Ein MotoGP-Urgestein erinnert sich: So war es früher

Von Kay Hettich
Ramon Forcada kann man die Erfahrung ansehen

Ramon Forcada kann man die Erfahrung ansehen

Ramón Forcada ist ein Urgestein im MotoGP-Paddock, seit nunmehr 30 Jahren arbeitet der Spanier in verschiedenen Funktionen und mit Piloten wie Kocinski oder Lorenzo. Er wünscht sich alte Zeiten zurück.

Als Alex Criville 1989 mit einer JJ Cobas die 125-ccm-Weltmeisterschaft gewann, absolvierte Ramón Forcada seine erste Saison als Mechaniker im Team von Antonio Cobas. Im Laufe der Jahre wandelte entwickelte er sich zum Cheftechniker und arbeitete mit Könnern wie Sito Pons, Alberto Puig, John Kocinski, Alex Barros und Jorge Lorenzo zusammen. Aktuell betreut er Franco Morbidelli bei Petronas Yamaha.

«Den Titel 1989 zu gewinnen, war unglaublich», erinnert sich Forcada. «In dem Jahr habe ich die Motoren von Álex vorbereitet. Die Dinge liefen gut und er gewann überraschend den Titel. Das Team hatte ein neues Projekt mit JJ Cobas begonnen, vorher fuhren sie mit Derbi. Ich habe mit den Motoren auf dem Prüfstand gearbeitet. Durch Repsol als neuen Sponsor hatten wir die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung. Heutzutage öffnet niemand die Motoren – weil es verboten ist. Die Viertaktmotoren erfordern nur viel Einstellungsarbeit, entweder elektronisch oder mechanisch.»

Forcada hat gute und schlechte Zeiten im GP-Zirkus erlebt, Katastrophen und Sensationen sowie den technischen und gesellschaftlichen Wandel in der Motorrad-WM. Gerne denkt der Spanier an die Zeit der mittlerweile abgeschafften Zweitakter zurück.

«Ich bevorzuge die Zweitakter, denn für einen Mechaniker ist es eine andere Welt. Man hat mehr Variablen und niemand hat einen Motor benutzt, der nicht modifiziert wurde. Jeder nahm seine Änderungen vor. Manchmal hast du Leistung gewonnen und manchmal hast du sie verloren – aber du hast immer daran gearbeitet. Es gab viele Dinge, die man beim Zweitakter mit seinen eigenen Händen tun konnte. Auch an einem Werksmotorrad hatten alle kleine Tricks», sagte Forcada. «Jede Klasse hat etwas Gutes und etwas Schlechtes. Das Bike, an das ich mich am besten erinnere, ist die Honda NSR 500. Bei den Viertaktern gab es die Honda 990er mit dem Fünfzylinder-Motor – ein simples aber spektakuläres Triebwerk: Sehr einfach aufgebaut, aber mit einer brillanten Konstruktion, ohne viel Technologie. Es war ein klassischer Motor, der sehr gut funktionierte.»

Nicht nur technisch hat sich viel während seiner Karriere verändert, auch die Atmosphäre im Fahrerlager.

«Die Weltmeisterschaft ist sehr professionell geworden. Offensichtlich hat sich vieles geändert – zum Guten oder zum Schlechten. Aber das ist der Preis, den man für eine Weltmeisterschaft wie sie heute ist zahlen muss. Das Fahrerlager hat sich sehr verändert. Früher war es wie in einer Familie: Es gab keine so gewaltigen Strukturen, alle Teams fuhren mit Lastwagen oder Bussen. Es gab Kameradschaft und keine Hektik. Ich erinnere mich, dass einer der großen Unterschiede darin bestand, dass die Teams nach dem Training miteinander geredet und sogar gegessen haben. Aber nicht etwa in einer Hospitality, sondern in der Box selbst.»

«Ich vermisse viele Dinge. Technische Aspekte und die manuelle Arbeit. Die Dinge, die man früher gemacht und erfunden hast, sind heute unmöglich. Das Bike funktioniert auch ohne das. Als ich damals anfing, hätte ich gerne mehr experimentiert. Das Problem am Prüfstand ist, wenn man ein Motorrad entwickelt, dass man vieles schlicht zerstört, weil es eben nicht funktionierte. Alles hat sich entwickelt. Die Reifen haben sich stark verändert, die Leistung hat sich erhöht und bei Aerodynamik gibt es immer weitere Fortschritte. Die Geometrie hat sich meiner Meinung seit damals am wenigsten verändert. Ein Motorrad ist verschiedenen Situationen ausgesetzt und diese Kräfte sind gleich geblieben. Das Gewicht ist ähnlich und es gibt immer noch zwei Räder.»

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