Moto2

Tom Lüthi: «Natürlich will ich um den Titel fighten»

Von - 20.04.2019 14:53

Texas-GP-Sieger Tom Lüthi plant zwei Moto2-Jahre. Eine Aussstiegklausel für MotoGP hat er im Intact-Vertrag nicht.

Tom Lüthi hat nach der missglückten MotoGP-Saison bei Marc VDS Honda seine alte Form und sein Selbstvertrauen rasch wieder gefunden. Bei den Wintertests tastete er sich schrittweise wieder an das Limit der Moto2-Kalex heran. Nach drei Grand Prix in der Moto2-WM hat der 32-jährige Schweizer seinen Ruf längst wieder hergestellt. Als Moto2-Vizeweltmeister 2016 und 2017 hat er im Dynavolt Intact-GP-Team bereits zwei Podestplätze errungen und Platz 3 in der WM übernommen.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com schildert der zwölffache Moto2-GP-Sieger und 125-ccm-Weltmeister von 2005 (auf Honda) seinen Weg zurück an die Weltspitze. Er redet über die perfekte Saisonvorbereitung, eine mögliche Superbike-Karriere und die Situation im Intact-Team.

Tom, wie sehen deine Zukunftspläne aus? Willst du so schnell wie möglich zurück in die MotoGP? Oder hast du bei Intact einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben?

Genau, ja.

Hast du eine Ausstiegsklausel, falls ein MotoGP-Angebot kommt?

Nein, ist nicht vorgesehen. Wir wollen jetzt bei Intact wirklich zwei Jahre zusammenarbeiten, etwas aufbauen, möglichst stark sein und natürlich weiter vorne mitmischen. Das ist das Ziel.

Ist das Thema MotoGP also mal für zwei Jahre ausgeblendet? Oder hast du es nach dem Debakel von 2018 für immer beerdigt? Spielt MotoGP in deinen Plänen keine Rolle mehr?

Ja, dass die MotoGP komplett weg ist, sage ich natürlich nie. Aber ich weiß nicht, wie es in Zukunft sein wird. Zurzeit habe ich nur die Moto2 im Kopf und konzentriere mich auf die laufende Saison.

Max Biaggi ist mit 42 Jahren noch Superbike-Weltmeister geworden. Du bist jetzt 32.
Die MotoGP kann bei all den Teenagern kein echtes Thema mehr werden.
Wirst du mit 35 Jahren irgendwann Richtung Superbike-WM schauen? Dort fahren sechs, sieben Werke mit, man kann gutes Geld verdienen. Wäre das eine spannende Herausforderung?

Ja, vielleicht. Das sehen wir dann.

Die Superbike-WM schließe ich nie aus, sicher nicht. Aber jetzt steht die Moto2-WM im Vordergrund. Ich habe da große Ziele.

Ich habe mich so gewissenhaft wie nie zuvor auf diese Saison vorbereitet. Erstmals habe ich mit meiner BMW S1000RR schon im Januar mit Riding Coach Alvaró Molina in Spanien trainiert.

Ich war also während des Testverbots erstmals trainieren. Ich habe da auch super Unterstützung von BMW Schweiz; sie haben mir das Motorrad zur Verfügung gestellt. Wir haben eine sehr gute Elektronik drauf und konnten vom Mapping her sehr viel einstellen.

Das war ein super Training. Ich konnte bereits ein gewisses Gefühl für den ersten Moto2-Test im Februar aufbauen. Ich konnte mir diesmal den Winterrost schon beim Training mit der BMW wegfahren. So war ich schon in Schuss, als die Testerei losging.

Ich habe im Winter wirklich alles probiert, um diese Saison sauber aufzugleisen. Ich will jetzt über die weitere Zukunft jetzt gar nicht nachdenken.

Und Alvaró wird bei allen Rennen dabei sein. Er hat mein Winter-Training in Spanien organisiert, er war immer dabei. Er unterstützt moch sehr. Er ist Techniker, er wird mich aber bei den Grand Prix auch mit Taktiktipps und Ratschlägen für die Fahrtechnik unterstützen.

Ich werde voraussichtlich auch während der Europa-Saison mit der BMW noch einmal in Spanien trainieren.

Du hast Crew-Chief Gilles Bigot vom Schweizer CGBM-Team in die MotoGP mitgenommen. Aber er hatte in der MotoGP so wenig Erfahrung wie du. Nach der Saison 2018 habt ihr euch getrennt.

Er hat sich entschieden, bei Marc VDS zu bleiben. Er hat ein gutes Angebot bekommen und macht dort jetzt Moto2 mit Xavi Vierge. Er hat mir gesagt, er wolle noch drei, vier Jahre arbeiten udn verdiene bei Marc VDS besseres Geld. Das habe ich akzeptiert.

Ich habe jetzt den ehemaligen Kalex-Techniker Michael Thier als Crew-Chief. Über diese Konstellation freue ich mich sehr. Er ist ein junger Mann und extrem motiviert. Das ist genau das Richtige. Ich brauche motivierte Leute um mich herum, die an mich glauben. Mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten, das macht extrem Freude.

Die ganze Crew bei Intact, das gesamte Team von den Chefs bis zu den Mechanikern sind alle bis in die Fingerspitzen motiviert. Das gefällt mir extrem gut. Das habe ich schon bei den Tests gespürt.
Ich habe mich selten so auf eine neue Saison gefreut wie 2019.

Du warst 2016 und 2017 Vizeweltmeister in der Moto2. Jetzt bist du aus der MotoGP-Klasse zurückgekehrt. Du stehst unter Erfolgsdruck. Man erwartet konstant Top-3-Plätze von dir. Richtig?

Ja, es ist natürlich schon unser Ziel, wirklich konstant vorne mitzufahren.

Aber niemand darf sich einbilden, die Moto2 sei leichter geworden, weil wieder vier starke Fahrer aufgestiegen sind.

Das ist überhaupt nicht der Fall. Die Moto2 ist eine Riesen-Challenge, eine Riesen-Herausforderung. Aber ich war schon im Winter guter Dinge. Ich wusste, dass wir gut aufgestellt sind.

Ich habe mir ausgerechnet, dass wir von Katar weg vorne mitmischen können.

Du bist jetzt WM-Dritter. Alles andere als der Titelgewinn wäre eine Enttäuschung?

Ja, es wäre natürlich das Ziel, um den Titel zu fighten.

Unser Ziel war, dass wir uns vorbereiten und bereits in Katar in der Spitzengruppe sind.

Läuft die WM von den Gegnern her so wie erwartet?

Es gab und gibt viele Fahrer, die Titelchancen haben. Wenn ich jetzt Namen nenne, vergesse ich sicher einen… Luca Marini war zum Beispiel schon letztes Jahr einer, der konstant fährt. Es gibt dazu immer Überraschungen mit Piloten, die plötzlich stark werden, mit denen man nicht gerechnet hat.

Ich habe mit Marcel Schrötter einen sehr schnellen Teamkollegen. Das ist sehr cool. Unser Ziel muss sein, weiter gut zusammenzuarbeiten und uns gegenzeitig zu besseren Rundenzeiten zu pushen.

Mika Kallio ist einer der letzten Fahrer gewesen, der aus der MotoGP zurückgekommen und dann 2014 Moto2-Vizeweltmeister geworden ist. Fallen dir andere Kandidaten ein, die als Moto2-Rückkehrer Erfolg hatten?

Ja, sicher, vorher Toni Elias. Er ist 2010 sogar Weltmeister geworden.

WM-Stand Moto2 (nach 3 von 19 Rennen)

1. Baldassarri 50. 2. Schrötter 47. 3. Lüthi 45. 4. Gardner 38. 5. Alex Márquez 36. 6. Marini 27. 7. Navarro 24. 8. Bastianini 21. 9. Lowes 19. 10. Binder 14. 11. Locatelli 14. 12. Lecuona 13.

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