Jos Verstappen: So sieht er die Saison 2019 von Max

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Jos Verstappen ist selber Grands Prix gefahren, heute steht er in der Box und guckt seinem Sohn Max über die Schulter. Der 47jährige Niederländer bewertet die Formel-1-Saison 2019 seines Jungen.

Max Verstappen hat die Saison 2019 mit Stil abgeschlossen: Rang 2 hinter Lewis Hamilton, damit dritter WM-Schlussrang. Am Dienstagabend hat sich der 22-Jährige mit Handschlag bei allen Team-Mitgliedern von Red Bull Racing-Honda verabschiedet, nun freut er sich auf die Winterpause. Verstappen hat auch 2019 seine Fans von den Sitzen gerissen – mit Überholmanövern an Stellen, wo andere Piloten nicht mal an eine Attacke denken würden. Wie kommt das eigentlich?

Sein Vater Jos Verstappen hat mir einmal erzählt: «Überholen war für mich ein riesiges Thema, als Max im Kart sass, denn man kann meiner Meinung nach auch falsch überholen. Wenn er bei einem Überholmanöver Zeit verloren hat, dann versuchte ich, ihn zu erklären, wie er das besser machen kann. ‘Wenn du Zeit auf der Bahn liegen lässt, dann hast du das nicht richtig gemacht.’ Max hat sich das verinnerlicht.»

«Das ging so weit, dass ich ihm verboten habe, auf den Geraden anzugreifen oder an Stellen, die mir zu einfach vorkamen. Ich habe ihm gesagt: ‘Du darfst nur hier, hier und auch da attackieren, sonst nicht.’ Und das waren eben Kurven, wo die Anderen vielleicht nicht angreifen. Das ist einer der Gründe, wieso wir heute in der Formel 1 den Eindruck haben, Max könne überall überholen. Ein Überholmanöver ist kein Produkt des Zufalls. Ein Pilot muss den Gegner scharf beobachten, seine Schwächen ausspionieren und sich den Rivalen richtiggehend zurechtlegen. Max hat das im Kartsport jahrelang trainiert. Und das zahlt sich heute aus.»

Bei den Kollegen von ZiggoSport hat der 47jährige Jos auf die erstklassige Saison seines Sohnes zurückgeblickt. Jos meint: «Er bekommt von mir die Höchstnote. Und ich gehe mit Lob nicht verschwenderisch um. Max bekommt von mir deshalb die Höchstnote, weil er in diesem Jahr keinen besseren WM-Schlussrang hätte erreichen können.»

Max stand 2019 neun Mal auf dem Siegerpodest – er erhöhte seine GP-Siegerbilanz auf acht, mit Triumphen in Österreich, Deutschland und Brasilien. Jos: «Österreich war der bewegendste Sieg, weil er für Red Bull und Honda so wichtig war. Es war das Heimrennen von Red Bull auf der eigenen Rennstrecke, 20.000 Fans sassen in Orange auf den Tribünen. Und es war der erste Sieg von Red Bull Racing mit Honda, was für ein Tag!»

«Klar habe ich mich auch darüber gefreut, dass Max in Ungarn seine erste Pole-Position herausfahren konnte und auch in den Abschlusstrainings von Mexiko und Brasilien der schnellste Mann war. Die Faustregel ist einfach – je weiter vorne zu losfahren kannst, desto grösser ist deine Siegchance. Aber ein Sieg löst andere Emotionen aus.»

«Red Bull Racing-Honda wird stärker und stärker. Abu Dhabi war ein gutes Beispiel. Das ist keine ideale Rennstrecke für den RB15, und dennoch war Max nur 36 Hundertstelsekunden langsamer als Hamilton. Und wenn seine letzte Runde perfekt gewesen wäre, so wären es sogar nur zwei Zehntel gewesen. Das alles zeigt, welche Fortschritte erzielt worden sind.»

Was bedeutet das alles für die Saison 2020? Jos Verstappen: «Wir müssen abwarten. Red Bull Racing und Honda sind zuversichtlich, aber das sind Ferrari und Mercedes auch. Wichtig wird sein, dass der 2020er Renner vom ersten Grand Prix an konkurrenzfähig ist. Wir haben ein stabiles Reglement, also muss das machbar sein.»

Die Saison von Max Verstappen

Australien: 3.
Bahrain: 4.
China: 4.
Aserbaidschan: 4.
Spanien: 3.
Monaco: 4.
Kanada: 5.
Frankreich: 4.
Österreich: 1.
Grossbritannien: 5.
Deutschland: 1.
Ungarn: 2.
Belgien: Ausfall
Italien: 8.
Singapur: 3.
Russland: 4.
Japan: Ausfall
Mexiko: 6.
USA: 3.
Brasilien: 1.
Abu Dhabi: 2.
WM-Dritter mit 278 Punkten

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