Nico Rosberg & Lewis Hamilton: Mercedes unparteiisch

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nico Rosberg vor Lewis Hamilton in Silverstone

Nico Rosberg vor Lewis Hamilton in Silverstone

Nach einer halben Saison ist das WM-Titelduell zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton praktisch auf null gestellt. Damit steckt Mercedes mitten in einem besonders heissen Sommer.

Im WM-Duell zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton können Nuancen entscheiden. Die Mercedes-Strategen sind klug genug zu verstehen: wann immer auch nur ein Hauch von Bevorzugung in der Luft liegt, ist Ärger programmiert. Wenn Nico bevorteilt zu sein scheint, regen sich die Briten auf. Wenn Lewis von Mercedes scheinbar mit der besseren Taktik antritt, ist Stunk in Deutschland angesagt.

Unter Deutschen wird gemutmasst, Mercedes sei Hamilton als Champion lieber, weil der Brite weltweit mehr Magnetkraft habe und daher aus Marketing-Sicht wertvoller sei, zudem von Niki Lauda ins Team geholt worden ist. Unter den Briten wird gemunkelt, ein Deutscher als Weltmeister im Silberpfeil würde Mercedes-Chef Dieter Zetsche besser taugen.

In Wahrheit bemühen sich Teamchef Toto Wolff und Niki Lauda (Aufsichtsratschef des Formel-1-Rennstalls) nach bestem Wissen und Gewissen um Chancengleichheit. Und die zu erreichen, das ist gar nicht so einfach, gerade was Reifenwahl und Boxenstopps angeht.

Prinzipiell gilt: Der vorne liegende Mann darf in einem Rennen als Erster zum Boxenstopp hereinkommen. Das muss jedoch nicht immer die siegbringende Taktik sein. Beim ersten Stopp des Rivalen länger draussen zu bleiben, nunmehr mit freier Fahrt einige schnelle Runden fahren, das kann durchaus – nach dem eigenen Stopp – die Führung bedeuten.

Zudem haben die Piloten die Möglichkeit, bei einem Zweistopprennen mit den Reifensätzen zu spielen: Weich-härter-härter? Oder weich-hart-weich? Oder weich-weich-hart? Das ist oft nicht in Stein gemeisselt und kann sich im Rennen ändern.

In England zuletzt war Nico auf eine Defensivtaktik ausgelegt, er sollte zum Schluss mit der harten Mischung unterwegs sein. Lewis hingegen hatte den Plan, zum Schluss mit der weicheren Mischung zu fahren.

In Bahrain, beim atemraubenden Finale zwischen Hamilton und Rosberg, war es umgekehrt: da war Nico zum Schluss dank der weicheren Reifen eigentlich der schnellere Mann, kam aber nicht an Leader Hamilton vorbei.

Im Silverstone kam es nicht zum Showdown: das Getriebe in Nico Rosbergs Wagen spielte nicht mit. Es ist ohnehin nicht klar, wie das Duell ausgegangen wäre. Denn die Pirelli-Reifen benahmen sich viel manierlicher als erwartet, um genau zu sein, lag der Verschleiss um 50 Prozent unter den zuvor berechneten Werten!

Was Mercedes künftig nicht sehen will, eben um die Chancengleichheit zu wahren: dass ein Fahrer von einer Zweistopp-Taktik auf einen Einstopper umstellt. Das wäre in England für Hamilton leicht möglich gewesen. Der Brite deponierte denn auch über Funk, dass seine Reifen prima im Schuss seien.

Für Rosberg jedoch wäre das nicht gegangen. Denn eine Regel schreibt vor, dass ein Pilot im Rennen jede der beiden Mischungen mindestens einmal benutzen muss. Rosberg hatte von der mittleren auf die mittlere Mischung gewechselt, hätte also (ohne Defekt) so oder so nochmal hereinkommen müssen. Hamilton nicht.

Das ist nur eine Facette im faszinierenden WM-Duell der beiden Silberpfeil-Fahrer.

Fortsetzung: am nächsten Sonntag in Hockenheim.

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