Ferrari: Neuer Motor von Vettel und Räikkönen läuft

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel freut sich auf den neuen Ferrari so wie vor seinem ersten Test in Rot

Sebastian Vettel freut sich auf den neuen Ferrari so wie vor seinem ersten Test in Rot

​Immer ein spannender Moment in einem Formel-1-Werk: Zum ersten Mal wird der Motor im neuen Rennwagen angelassen. Der V6-Turbo von Vettel und Räikkönen läuft.

Es klingt banal, wenn ein Formel-1-Motor angelassen wird, aber das so genannte Fire-up ist alles andere als selbstverständlich und unter den Mitarbeitern immer ein emotionaler Moment: Das erste Anlassen des Motors im Wagen gilt als erster Funktionstest, und bei so manchem Fire-up gab es für die Techniker und Mechaniker eine erste, unliebsame Überraschung. Im schlimmsten Fall passiert beim Fire-up – überhaupt nichts.

Nicht so gestern in Maranello: Der 2016er Motor (Typ 059/5) im neuen Ferrari für Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen (interne Fahrzeugkennzahl 667) ist beim ersten Versuch angesprungen, wie die Kollegen der italienischen motorsport.com berichten. Ein gutes Zeichen.

Weil sich viele Fans über den faden Sound beschwert hatten, haben die Regelhüter der FIA zur Saison 2016 hin reagiert: Es gibt nicht mehr nur ein Endrohr wie bisher, sondern die Motoren dürfen mit bis zu zwei zusätzlichen Ausgängen versehen werden – wobei diese Rohre direkt im Bereich des Wastegate-Ventils beginnen und von dort nach hinten führen müssen. Das Wastegate (zwischen Lader und Auspuffkrümmern) tritt dann in Funktion, wenn der Lader weniger stark vom Abgassstrom beschleunigt werden soll. Die Abgase werden abgeleitet und fliessen – ohne Umweg durch den Lader – in die neuen Ausgangsrohre. Das erhöht die Lautstärke.
Aus Ferrari-Kreisen sickert durch: Dieses Ziel ist erreicht worden, der Sound soll nun eher nach Formel 1 klingen.

Derzeit wird der Wagen weiter aufgebaut, im Internet der Öffentlichkeit präsentiert (dann wird auch enthüllt, wie das 2016er Auto heisst), danach werden auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya am 21. Februar die ersten Meter auf der Rennstrecke zurückgelegt, einen Tag vor Beginn der Wintertestfahrten.

Das plangemässe Fire-up widerlegt Gerüchte, wonach es Verzögerungen beim 2016er Rennwagen von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen gegeben habe. Diese Gerüchte basierten auf Aussagen des Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne, der gesagt hatte: «Wir haben einige Entwicklungen für das 2016er Auto verzögert, um die Entwicklung des 2015er Fahrzeugs weiter voran zu treiben.» Daraus schlossen besonders Schlaue, dass Ferrari im Hintertreffen sei.

Marchionne – und das wurde beim Weiterverbreiten unterschlagen – sagte aber auch: «Wir haben Zeit genug und auch die angemessenen finanziellen Möglichkeiten, um das 2016er Auto so konkurrenzfähig wie möglich zu gestalten.»

Gerüchte, wonach Ferrari verspätet sei, tauchten dann erneut auf, als davon die Red war, dass der berühmteste Rennstall der Welt in aller Wahrscheinlichkeit auf eine klassische Präsentation in Maranello verzichtet.

Aber das muss ein Anlass für Verzögerung sein. Wie im vergangenen Jahr will Ferrari einfach bis zur letzten Minute arbeiten, bevor es am 22. Februar zum ersten Wintertest nach Barcelona geht. Das ist nicht gleichbedeutend mit Verzug.

Um genau zu sein, hat Ferrari gemäss Technikchef James Allison die Arbeit an einem Wagen noch nie so früh begonnen wie für den 2016er Ferrari. Das Entwicklungs-Team arbeitete teilweise getrennt von den Ingenieuren des 2015er Modells. Letztlich sind also die Geschichten um eine Verzögerung bei Ferrari unzutreffend.

Was wir aus Maranallo bereits wissen, ohne den kompletten Wagen gesehen zu haben: Nach vier Jahren einer Vorderradaufhängung nach Zugstrebenprinzip (pull rod) kehrt Ferrari zu jener Schubstrebenlösung zurück (push rod), welche von allen anderen Rennställen verwendet wird. In Italien wird gemutmasst, das grösste Problem des 2015er Ferrari sei eine Altlast gewesen – jene Zugstreben-Vorderradaufhängung, die auf dem Mist des inzwischen entlassenen Designers Nicholas Tombazis gewachsen sei.

James Allison hat im Frühling bestätigt, dass Ferrari an einer kurzen Fahrzeugnase arbeite, so wie sie Mercedes 2014 und 2015 einsetzte. Aber eingeführt wurde sie nie. Das ändert sich 2016. Die kurze Nase aus Maranello kommt.

Ferner versucht Allison gemäss der Vorgabe von Mercedes-Benz, die Antriebseinheit noch besser ins Chassis zu integrieren. Die grossen Themen sind hier thermische Effizienz (Kühlung), innere und äussere Aerodynamik, Gewichtsverteilung und Schwerpunkt. So werden Wärmetauscher und elektrische Aggregate neu angeordnet, um den Schwerpunkt zu senken. Das Heck soll so schlank werden wie jenes von Mercedes, um den Aerodynamikern den grösstmöglichen Spielraum zu schenken. Die Seitenkästen werden schlanker, die Verkleidung wird sich noch enger an den Motor schmiegen, das erhöht potenziell Probleme in Sachen Kühlung. Die Hinterradaufhängung wird unverändert bleiben.

Massimo Rivola, der langjährige Team-Manager von Ferrari, nun Chef des Nachwuchsprogramms, ist überzeugt: «In Sachen Motor liegt Ferrari bereits auf Augenhöhe mit Mercedes-Benz.»

Die wichtigsten Termine

Präsentationen/Roll-out
15. Februar: Roll-out Mercedes (Silverstone, unbestätigt)
17. Februar: Red Bull Racing (in London, Team-Farben)
21. Februar: Präsentation McLaren-Honda (Ort unklar)
21. Februar: Roll-out und Filmtag Ferrari (Circuit de Barcelona-Catalunya)
21. Februar: Roll-out und Filmtag HaasF1 (Circuit de Barcelona-Catalunya)
22. Februar: Präsentation HaasF1 (Circuit de Barcelona-Catalunya)
22. Februar: Präsentation Williams (Circuit de Barcelona-Catalunya)
22. Februar: Präsentation Manor (Circuit de Barcelona-Catalunya)
1. März: Neuer Sauber (Circuit de Barcelona-Catalunya)

Formel-1-Wintertests
22.–25. Februar: Spanien (Barcelona)
1.–4. März: Spanien (Barcelona)

Formel-1-WM
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (Sakhir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montreal)
19. Juni: Aserbaidschan (Baku) *
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Budapest)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Suzuka (Japan)
23. Oktober: USA (Austin) **
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Sao Paulo)
27. November: Abu Dhabi (Insel Yas)
* Strecke noch nicht homologiert
** Finanzierung noch nicht gesichert

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