Marcus Ericsson (Sauber): Quali schadet kleinen Teams

Von Rob La Salle
Formel 1
Marcus Ericsson

Marcus Ericsson

​Sauber-Fahrer Marcus Ericsson kritisiert die Quali: «Dieses System schadet uns.» Aber wie es scheint, hat der Schweizer Rennstall gravierendere Probleme als das Quali-System.

Bislang haben wir nicht viele Formel-1-Insider getroffen, die mit dem neuen Quali-Prozedere im Grand-Prix-Sport glücklich sind. Auch Sauber-Fahrer Marcus Ericsson befindet sich unter den Kritikern, wie der Schwede in seiner Medienrunde ausgeführt hat.

Ericsson findet: «Das System ist nicht zu Ende gedacht, weil die Reifensätze falsch zugeteilt sind. Im vergangenen Jahr konnte ich in China herrlich vorstossen – ich war in Gefahr, schon in Quali 1 von Shanghai auszuscheiden, konnte mich dann aber mit einer letzten schnellen Runde ins zweite Segment retten. In Quali 2 dann gelang mir die perfekte Runde und ich schaffte es sogar unter die Top-Ten. So etwas kann ich heute glatt vergessen.»

«Heute ist das Prozedere so, dass du als kleines Team gar keine Reifen mehr hast, um in Quali 2 eine Sensation zu schaffen. Der Grund: Die Top-Teams mit den schnelleren Autos können es sich erlauben, im ersten Quali-Teil einen Satz Reifen zur Seite zu legen. Weil sie nur einmal fahren können und dort schnell genug sind. Die kleineren Rennställe hingegen müssen zwei Mal fahren, um ihre Chance zu wahren.»

Und das müssen sich auch ziemlich flott machen: Manor verpatzte beispielsweise in Australien die Strategie. Pascal Wehrlein gestern: «Wir dachten, weil wir Probleme mit dem Aufwärmen der Walzen haben, sei es zielführender, zwei Runden am Stück zu fahren. Aber der Zeitrahmen ist so eng, dass du nach zwei solcher Runden keine Zeit mehr hast, um an die Box zurück zu kommen und einen frischen Satz Reifen zu holen. Du musst gleich raus, eine erste Zeit fahren, dann sofort zur Box und einen zweiten Satz Walzen abzholen. Sonst geht dir schlicht zu Zeit aus.»

Und genau das ist es, was Ericsson ankreidet: Die Grossen können es sich dann leisten, locker in der Box zu bleiben. Die Kleinen müssen Reifen verfeuern, die ihnen später dann fehlen.
Nochmals Marcus Ericsson: «Für mich ist das eine Benachteiligung der kleinen Rennställe, das war doch nicht der Grundgedanke des Systems. Es sollte doch genau das Gegenteil bewirkt werden – dass möglich viel gefahren wird, nicht dass die Fahrer einmal aussetzen.»

«Das System hat auch seinen Reiz. Da ist ganz ordentlich Druck auf dem Kessel, mit dem du umgehen können musst. Da bleibt keine Zeit für Fehler: Raus, Zeit setzen, bumm, rein, neue Reifen, wieder raus, da hast du den Eindruck, dass du zum ersten Mal wieder atmen kannst, wenn Quali 1 vorbei ist. Ich fand das spassig. Doch ich finde einfach, die kleineren Rennställe werden dadurch bestraft.»

Aber in aller Wahrscheinlichkeit sind die Rechnungen von Marcus Ericsson sowieso akademisch: Nur der Manor von Rio Haryanto war im zweiten Training langsamer als die beiden Sauber-Renner, Pascal Wehrlein im schnelleren Manor hingegen liegt vor den Schweizer Rennwagen. Sauber hat sehr viel Arbeit vor sich.

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