Wirbel um Max Verstappen: Das sagen IndyCar-Stars

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Max Verstappen verärgert mit ungewöhnlichem Defensiv-Verhalten seine Gegner. Insider warnen vor einem Highspeed-Crash. Aber was sagen die US-Stars, die Rad an Rad bei irren Tempi kämpfen?

Sportwagen-Champion Martin Brundle, Ex-GP-Pilot Jean Alesi oder Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve sind nur drei überaus erfahrene Piloten, die warnen: Wenn das so weitergeht mit dem ungewöhnlichen Defensiv-Verhalten von Max Verstappen, dann wird es früher oder später zu einem hässlichen Unfall kommen.

Die Regelhüter der FIA schweigen sich aus: Die Duelle von Verstappen gegen Kimi Räikkönen führten weder in Ungarn noch in Belgien zu einer Untersuchung der Rennpolizei, geschweige denn zu einer Strafe. Und dies, obschon in Spa-Francorchamps zwei frühere Rennfahrer unter den Kommissaren waren – der US-Amerikaner Danny Sullivan (CART-Champion und Indy-500-Sieger) sowie der Brasilianer Felipe Giaffone (Rennsieger in der Indy Racing League, IRL).

Das gibt mir die Überleitung zum Fahrerausbildungsprogramm «Safe is Fast» (sicher ist schnell), in dem einige US-Stars über das Fahrverhalten im Duell sprechen und den feinen Unterschied zwischen Verteidigen und Blockieren. Einige ihrer Aussagen sind stichhaltig für dieses gegenwärtig in der Formel 1 kontrovers diskutierte Thema.

GP-Veteran Kimi Räikkönen hat wiederholt moniert, wie sein Gegner auf ihn reagiere, nachdem sich der Finne bereits für eine Seite festgelegt habe. Das ist es, was den Finnen stört. Und er erhält Rückendeckung aus den USA.

Die grundsätzliche Herangehensweise im IndyCar-Sport: Wenn der vorne liegende Fahrer seine Linie wechselt, und zwar einmal, dann ist das Verteidigen. Wenn der vorne fahrende Pilot jedoch wartet, bis der Angreifer entschieden hat, wie er attackiert und dann erst die Linie wechselt, dann wird das als Blockieren eingestuft.

In der Formel 1 gilt: Ein Richtungwechsel bei der Anfahrt zur folgenden Kurve ist okay, zwei Wechsel sind nicht okay. Über ein Herumzacken in der Bremszone ist nichts festgelegt. Und genau das ist das Problem, das wir gegenwärtig haben.

In einem US-amerikanischen Schulungsvideo von «Safe is Fast» (einem Online-Ausbildungsprogramm für Rennfahrer) haben die Spezialisten aus dem US-Sport dazu Folgendes zu sagen.

Der vierfache IndyCar-Meister Scott Dixon aus Neuseeland definiert: «Die Grenze zwischen Verteidigen und Blockieren ist ganz schmal. Es hängt auch ein wenig von der betreffenden Rennserie ab. Für mich ist die grösste Unterscheidung – wenn du auf deinen Hintermann reagierst, dann ist das Blockieren.»

Der Australier Will Power, IndyCar-Meister 2014, sagt klipp und klar: «Wenn du die Linie wechselt, nachdem das der Hintermann schon getan hat, dann ist das für mich unerlaubtes Blockieren und sollte bestraft werden. Verteidigen hingegen ist – du suchst dir eine Seite aus, um dich für die folgende Kurve zu schützen, in der Regel ist das die Innenseite, dann aber bleibst du auf dieser Linie.»

Der dreifache Indy-500-Sieger Hélio Castroneves meint: «Wenn du dich als vorne liegender Fahrer auf eine Linie festlegst, dann gibst du dem Gegner die Richtung vor. Die Körpersprache deines Autos sagt gewissermassen – also ich lege mich hier fest, wo immer du dein Glück versuchen willst, ist ab jetzt deine Sache. Am schlimmsten finde ich Fahrer, die immer mit einem Auge im Rückspiegel zur Sache gehen: Ich greife an, lege mich also auf eine Seite fest, dann merke ich, wie mein Vordermann darauf reagiert. Dann weiss keiner, wie das ausgeht.»

Paul Walter, Rennleiter der American Le Mans-Serie, sagt: «Wir wiederholen das bei jeder Fahrerbesprechung – Bewegung als Reaktion auf eine Aktion des Hintermannes, das ist Blockieren. Sauberes Verteidigen, das ist für mich eine Linie wählen und dann dabei bleiben. Wenn wir mit dem Fahrverhalten eines Piloten nicht glücklich sind, dann senden wir ihm eine kleine Botschaft – über seinen Rennstall. Passiert es erneut, betrachten wir das als bestrafenswert. Das kann von einer Durchfahrtsstrafe bis zu einer Stop-and-go-Strafe reichen.»

Rennfahrerlegende Johnny Rutherford (dreifacher Indy-500-Sieger) ortet das Problem woanders: «Die heutigen Jungs wachsen im Go-Kart auf. Sie bekommen quasi mit der Muttermilch verabreicht – lass den Hintermann um keinen Preis vorbei! Und wenn er dir im Weg steht, dann gibst du ihm eben einen kleinen Schubser. Um jeden Preis vorne zu bleiben oder nach vorne zu kommen, das ist nicht gut.»

Die Rennfahrerin Simona de Silvestro meint: «Es hat auch viel mit Respekt zu tun. Wenn der Hintermann einen sauberen Angriff fährt, dann geht das für mich in Ordnung. Wenn du dich hingegen nur mit allen anlegst, dann fällt dir das früher oder später auf den Kopf, denn du wirst diese Gegner wieder treffen und erhältst dann mit gleicher Währung zurückbezahlt. Hart fahren, das ist in Ordnung, aber der Respekt darf nicht verloren gehen.»

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