Jonas Folger (Yamaha): «Das ist ein langer Prozess»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com spricht Jonas Folger erstmals nach dem Burn-out über seine MotoGP-Rückkehr, seine Gesundheit und seine Pläne.

Auch heute am Mittwoch präsentierte sich der Circuit Ricardo Tormo nach dem nächtlichen Regen nach 10 Uhr noch teilweise feucht, der Testtag wird kaum vor 12 Uhr beginnen. Jonas Folger bekam vom neuen Yamaha Factory Racing Europa Test Team für die MotoGP-Rückkehr (er ist seit dem AragónGP 2017 nicht mehr auf der M1 gesessen) erstmals Gelegenheit, sich wieder in der «premier class» zurechtzufinden.

Die Ergebnisse und Rundenzeiten sind vorläufig nebensächlich. Die echte Testarbeit beginn für Jonas erst beim Shake-down-Test von 1. bis 3. Februar in Sepang/Malaysia. An diesen drei Tagen treten dort alle Testteams aus der MotoGP-WM an, die Stammfahrer trainieren dann beim IRTA-Test von 6. bis 8. Februar in Sepang.

SPEEDWEEK.com traf sich mit Rückkehrer Jonas Folger (25), der sich beim Japan-GP Anfang Oktober 2017 wegen eines Burn-outs aus der WM zurückzog, zum Interview.

Zur moralischen Unterstützung beim ersten Yamaha-Test kam auch Marcel Schrötter zum MotoGP-Test, der von Freitag bis Sonntag in Jerez die Kalex-Triumph-Moto2-Maschine fahren wird.

Jonas, wie schwierig war die Anpassung an die M1-Yamaha, nachdem du rund 15 Monate auf keiner MotoGP-Maschine gesessen bist?

Es war nicht so einfach, weil die Elektronik so viel anders ist als die, die wir bei Tech3 gehabt haben. Es fühlt sich anders an. Wir sind gestern 28 Runden gefahren auf einem Reifensatz. Wir haben am Motorrad den ganzen Tag nichts verändert. Es geht vorerst darum, dass ich mich an die Elektronik gewöhne und mich fahrerisch dem Motorrad anpasse.


Welches Material hast du momentan zur Verfügung?

Ich habe ziemlich identische Bikes, wie sie auch in der Nachbarbox im Werksteam gefahren werden. Nix Neues, nix Altes, es ist das aktuelle Motorrad, aber ich habe den neuen 2019-Motor noch nicht, den Rossi und Viñales hier erstmals testen.


Ich werde erst nächstes Jahr in Sepang neue Teile für das Werksteam testen. Dieser Test hier ist sozusagen nur für mich, damit ich mich wieder einschießen kann und lerne, das Motorrad zu verstehen, mit dieser neuen Elektronik.

Wirst du nächste Woche am 28./29. November auch in Jerez testen?


Nein, weil diese Motorräder jetzt wieder zurück nach Japan geschickt werden. 


Bei der Elektronik hast du einfach mehr Parameter bei der Traction-Control und beim «corner by corner»-System als beim Tech3-Kundenteam 2017?

Es gibt im Werksteam generell mehr Elektronik, die beim Fahren eingreift und alles ein bisschen einbremst. Der Sinn und Zweck dahinter ist – die Reifen zu schonen. Das ist dann natürlich in Hinsicht auf die Rundenzeit schwierig. 
Aber ich bin eh noch weit von den Topzeiten entfernt. Ich muss zuerst noch mit der Elektronik klarkommen und mich darauf einstellen.
 Erst dann können wir am Set-up arbeiten, Sachen verstellen und so weiter. 


Wirst du wie dein Kollege Stefan Bradl 2019 auch Wildcard-Einsätze bestreiten? Maximal drei wären erlaubt?


Das steht noch nicht fest. 


Auf dem Sachsenring warst du 2017 Zweiter hinter Marc Márquez. Das wäre natürlich reizvoll?


Ja, natürlich. Absolut. Aber ich mag jetzt zuerst einmal fahren und testen. Im Frühjahr werden wir schauen, wo wir stehen. 
Wir müssen auch schauen, wie viel wir testen. Das bremst dann natürlich auch ein, wenn du einfach Teile testen musst und sollst. Das ist ja auch meine Aufgabe. Man kann sich dann halt weniger auf die Rundenzeit konzentrieren. 
Aber vielleicht ist die eine oder andere Wildcard möglich, ja.


Stefan Bradl sagt, wenn er einen Wildcard-Einsatz macht, möchte er vorher auf dieser Strecke getestet haben.


Genau, ja. Deshalb weiß ich nicht, ob es mit dem Sachsenring klappt. Wir werden Misano und Mugello als Teststrecken haben, eventuell noch Aragón. Jeder Hersteller muss sich drei Teststrecken aussuchen. Dazu kommen bei mir die IRTA-Tests in Sepang und Katar. 


Wirst du bei den drei Montag-Tests während der Saison auch mitfahren? Die sind meistens in Jerez, Barcelona und Brünn.

Das ist noch nicht sicher. Das neue Test-Team steckt noch in der Planungsphase. Manches wird spontan entschieden, das war auch bei diesem Test hier in Valencia so. 


Jürgen Lingg wollte dich am kommenden Wochenende im Intact-Team als MotoE-Testfahrer in Jerez haben. Du hast abgesagt. Kein Interesse an E-Bikes?

Ich hätte es schon gemacht. Aber Yamaha will, dass ich mich auf diese Aufgabe als MotoGP-Testfahrer konzentriere. 
Aber ich hätte es gemacht. Ich fahre gern Moped, deshalb wäre ich auch mit der MotoE gern gefahren. 


Seit wann geht es dir gesundheitlich so gut, dass du zumindest eine Aufgabe als Testfahrer übernehmen kannst?


Seitdem ich im Sommer bei Kalex als Moto2-Testfahrer angefangen habe. Das war der erste Schritt.

Ich bin in meiner Genesungsphase immer noch mitten drin. Der nächste Schritt nach Kalex war dieser MotoGP-Vertrag mit Yamaha.


Wie fühlst du dich jetzt körperlich? Wieder so gut wie in deiner besten Zeit?

Nein, nicht so gut wie in meiner besten Zeit. Aber es geht aufwärts. Das ist ein langer Prozess.

Der Schritt zurück in die MotoGP tut mir mit Sicherheit gut. Deshalb mache ich es auch. Auch weil ich Spaß dabei habe.
 Aber ich bin nicht zu 110 Prozent fit. Das dauert noch.


So ein offizieller MotoGP-Test mit Zeitnahme, TV-Mannschaften, Medien und Zuschauern stresst dich nicht zu sehr?


Nein, das mit der Zeitnahme stresst mich gar nicht. Ich war schon etwas aufgeregt, als es gestern losgegangen ist und nachdem ich mehr als ein Jahr vom Fahrerlager weg war. Ich habe jetzt erstmals die ganzen Leute wieder getroffen. Ich habe es bewusst vermieden, in ein GP-Paddock zu kommen. Das war meine Entscheidung.

Aber ich bin froh, dass ich hergekommen bin. Es war schön zu sehen, wie alle Bekannten reagiert haben und wie sie sich gefreut haben. 
Es ist nicht so, dass alle hergekommen sind und gefragt haben: «Warum? Wieso? Wie geht’s dir? Was hast du gemacht?»

Valencia-Test, 20. November, 1. Tag
1. Viñales, Yamaha, 1:31,416 min
2. Márquez, Honda, 1:31,718
3. Rossi, Yamaha, 1:31,845
4. Dovizioso, Ducati, 1:31,846
5. Bradl, Honda, 1:32,015
6. Morbidelli, Yamaha, 1:32,085
7. Aleix Espargaró, Aprilia, 1:32,095
8. Petrucci, Ducati, 1:32,100
9. Pol Espargaró, KTM, 1:32,179
10. Pirro, Ducati, 1:32,220
11. Bagnaia, Ducati, 1:32,396
12. Rins, Suzuki, 1:32, 402
13. Nakagami, Honda, 1:32,539
14. Miller, Ducati, 1:32,555
15. Mir, Suzuki, 1.32,787
16. Rabat, Ducati, 1:32,834
17. Zarco, KTM, 1:32,835
18. Lorenzo, Honda, 1:32,959
19. Iannone, Aprilia, 1:33,291
20. Abraham, Ducati, 1:33,301
21. Smith, Aprilia, 1:33,709
22. Folger, Yamaha, 1:33,810
23. Quartararo, Yamaha, 1:33,850
23. Syahrin, KTM, 1:34,233

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