MotoE

Jerez-Feuerdrama: Der Strom kam aus der Steckdose

Von - 14.03.2019 10:12

Der Großbrand in Jerez offenbart auch das Ende der Scheinheiligkeit. Von erneuerbarer Energie beim Laden der Batterien der 20 MotoE-Motorräder von Energica war nichts zu sehen.

Erschütternde Szenen spielten sich heute in der Früh vor dem zweiten Testtag mit den Einheits-Motorrädern von Energica im Paddock des «Circuito de Jerez – Ángel Nieto» ab, als die Teams zum MotoE-Zeit kamen. Über Nacht war das Zelt mit allen 18  Energica Ego Corsa-Motorrädern der Teams sowie zwei Ersatzmaschinen komplett ausgebrannt.

Als einziges deutsches Team nimmt der Dynavolt Intact GP-Rennstall aus Memmingen mit dem Schweizer Jesko Raffin am 2019 erstmals geplanten FIM Enel MotoE-Weltcup teil.

Teamprinzipal Jürgen Lingg traute seinen Augen nicht, als er heute in der Früh Richtung MotoE-Zelt spazierte, in dem auch die Boxen aller Teams untergebracht waren.

«Ich habe keine Ahnung, wie und warum dieser Brand ausgebrochen ist. Die für das Laden der Batterien zuständigen Techniker haben gestern schon Probleme beim Laden der Elektro-Antriebe gehabt. Sie haben sogar überlegt, ob sie die Maschinen von diesem neuen Zelt nicht in die üblichen Boxen im Hauptgebäude bringen sollen. Aber am Abend haben sie uns erklärt, sie bekommen es geregelt, dass genug Strom vorhanden ist. Wir haben die Strecke gestern um ca. 20.30 Uhr verlassen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Batterien der Motorräder noch nicht geladen. Die zuständigen Techniker sagten uns, sie würden die ganze Nacht bleiben und eine Batterie nach der andern laden. Was dann genau passiert ist, kann ich nicht sagen. Ich vermute einfach, das Feuer ist beim Aufladen der Batterien ausgebrochen. Aber das ist nur eine persönliche Vermutung», erzählte ein entgeisterter Jürgen Lingg im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Wir bekommen bisher keine Infos, gar nichts. Es ist die Polizei da, es ist alles abgeriegelt. Sie untersuchen alles.»

Es ist auf jeden Fall das gesamte Material für den FIM Enel MotoE Weltcup, der am 5. Mai in Jerez beginnen sollte, durch den Brand vernichtet worden. «Sogar unsere komplette Boxeneinrichtung ist verbrannt. Unser ganzes Werkzeug und so weiter ist da drinnen gewesen. Wir haben nichts mehr, was wir heute in unseren Auflieger einladen können», seufzte Lingg. Der Teammanager schätzt den Schaden für das Intact-Team auf ca. 50.000 Euro.

Die ca. 260 kg schweren Motorräder hingegen befinden sich nicht im Besitz der Teams, sie werden von Energica und der Dorna kostenlos zur Verfügung gestellt. Sechs Rennen bei fünf Europa-GP sind geplant; auch auf dem Sachsenring und in Spielberg soll gefahren werden.

Was dieses Feuerdrama für die nahe Zukunft des Weltcups bedeutet, lässt sich bisher nicht abschätzen. Der italienische Hersteller Energica kann auf keinen Fall bis zum geplanten Saisonstart am 5. Mai 18 neue Renn-Protptypen sowie die vorgesehenen zwei Ersatzmaschinen neu aufbauen. «Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht. Hier ist alles ‚top secret.‘ Die Polizei führt die Untersuchungen. Wir reisen heute heim, denn wir können alle bloß noch rumstehen. Ich habe meinen Flug umgebucht…»

Die Hitze beim Laden der 100 kg schweren Batterien der Energica-Maschinen war immer schon ein Problem, man sah auch bei 20 Außentemperatur Grad immer wieder riesige Ventilatoren neben den Bikes stehen.

Und vom reichlich blauäugigen und optimistischen Plan der Dorna, die Batterien im Paddock nur mit erneuerbarer Energie (Wind, Sonne) zu laden, waren die scheinheiligen Energica- und Enel-Techniker meilenweit entfernt. Der Strom an den Ladestationen des italienischen Energiekonzerns Enel kam aus der Steckdose – auch jetzt in Jerez.

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So sah es in der Früh beim MotoE-Zelt in Jerez aus © Frei So sah es in der Früh beim MotoE-Zelt in Jerez aus
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