Bradley Smith: «Alle Werke suchen den neuen Márquez»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Da immer mehr 20-jährige Talente in die MotoGP-WM drängen, ist für Fahrer wie Bradley Smith (27) kein Platz mehr. «Es grassiert der Jugendwahn», meint der bisherige KTM-Pilot. Er musste Platz für Zarco machen.

Bradley Smith hat Red Bull-KTM in den letzten zwei Jahren in der MotoGP-WM ein paar Enttäuschungen beschert, aber der Brite hat auch mehrmals für die Oberösterreicher die Kastanien aus dem Feuer geholt. So sicherte er 2017 in Valencia mit Platz 11 den fünften Rang in der Marken-WM (vor Aprilia), außerdem erreichte er sich 2018 auf dem Sachsenring Platz 10, während Pol Espargaró das ganze Jahr keinen Top-Ten-Platz schaffte – bis zum Valencia-GP, wo er mit Platz 3 im Regen ein sensationelles Ergebnis ablieferte und sich auch von Marc Márquez nicht einschüchtern ließ.

Aber auch Bradley Smith zeigte sich bei seinem Abschiedsrennen von seiner besten Seite und bescherte KTM noch einen achten Platz, das zweitbeste MotoGP-Ergebnis von KTM neben dem Podestplatz von Valencia. Pol Espargaró hatte 2017 in Brünn und Australien bereits zwei neunte Plätze eingefahren. In Valencia stellte er die KTM RC16 auf den sechsten Startplatz – wie 2017 in Australien.

Für Bradley Smith war 2019 kein Platz mehr bei KTM, denn das Tech3-Team gilt als Junior-Team, Bradley ist dort schon vier Jahre lang in der MotoGP-Klasse gefahren – von 2013 bis 2014, er hat auf der Kunden-Yamaha zwei Podestplätze erobert.

Pit Beirer, Motorsport-Direktor von KTM, lobte während der ganzen Saison 2018 die Einsatzbereitschaft des Engländers, der im Gegensatz zu Testfahrer Mika Kallio und Pol Espargaró stets unverletzt blieb und die KTM-Fahne bei allen 19 Grand Prix hochhielt.

Smith wusste bereits im April oder Mai, dass für ihn bei KTM kein Platz sein würde, aber er ließ den Kopf nicht hängen und stellte jederzeit seinen Mann.

Er schaute sich in der Moto2-WM um, hoffte auf einen Testfahrervertrag bei KTM, aber da wurde ihm Dani Pedrosa vorgezogen, dann vor Assen kam eine Anfrage von Petronas-Yamaha, doch diesen Job bekam Fabio Quartararo, auch ein Testfahrer-Deal bei Yamaha platzte – den bekam Jonas Folger. Und der Testfahrerplatz bei Honda blieb durch Stefan Bradl besetzt.

Also musste sich der Engländer mit dem Aprilia Racing-Team einigen. Er soll dort fünf Wildcard-Einsätze abwickeln, dazu darf er für Petronas den MotoE-Weltcup bestreiten. «So kann ich im GP-Paddock bleiben. Das war mein Traum und mein Ziel. Wenn das nicht geklappt hätte… Ich wollte mit 27 Jahren auf keinen Fall mit dem Rennfahren aufhören», seufzt der 27-jährige MotoGP-Pilot.

An der Superbike-WM hatte Bradley kein Interesse. «Es liegt nicht daran, dass ich kein Production-Bike fahren kann, ich habe 2015 das Suzuki Eight Hour-Race gewonnen», gibt Smith zu bedenken. «Meine Rundenzeiten konnten sich sehen lassen. Ich hatte keine Mühe. Aber ich hatte keine Freude mit diesen Motorrädern. ich hätte in der Superbike-WM sicher Möglichkeiten gehabt, aber mein Herz war dagegen.»

Jetzt muss sich Smith wie seine Kollegen Bradl, Folger, Redding und Bautista als Stammfahrer aus der Königsklasse verabschieden. Seine Zukunft war schon im August 2017 ungewiss, damals wurde bei KTM überlegt, ob man ihn nicht zum Testfahrer degradieren und Kallio ins Werksteam befördern sollte – nach dessen famosen zehnten Platz in Spielberg. Bradley einstiger Teamchef Hervé Poncharal fand damals klare Worte. «Es gilt das Gesetz des Wettbewerbs. MotoGP ist nicht das Rote Kreuz. Du musst die Begebenheiten akzeptieren. Wenn du keine Leistung bringst…»

Bradley Smith kam vor zwei Jahren nach einer schweren Knieverletzung (Training zum 8-h-Rennen in Oschersleben) zu KTM. Hat ihm diese Verletzung mehr zu schaffen gemacht, als er damals wahrhaben wollte? Denn 2017 war die Diskrepanz zwischen Pol und Bradley oft viel größer als 2018. Besonders am ersten Trainingstag – am Freitag.

«Ja, 2017 waren die Unterschied groß, in diesem Jahr lief es bei mir viel besser. Ich habe mit Pol an den meisten Wochenenden mithalten können», stellte der Aprilia-Neuling fest. «Aber manchmal waren die Rennen dann wieder meine Schwachstelle. Aber oft sind Pol und ich dann am Sonntag zu ähnlichen Ergebnissen gekommen… ich habe in den ersten Runden oft viele Plätze wettgemacht und war weiter vorne, als ich hätte sein sollen. Aber dann bin ich zurückgefallen. Das sah im Fernsehen schlecht aus. Aber immerhin hatte ich die Genugtuung, zwei, drei Runden meine Fähigkeiten ins Schaufenster zu stellen. Ich habe den Turnaround geschafft und die Schwierigkeiten von 2017 hinter mir gelassen. 2017 litt ich an den Verletzungen, KTM fing bei null an in der MotoGP. 2017 war gewiss kein gutes Jahr. Aber 2018 war ich wieder auf meinem gewohnten Level. Ich habe das Gefühl, ich bin gut gefahren. Aber der Deal mit Zarco im letzten Winter wurde früh abgeschlossen. Und Pol war in diesem Jahr nach drei, vier Rennen der besser platzierte Fahrer von uns beiden. Dazu war Oliveira in der Moto2 der große Aufsteiger von KTM, man brauchte einen MotoGP-Platz für ihn, wofür ich völlig Verständnis habe. Und Hafizh ist eine fantastische Bereicherung für die Meisterschaft. Er hat bei den letzten vier rennen drei zehnte Plätze herausgefahren. Er ist wichtig für den Sepang-GP und für den Markt in Südostasien. Was er ins einer Rookie-Saison geleistet hat, ist beachtlich. Deshalb war kein Platz mehr für mich bei KTM. Aber sie haben sich sehr loyal verhalten. KTM hat 2017 viele schlechte Resultate von mir geschickt und mich weiterfahren lassen. Pit hat an mich geglaubt, auch in Zeiten, als es wirklich schlecht gelaufen ist bei mir. Er hat mir dann im September 2017 mit Esteban Garcia einen neuen Crew-Chief gegeben. Dann ging es aufwärts.»

Smith weiter: «Man hat ja gesehen, dass alle Hersteller in der MotoGP nach dem nächsten Superstar Ausschau halten. Fahrer wie ich werden übersehen. Deshalb bin ich in diese Situation geraten. Ein Team muss immer auf den nächsten Topfahrer schauen, und das war Zarco, auch wenn er ein paar Monate älter ist als ich. Und Pol war im vergangenen Frühjahr der Fahrer mit den meisten Punkten. KTM muss sich auch für die Zukunft rüsten. Und außerdem grassiert seit Jahren der Jugendwahn. Aber die Erde dreht sich weiter, die Zeiten werden sich wieder ändern. Momentan werden viele 20-Jährige für die MotoGP verpflichtet. Jedes Werk hat Angst, den nächsten Marc Márquez zu verpasssen. So einfach ist es. Glaube ich, dass es einen zweiten Márquez gibt? Nein! Aber kein Teammanager will die Gelegenheit verpassen, wenn sich ein Riesentalent anbietet. Denn wenn das eine Werk nicht zugreift und ein anderer Werk dann mit diesem Talent Erfolg hat, schaust du blöd aus. Aber es gibt auch Gegenbeispiele. Danilo Petrucci wurde von Ducati mit Sorgfalt aufgebaut, er bekam Zeit, um sich entwickeln zu können.»

Aber Bradley Smith macht seinem alten Team keine Vorwürfe. «KTM hat mir zwei unvergessliche Jahre beschert. Ich habe meinen Speed gezeigt und mein Talent unter Beweis gestellt. Ich habe mein Bestes gegeben», sagt er.

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