Talentschmiede BSB: Wie der Glanz der British Superbike verblasste
Ende der 2000er brachte die BSB Talente wie Rea, Crutchlow und Sykes hervor. Doch zuletzt konnte sich kein BSB-Champion dauerhaft in der Superbike-WM etablieren.
Die Britische Superbike-Meisterschaft (BSB) begeistert seit jeher mit spektakulären Rennen und markanten Persönlichkeiten. Kaum eine Rennserie liefert bis zum Zielstrich derart intensive Rennaction. Doch ihre Rolle als Talentschmiede hat in den vergangenen Jahren spürbar gelitten. Ein Blick auf die Ranglisten der späten 2000er zeigt zahlreiche Namen, die später den Sprung in die Superbike-WM schafften. Zuletzt jedoch diente die BSB nur noch eingeschränkt als Pipeline für neue WM-Talente. Woran liegt das?
Jonathan Rea, Cal Crutchlow, Tom Sykes, Leon Haslam, Leon Camier und später Alex Lowes wechselten Ende der 2000er und Anfang der 2010er aus der BSB in die Superbike-WM und machten sich dort rasch einen Namen. Britische Fahrer prägten die Weltmeisterschaft über Jahre hinweg.
Alex Lowes gewann 2013 den BSB-Titel und war der bislang letzte Champion, der sich später dauerhaft in der WM etablieren konnte – Scott Redding ausgenommen, für den die BSB nach seinem MotoGP-Aus eher eine Zwischenstation darstellte. Dabei wirkte die Entwicklung in der BSB lange vielversprechend.
Tarran Mackenzie: Schwieriger WM-Einstieg mit unterlegenem Material
Tarran Mackenzie sicherte sich 2021 auf der Yamaha R1 den BSB-Titel, erhielt vom Hersteller jedoch lediglich vereinzelte Wildcard-Einsätze. Später nahm er ein Angebot von MIE-Honda an und startete 2023 in der Supersport-WM. Mit der unterlegenen Honda CBR600RR gelang ihm unter schwierigen, wechselhaften Bedingungen in Most überraschend ein Rennsieg.
Das MIE-Team ermöglichte Mackenzie schließlich den Sprung in die Superbike-WM. Mit der wenig konkurrenzfähigen Fireblade blieb der Schotte jedoch meist chancenlos. Eine neue Gelegenheit ergab sich im Sommer 2025, als sich MGM und Scott Redding trennten und ein Platz frei wurde. Beim Saisonfinale in Jerez verabschiedete sich Mackenzie mit drei Top-10-Ergebnissen in die Winterpause. Er wird auch 2026 für MGM-Ducati antreten. Mit 30 Jahren zählt er allerdings nicht mehr zu den großen Nachwuchshoffnungen.
Bradley Ray biss sich mit der MotoXracing-Yamaha die Zähne aus
Bradley Ray, BSB-Champion von 2022, wechselte ebenfalls in die Superbike-WM – mit überschaubarem Erfolg. Für MotoXracing-Yamaha belegte er 2023 und 2024 die WM-Ränge 20 und 21.
Abgesehen von einem sechsten Platz in Imola blieb ihm ein einstelliges Resultat verwehrt. 2025 kehrte Ray in die BSB zurück und entwickelte sich erneut zum Titelanwärter.
Kein weiterer Talentnachschub aus der BSB
Tommy Bridewell, BSB-Champion der Saison 2023, sammelte bereits 2019 erste WM-Erfahrungen als Ersatz für Eugene Laverty bei GoEleven-Ducati in Imola und Jerez. Nach seinem Wechsel von Ducati zu Honda erhielt er weitere WM-Gaststarts, blieb dabei jedoch punktelos. Mit 37 Jahren sind seine WM-Perspektiven begrenzt.
Die BSB-Saison 2024 gipfelte im Titelduell zwischen Kyle Ryde und Tommy Bridewell. Erst in der letzten Runde des letzten Rennens fiel die Entscheidung: Ryde sicherte sich mit einem Sieg den Titel – mit einem Punkt Vorsprung. Dennoch blieb er der BSB treu und verteidigte 2025 seinen Titel gegen Rückkehrer Bradley Ray. Auch 2026 startet Ryde in der BSB, dann jedoch auf Ducati statt Yamaha.
Warum ist es so schwierig geworden, BSB-Talenten den Sprung in die WM zu ermöglichen? Schauen sich die Teammanager der Superbike-WM inzwischen lieber im Grand-Prix-Paddock um? Tatsache ist: Immer weniger Fahrer gelangen über nationale Superbike-Meisterschaften in die WM, während der Weg über Moto2 oder die Supersport-WM zuletzt deutlich häufiger gewählt wurde.
BMW-Teammanager Shaun Muir sieht mehrere Ursachen
«Wenn man sich die drei oder vier wichtigsten Meisterschaften anschaut, dann würde ich sagen, die Britische ist die herausragende», erklärt BMW-Teammanager Shaun Muir, der früher selbst in der BSB tätig war. «Leider ist es so, dass die drei jüngsten Fälle – Bradley (Ray), Taz (Mackenzie) und Ryan (Vickers) – auf ganz unterschiedlichen Niveaus eingestiegen sind. Für mich geht es darum, das Talent im richtigen Alter abzufangen.»
«Sobald man eine gewisse Schwelle überschreitet, bleibt man hängen, wird wieder in die BSB zurückgeholt und bleibt dort sehr lange», beschreibt Muir das strukturelle Problem. Er bedauert insbesondere, dass Ryan Vickers’ Mut nicht belohnt wurde: Nach nur einer Saison verlor dieser seinen Platz bei Motocorsa-Ducati.
Muir betont, dass Talent allein nicht genügt, um den Sprung aus der BSB in die WM zu schaffen. «Man braucht ein gutes Managementteam im Rücken, man braucht finanzielle Unterstützung und ein Team, das zu einem passt. Aber ich sehe ehrlich gesagt nicht, dass das in irgendeiner anderen Meisterschaft passiert.»
«Historisch betrachtet verlief der Weg über die italienischen und spanischen Meisterschaften der kleineren Hubraumklassen in die Motorrad-WM und anschließend in die Superbike-WM. Doch das muss sich ändern», fordert Muir.
«Ich bin überzeugt, dass man das nur korrigieren kann, wenn man die Regeln der nationalen Serien an das angleicht, was wir in der Superbike-WM fahren, damit Wildcard-Einsätze möglich werden. Denn genau das bremst im Moment», nennt Muir einen zentralen Faktor für die zuletzt begrenzte Wirkung von Gaststarts.
Offen bleibt die Frage, wie sich die Kluft zwischen WM und nationalen Serien entwickelt, wenn Michelin zur Saison 2027 einsteigt. Viele nationale Superbike-Meisterschaften setzen ebenfalls auf Pirelli, mit Ausnahmen wie der MotoAmerica, die auf Dunlop fährt.
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