Jenson Button: McLarens starker Mann

Von Peter Hesseler
Formel 1
Button mit Partnerin Jessica Michibata

Button mit Partnerin Jessica Michibata

Weltmeister-Serie Teil 12: Am britischen Weltmeister von 2009 hängen jetzt die Hoffnungen des Dream-Teams.

Mit Jenson Button als Speerspitze – und dem jungen Sergio Pérez – als Hamilton-Ersatz will McLaren 2013 seine Position als Spitzenteam behaupten, festigen, oder neu aufbauen. Das Team ist seit 2008 ohne Fahrertitel. Damals triumphierte Lewis Hamilton. Der ist jetzt weg, bei Mercedes.

«Wir sind in den Cockpits genauso gut besetzt wie zuletzt», sagt Sportchef Sam Michael trotzig. Das klingt verdächtig nach dem berühmten Pfeifen im Walde. Und man hört es auffallend früh.

Denn wahr ist: Hamilton ist nicht zu ersetzen, ausser durch Hamilton, oder durch Fernando Alonso, oder durch Sebastian Vettel. Und vielleicht durch Kimi Räikkönen.

Das ist die gängige Experten-Meinung. Arbeiten bei McLaren kein Experten?

Doch, doch. Nur sind McLaren-Angestellte in höherem Masse gleichzeitig immer auch Marketing-Experten. Nichts um alles in der Welt darf im Lager der Chrompfeile – nach aussen hin – wie eine Schwäche wirken. Und wir sind sehr gespannt, wie das Team seine neue Situation auf der Strecke der Gestalt zu kaschieren gedenkt, dass der Hamilton-Verlust wie eine Stärke wirkt.

Hamilton ist eine Grösse in der Formel 1», sagt Button. «Ein Weltmeister mit 21 Siegen und 26 Pole-positionen. Es wird sehr schwer, ihn zu ersetzen.»

Button weiss, gegen wen er drei Jahre lang gekämpft hat. Und am Ende verlor. Er wurde WM-Fünfter, Hamilton WM–Vierter.

Warum Jenson seinen Teampartner 2012 nicht biegen konnte (3:17 nach Qualifikationen), weiss er selbst  nicht. Im Sommer hatte er einen Durchhänger seltenen Ausmasses. «Da haben wir lange gebraucht, um die Arbeitsweise der Reifen zu verstehen.» Auf Hamilton trifft das nicht zu…oder es war ihm einerlei.

Button weiss, dass das Wohl und Wehe seines Teams, denn das ist es jetzt, vor allem an ihm hängen wird. Der neue Beifahrer, Sergio Pérez, «ist schnell, aber niemand weiss, wie er unter dem Druck bei McLaren zurecht kommen wird», so Button.

«Die Pérez-Verpflichtung ist ein Risiko», sagt Teamchef Martin Whitmarsh.

Pérez bringt drei Podeste mit, keinen Sieg, und jede Menge fehlende Erfahrung. Den 22-jährigen Mexikaner lässt das kalt: «Ich will gleich im ersten Jahr mit McLaren Weltmeister werden», sagt der ehemalige Sauber-Pilot.

«Jetzt ist es an Button, eine Schippe drauf zu legen», sagt der ehemalige McLaren-Pilot David Coulthard. «Das Team muss sich jetzt an ihm hochziehen.»

Das darf man wörtlich nehmen, denn der letzte Titelgewinn in der Konstrukteurswertung  datiert von 1998. McLaren war seit 14 Jahren nicht mehr das beste Team. Dass ein derart eingespieltes Team sich fünf Getriebeschäden leistet, wie 2012, ist nicht mehr zeitgemäss.

Auf Button kommt also einiges zu. Er wird in zwei Wochen 33. Das bedeutet: Er hat noch drei bis fünf Jahre auf höchstem Niveau vor sich. Denn er ist vom Naturell her erstens jemand, der sich nur langsam verbraucht. Zweitens hält er sich durch Triathlonwettbewerbe ultra-fit. Drittens hat er gelernt, effektiv und effizient für seine Ziele zu arbeiten. Button verschwendet keine Energien durch unnötige Reibung. Er ist das Öl in diesem Team.

Es hat sich längst um ihn herum formiert, obwohl er langsamer war (und ist) als Hamilton. Als Lewis in Japan seinen Abschied feiern wollte, hatte die gesamte Rennmannschaft schon eine Einladung von Jenson angenommen. Die Terminkollision war kein Böse Absicht, aber die Episode zeigte exemplarisch, welchem Fahrer McLaren folgen wollte.

Dass der Weggang Hamiltons trotzdem schmerzt, bewies Konzern-Teilhaber Ron Dennis in den USA höchstpersönlich. Er blieb Hamiltons Abschiedsfeier, die dann doch noch in edlem Rahmen auf einer Hotel-Terrasse in Austin stattfand,  mit dem Hinweis auf Sponsoren-Verpflichtungen fern. Ausgerechnet Dennis, der ehemalige Ziehvater Hamiltons.

Button muss jetzt seine Rolle und die Hamiltons gleich mit ausfüllen, also konstant schnell sein und zugleich das Team führen. «Er kann das leisten. In einem guten Auto ist er kaum zu schlagen», weiss Marc Surer.

McLaren ist am Zug.

Ende der Weltmeister-Serie.

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