Größenwahn oder Weitsicht? MV Agusta redet vom Podest

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
MV Agusta ist Mitte der zweiten Saison in der Superbike-WM so weit, dass Werksfahrer Leon Camier aus eigener Kraft in die Top-10 fahren kann. Der Engländer lobt die konstanten Verbesserungen.

«Wir stehen dort, wo wir erwartet haben», ist das Fazit von MV-Agusta-Rennchef Brian Gillen zu Saisonmitte. «Mit etwas weniger Pech hätten wir sogar noch besser sein können. In Imola war für Camier Rang 5 oder 6 möglich, ohne die technischen Probleme. Es ist interessant für die Fans, wenn nicht immer die gleichen Marken vorne fahren, das ist auch gut für die Meisterschaft.»

SPEEDWEEK.com traf sich vor den Rennen in Misano mit Werksfahrer Leon Camier, um über seine Eindrücke und Perspektiven zu reden.

In Portimao hast du zahlreiche Dinge getestet: Was davon wird dir in Misano helfen?

Die Elektronik setzt nun viel besser um, was ich am Gasgriff mache. Das war bislang ein großes Problem. Dadurch haben wir nun auch mehr Grip aus den Kurven hinaus. Und wenn das Hinterrad durchdreht, dann tut es das gleichmäßig, das ist sehr positiv.

Bei der Abstimmung der Federelemente haben wir Fortschritte erzielt, auch mit der Schwinge.

Wichtig ist, dass ich nicht nur auf eine Runde eine halbe Sekunde schneller fuhr, sondern über mehrere Runden am Stück.

Abgesehen von den vier offiziellen Testtagen darfst du während der Saison nicht testen. Leistet sich MV Agusta ein Testteam wie Aprilia oder Ducati?

Federico Sandi testet für uns. Viele der Basisarbeiten, die es zu erledigen gilt, können auch abseits der Rennstrecke gemacht werden. Es gibt einige grundlegende Dinge, die wir festzurren müssen. Wenn uns das gelingt, können sie einen großen Unterschied ausmachen. Wenn wir vom ersten Training an in einen besseren Rhythmus kommen, dann stehen wir in den Rennen besser da.

MV Agusta spricht davon, dass das Motorrad 2016 gut genug für die Top-5 sein soll, sogar von Podestplätzen ist die Rede. Kannst du dir das vorstellen?

Die Top-5 sind ein ambitioniertes Ziel, auf einigen Strecken halte ich sie aber für möglich. Podestplätze kann ich im Moment keine sehen, das hängt aber davon ab, wie viel Arbeit MV Agusta kommenden Winter erledigen kann.

Gibt es genügend Manpower und Ressourcen bei MV Agusta, um so große Fortschritte zu erzielen?

Es werden Leute eingestellt, die Ressourcen werden mehr. Nächstes Jahr stehen wir sicher besser da.

Gibt es Hilfe von Teilhaber AMG?

Nicht soweit ich weiß. Ich weiß nicht, was wir davon haben würden. Ich weiß nur, dass es uns sicher etwas bringen würde.

Es lassen sich aber nicht alle Erkenntnisse aus dem Automobilbereich auf Motorräder ummünzen, das haben wir schon bei BMW gesehen. Alles muss speziell für Bikes entwickelt werden.

Mit mehr Ressourcen und Unterstützung würde MV Agusta besser dastehen, ganz sicher. Wir dürfen nicht vergessen, dass dies das erste Jahr als richtiges Werksteam ist.

Seit deiner Zeit bei Aprilia fährst du zum zweiten Mal für ein Werksteam. Was sind die Unterschiede zwischen diesen Teams?

Aprilia hat wesentlich mehr Ressourcen zur Verfügung. Deren Motorrad war in der Entwicklung auch weiter als ich für sie fuhr, als es die MV jetzt ist.

Die MV Agusta hat viel Potenzial. Sobald wir alle Probleme gelöst haben, haben wir mehr Motorleistung. Dann ergeben sich zwar andere Probleme, es ist dann aber eine Basis vorhanden.

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