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Neue Kommentatoren auf Eurosport: Wer ist besser?

Kolumne von Ivo Schützbach
Bei TV-Sender Eurosport wurde für die MotoGP-Saison 2016 beinahe das gesamte Kommentatoren- und Expertenteam ausgetauscht. Wie hat sich das neue On-air-Team beim Saisonauftakt in Katar geschlagen?

Für die Saison 2015 übernahm der französische Sender Eurosport die MotoGP-TV-Rechte in Deutschland. Letztes Jahr hörten wir mit Ron Ringguth, Johannes Orasche und Lenz Leberkern drei verschiedenen Kommentatoren zu, hinzu kamen die Experten Alex Hofmann, Dirk Raudies und später Stefan Nebel.

Von Anfang an kam es zu Streitigkeiten, Unstimmigkeiten, Feindseligkeiten und Kompetenzrangeleien innerhalb des Teams.

Für 2016 forderte Hofmann von Eurosport personelle Änderungen und bekam diese auch zugesagt. Nur, um sich wenig später in Richtung des österreichischen Senders ServusTV zu verabschieden.

Eurosport präsentierte daraufhin als Crew für 2016 die Kommentatoren Johannes Orasche, Jan Stecker und Harry Weber, als Experten Stefan Nebel und Ralf Waldmann.

Leberkern und Raudies wollen die Eurosport-Verantwortlichen lieber bei der Superbike-WM sehen, sie bekamen kein MotoGP-Angebot.

Beim Saisonauftakt in Katar kamen wir vier Tage lang in den Genuss jeder Menge Übertragungsstunden, noch dazu alle im Free-TV.

Wie hat sich die neue Mannschaft geschlagen? Haben die Umstrukturierungen qualitative Auswirkungen?

Moderatoren, Presenter, Kommentatoren und Experten lassen sich nur anhand ihrer Aussagen und Stils qualitativ bewerten, Dialekte lasse ich an dieser Stelle deshalb beiseite, diese sind Geschmacksache.

Orasche und Weber haben als Kommentatoren einen souveränen Job abgeliefert, waren gut vorbereitet und sind informiert. Als lästig empfand ich, dass sich Orasche und Nebel oft ins Wort gefallen sind – ein Unding im Fernsehen. Seien wir aber so fair und bedenken, dass dies die erste Sendung 2016 war. Allerdings verfügen beide über genügend TV-Erfahrung, um dies zu wissen.

Es ist auch nicht hilfreich, wenn der eine das Gegenteil vom anderen behauptet, wie etwa in der Startphase des Moto2-Rennens. Aber gut, der Monitor in einer TV-Kabine lässt sich nicht mit dem 55-Zoll-Flat zuhause vergleichen.

Wirklich störend empfinde ich den unnötigen Gebrauch von Anglizismen. Begriffe wie Pace, Performance, Setting oder Set-up sind im Rennsport gebräuchlich. Aber ständig von einer «Gap» zu reden, ist wirklich unnötig. Nicht jeder vor dem Fernseher weiß, dass damit der Abstand (die Lücke) zwischen zwei Fahrern gemeint ist. Dass Nebel in der Beschleunigungsphase ständig von einem «Drag-Race» redet, ist nicht nur ungebräuchlich und für die meisten unverständlich, sondern auch noch falsch. Ich könnte weitere Beispiele nennen.

Überhaupt bin ich der Meinung, dass Nebel viel spricht, aber wenig sagt. Nur zwischendurch blitzte sein Expertenwissen auf und er erklärte beispielsweise sehr gut, weshalb so viele MotoGP-Piloten in den Kurven weit gingen – weil ihnen das volle Vertrauen zum Vorderreifen fehlt.

Dabei fällt mir ein: Absolute Begriffe wie Limit, Maximum, Schnellster oder Letzter sollten nicht ständig mit «absolut» gesteigert werden.

Insgesamt lässt sich über die Männer in der Kabine sagen, dass sich ihre Leistung für den Laien nicht groß vom letztjährigen Personal unterscheidet.

Mit Jan Stecker und Ralf Waldmann zwei Leute in der Boxengasse zu haben, um am Ort des Geschehens Infos einzusammeln, ist grundsätzlich eine gute Idee. Nur frage ich mich, weshalb ihnen so wenig Sendezeit eingeräumt wird? Lohnt es sich wirklich, zwei Leute um die Welt zu fliegen, für täglich 5 oder 10 Minuten Übertragung?

Davon wünsche ich mir mehr, dann verfliegt auch die Aufregung und Anspannung von «Waldi». Als er sich am Donnerstag von der Kamera wegdrehte, musste ich schmunzeln. Dass er sich nach mehreren Jahren außerhalb des Grand-Prix-Fahrerlagers so gut vorbereitet hat, ringt mir Respekt ab. Hinzu kommt, dass Ralf ein echter Typ ist, einer der viel zu erzählen hat. Er muss nur aufpassen, dass er nicht zu sehr in Geschichten aus seiner Jugend abdriftet, dafür wurde er nicht engagiert. Entsprechend muss er auch nicht bei jeder Einblendung als «Vizeweltmeister» angekündigt werden. Einem 16-Jährigen ist es egal, dass Waldi 1996 und 1997 hinter Max Biaggi 250er-Vizeweltmeister war. Oder wie er selbst immer sagt: «Ich bin kein Meister, nicht mal Bademeister.»

Was Alex Hofmann Nebel und Waldmann klar voraus hat, ist sein Wissen als Fahrer über aktuelle MotoGP- und Superbike-Maschinen. Er kann dem Zuschauer sehr verständlich vermitteln, warum ein Motorrad was macht und wo die Unterschiede zwischen den Bikes liegen. Zudem ist Alex sprachlich äußerst gewandt.

Insgesamt lässt sich sagen: Wenn die Eurosport-Crew an einigen Feinheiten schleift, dann lässt es sich mit der aktuellen Besetzung aushalten.

Was ich jedem Kommentator empfehle: Weniger ist oft mehr. Der Zuschauer muss nicht wie im Radio sekündlich mit Gelaber berieselt werden.

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