine richtige Feuertaufe erhalten. Ich schätze, es gibt in der Formel 1 keinen Rennstallchef, der mehr unter Druck steht. Ich bin aber davon überzeugt, dass er als Führungspersönlichkeit und Techniker alle Fähigkeiten mitbringt, um Ferrari Richtung WM-Titel zu bringen.»

«Der positivste Aspekt von Ferrari heisst Charles Leclerc. In seinem zweiten Formel-1-Jahr ist er sieben Mal von Pole-Position ins Rennen gegangen, öfter als jeder andere Pilot, er hat zehn Podestränge eingefahren und zwei Mal gewonnen. Über seine Begabung brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Es scheint seine Bestimmung zu sein, einer der Stars der kommenden Dekade zu werden.»

«Gewiss, es gibt Raum für Verbesserung. Was nur normal ist im zweiten Jahr einer GP-Karriere. Doch Charles hat es geschafft, einen vierfachen Weltmeister wie Sebastian Vettel in Bedrängnis zu bringen. Ich bin sicher, Seb erinnert sich an 2014, als das Gleiche bei Red Bull Racing passierte, mit dem jungen Daniel Ricciardo.»

«Damals hatte Vettel nach einem Jahr genug gesehen und wechselte zu Ferrari. Dieses Mal wird er das nicht machen, ihm steht 2020 ein weiteres Duell mit Leclerc bevor. Das ist für beide Fahrer eine interessante Aufgabe, und Mattia Binotto wird die beiden Ausnahmekönner sehr behutsam führen müssen, um die Bedürfnisse von Ferrari zu erfüllen.»

«Aber die grösste Aufgabe von allen wird darin bestehen, Vettel und Leclerc ein konkurrenzfähiges Auto zu geben, auf jeder Art von Rennstrecke. Darüber hinaus muss Ferrari Probleme mit der Standfestigkeit in den Griff bekommen.»


Adresse dieses Artikels:

© SPEEDWEEK.COM
Charles Leclerc und Sebastian Vettel © LAT Charles Leclerc und Sebastian Vettel Ross Brawn mit Charles Leclerc © LAT Ross Brawn mit Charles Leclerc

siehe auch

Formel 1

Mattia Binotto (Ferrari): Hamilton erhältlich? Prima!

Formel 1

Flavio Briatore: «Ferrari hat bereits einen Hamilton»

Formel 1

Sebastian Vettel (Ferrari/2.): «Viele Eindrücke»

Formel 1

Valtteri Bottas (Mercedes/1.): Grundlagenarbeit 2020

Formel 1

Esteban Ocon (Renault): «Mehr Platz als im Mercedes»

Formel 1

Ross Brawn: «Nico Hülkenberg strebt Comeback an»

Formel 1

Abu Dhabi-Test: Bottas Schnellster, Ärger für Vettel

Formel 1

Jacques Villeneuve: «Das hat Ferrari nur geschadet»

Formel 1

DHL-Trophäen für Lewis Hamilton und Red Bull Racing

Formel 1

Ross Brawn: Verstappen ist jetzt für Hamilton bereit

Formel 1

Abu Dhabi-Test: 11 Pirelli-Mischungen, Bottas vorne

Formel 1

Formel auf auf RTL und Sky: Quoten-Achterbahn

Formel 1

Pirelli-Test in Abu Dhabi: Ocon im Renault, Bottas 1.

Formel 1

Sebastian Vettel: Hamilton ist bereits Ferrari-Fahrer

Formel 1

Champion Lewis Hamilton: Fahrunterricht für Gegner

Formel 1

Pierre Gasly (Toro Rosso-Honda): Ohrfeige für Stroll

Formel 1

Toto Wolff (Mercedes): Hamilton bleibt zu 75 Prozent

Formel 1

Carlos Sainz (McLaren) WM-6.: «Habt ihr das gesehen?»

Formel 1

Robert Kubica: «Das war doch keine Formel 1»

Formel 1

Lando Norris (McLaren): «Das war einfach Scheisse»

Formel 1

Kreisliga statt Königsklasse: Formel 1 blamiert sich

Formel 1

Strafe für Ferrari: Wieso war die FIA so milde?

Formel 1

Sebastian Vettel: «Wir sind ja hier in der Kreisliga»

Formel 1

Ferrari atmet auf: Leclerc bleibt in Abu Dhabi 3.!

Formel 1

Domingos Piedade verstorben, die Formel 1 trauert

Formel 1

Abu Dhabi-GP: Lewis Hamilton siegt beim Saisonfinale!

Formel 1

Mercedes: Lewis Hamilton raus, George Russell rein

Formel 1

Fernando Alonso: Das sind seine Pläne für 2020/2021

Formel 1

Schumacher-Ferrari: 5,9 Millionen Dollar in Abu Dhabi

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Jorge Lorenzo: Das Ende einer großen Karriere

Von Günther Wiesinger
Viele alte Weggefährten umarmten Jorge Lorenzo heute nach seiner Rücktritts-Pressekonferenz. SPEEDWEEK.com blickt auf die außergewöhnliche Karriere des Spaniers zurück.
» weiterlesen
 

TV-Programm

Do. 12.12., 17:35, SPORT1+
SPORT1 News
Do. 12.12., 18:15, SPORT1+
SPORT1 News
Do. 12.12., 19:00, Sport1
SPORT1 News Live
Do. 12.12., 19:15, ServusTV Österreich
Servus Sport aktuell
Do. 12.12., 19:35, Motorvision TV
Formula Drift Championship
Do. 12.12., 21:45, Hamburg 1
car port
Do. 12.12., 21:50, SPORT1+
SPORT1 News
Do. 12.12., 23:45, Hamburg 1
car port
Fr. 13.12., 00:00, Anixe HD
Anixe Motor-Magazin
Fr. 13.12., 01:15, Hamburg 1
car port
» zum TV-Programm