Yamaha mit Martinez-Team, Jorge Lorenzo und Petronas

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Nicht auf den Marc VDS-Startplätzen soll die Rückkehr von Jorge Lorenzo zu Yamaha stattfinden, sondern durch eine Kooperation mit dem Nieto-Team von Jorge Martinez.

Jetzt zeichnet sich ab, wie Jorge Lorenzo (30) die nächsten zwei Jahre in der MotoGP-Weltmeisterschaft verbringen wird, nachdem er mit seinen Avancen bei Ducati Corse und Suzuki Ecstar abgeblitzt ist.

Der Malaysier Razlan Razali, dessen 92-jähriger Onkel Tun Mahathir bin Mohamad, kurz Mahathir oder Dr. M genannt, am 10. Mai 2018 zum zweiten Mal zum Ministerpräsident von Malaysia gewählt wurde, wird mit Geld des malaysischen Mineralölkonzerns Petronas das spanische MotoGP-Team von Jorge Martinez übernehmen. Der Martinez-Rennstall wurde für 2018 im Andenken an den tödlich verunglückten 13-fachen Weltmeister auf Ángel Nieto Team umbenannt. Petronas sponsort auch das Mercedes Formel-1-Team und war vorher Hauptsponsor von Sauber in der Formel 1.

Razlan Razali, ein begeisterter Triathlet, kam sogar zum Mugello-GP, um hier die Verträge zu besiegeln.

Yamaha wird bei Martinez wieder ein Kundenteam installieren, nachdem Tech3 zu KTM wechselt und die Verhandlungen mit Marc VDS abgebrochen worden sind.

Deshalb erklärte Jorge Lorenzo in Mugello mit großer Zuversicht: «Ich werde auch 2019 und 2020 in der MotoGP-WM fahren.»

Der zweite Fahrer wird aller Voraussicht nach nicht Hafizh Syahrin sein, der bei Tech3-KTM für nächstes Jahr nicht unbedingt erwünscht ist, sondern voraussichtlich Rossi-Schützling Franco Morbidelli, der bei Marc VDS nach dieser Saison arbeitslos werden dürfte.

Durch die Übernahme der zwei Martinez-Startplätze haben Yamaha und Petronas zwei Jahre Planungssicherheit. Mit Marc VDS Racing hat dieser Deal – entgegen vieler Berichte – absolut nichts zu tun.

Und nach 2020 kann Rossi entweder das Yamaha-Kundenteam bilden – oder Yamaha rüstet wie zu Forward-Zeiten drei Teams aus.

Lorenzo soll bei Petronas-Yamaha eine 2019-Werks-Yamaha erhalten.

Marc VDS wird die MotoGP-Plätze nach der Saison 2018 voraussichtlich zurücklegen. Oder zumindest einen, weil Estrella Galicia 0,0 Alex Márquez nach vier Moto2-Jahren in die MotoGP-WM bringen will. Aber bisher reicht das Budget für dieses Projekt bei weitem nicht.

Jorge Martinez hatte schon in der Vergangenheit eine Kooperation mit einem Sponsor in Malaysia: Die Energy-Drink-Firma Drive M7 finanzierte ihn zur Zeit der Honda-Open-Class-Ära 2014 mit Nicky Hayden, beendete den gültigen Vertrag aber vor der Saison 2015.

Petronas kam 2018 in die Moto3-WM zurück, dort wird das Sepang International Circuit Team (SIC) mit den Honda-Piloten Sasaki und Norrodin unterstützt.

Moto3-Teambesitzer ist Razlan Razali, der auch CEO des Sepang Circuit und Promoter des Malaysia-GP ist. Er hat im Januar den Syahrin-Deal bei Tech3-Yamaha eingefädelt und deshalb enge Kontakte zum japanischen Hersteller, für den Südostasien ein wichtiger Wachstumsmarkt ist.

Yamaha war sich bereits in Le Mans bewusst, dass mit Marc VDS für 2019 kein Deal zustande kommt. Nur das Nieto-Team und Reale Avintia hatten noch keinen Materialvertrag für 2019 unterschrieben.

Ducati-Rennchef Gigi Dall'Igna wollte die Verträge aber demnächst verlängern. Martinez fuhr 2012 und 2013 auf ART-Aprilia, dann bei Honda, nach 2015 wechselte er zu Ducati.

Der geplante Yamaha-Deal von Jorge Martinez, dessen MotoGP-Team in den letzten Jahren immer ums finanzielle Überleben kämpfte und der mit dem Pull & Bear KTM-Moto3-Rennstall in Le Mans die Plätze 1 und 2 (Arenas vor Migno) eroberte, bedeutet Unheil für Bautista und Abraham. Sie werden bei Aspar 2019 keinen Platz mehr haben, wenn Yamaha-Petronas mit Lorenzo und Morbidelli oder Syahrin kommt.

Auf den vierfachen Weltmeister Jorge Martinez könnte Unheil zukommen. In den letzten Wochen fanden in Valencia mehrere Verhaftungen wegen Korruptionsfällen statt. Sogar Ex-Minister Eduardo Zaplana (62) ist von der spanischen Zivilgarde verhaftet worden. Er soll Staatsgeld veruntreut haben, wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war. Zaplana war Mitglied der Regierung unter José Maria Aznar zwischen 2002 und 2004 und zwischen 1991 und 1994 Präsident der autonomen Comunitat Valenciana, die später die Rennstrecke im Valencia baute und auch den sündteuren Formel-1-GP am Hafen organisierte. Auch der in seiner Heimat Valencia äusserst populäre Jorge Martinez wurde mehrmals der Küngelei mit den ortsansässigen Poltikern in Valencia bezichtigt.

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